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Golfprofi Martin Kaymer : „Ich spiele wieder so wie früher als Kind“

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„Ich bin auf jeden Fall vom Kopf her reifer, habe mehr Selbstvertrauen und glaube an mich.“ Bild: dpa

Obwohl das Auf und Ab zu seiner Karriere gehört, hat Martin Kaymer wieder Spaß am Golf. Im F.A.Z.-Interview spricht er über sein neues Selbstvertrauen und das Ausscheiden beim Heimspiel in Pulheim.

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          Martin Kaymer kennt das Auf und Ab im Golf. Im Frühjahr 2011 stand der 29 Jahre alte Rheinländer für acht Wochen an der Spitze der Weltrangliste, fiel dann aber nach einer Schwungumstellung bis auf Platz 63 zurück. Durch die Siege bei der Players Championship und den US Open meldete er sich eindrucksvoll zurück. Als Weltranglistenelfter war er als großer Favorit bei der BMW International Open in Pulheim gestartet, verpasste aber am Freitag nach Runden von 71 und 73 Schlägen den Cut um vier Schläge.

          Sie haben zwei der größten Turniere der Welt gewonnen, etwas, was in diesem Jahr kein anderer Golfer geschafft hat. Sind Sie wieder da, wo Sie vor drei Jahren schon einmal waren, ganz oben in der Weltspitze?

          Ich bin auf jeden Fall vom Kopf her reifer, habe mehr Selbstvertrauen und glaube an mich. Der Sieg bei der PGA Championship 2010 und der Aufstieg zur Nummer eins der Weltrangliste im Februar 2012 kamen etwas überraschend. Aber jetzt auf Grund der Titel, vor allem wegen der Art und Weise, wie ich sie gewonnen habe, bin ich gereift. Ich weiß, dass ich die Sachen gut gehandhabt habe. Das ist langfristig unheimlich wichtig. Deshalb würde ich sagen, dass ich jetzt ein viel besserer Spieler bin.

          Auch vom Schlagrepertoire?

          Ich bin jetzt viel kompletter. Ich habe jetzt keine Limitierung mehr. Vor drei, vier Jahren hat es hier und da noch ein bisschen geklemmt. Jetzt liegt es eigentlich nur noch an der Form, ob ich die Sachen auch auf dem Platz umsetzen kann.

          Trotzdem sind Sie bei der BMW International Open wie vor zwei Jahren am Cut gescheitert. Wie ist das zu erklären?

          Man muss akzeptieren, dass es Plätze gibt, die einem einfach nicht liegen. Ich bin hier wieder mit den Grüns nicht zurechtgekommen und habe dort viele Schläge liegen lassen. Ich bin ohnehin nicht mit großen Erwartungen nach Pulheim gekommen.

          Wie bitter ist es, dass Sie ausgerechnet bei Ihrem Heimspiel ausgeschieden sind?

          Für die Fans ist es natürlich schade, aber es sind noch ein paar Deutsche dabei. Ich kann damit gut leben. Denn ich weiß, man darf im Golf nicht mit der Erwartungshaltung herangehen, dass, wenn man die Nummer eins ist oder ein sehr gutes Turnier gespielt hat, es so weitergeht, man jedes Turnier gewinnt. Das ist im Tennis oder der Formel 1 vielleicht so, nicht aber im Golf.

          Profigolfer sind keine Roboter. Sie haben gute und schlechte Tage. Spüren Sie schon morgens beim Aufstehen, wie der Tag verlaufen wird?

          Ich hatte morgens schon häufig das Gefühl, heute wird ein schwieriger Tag, und dann habe ich sehr gut gespielt - und andersherum. Das spürt man nicht wirklich. Eigentlich merkt man es erst auf den ersten drei, vier Löchern, wie sich der Körper anfühlt. Da spielen viele Faktoren eine Rolle - wie zum Beispiel Jetlag.

          „Wenn du Turnier spielst, spielst du Turnier. Du denkst nicht über andere Sachen nach.“
          „Wenn du Turnier spielst, spielst du Turnier. Du denkst nicht über andere Sachen nach.“ : Bild: dpa

          Was ist das Geheimnis, unter größtem Druck locker zu bleiben? Vor allem, wenn man weiß - wie bei den US Open: Ich kann das Turnier nur noch selbst verlieren?

          Indem man mit der Überzeugung an den Start geht, sich selbst keinen Druck zu machen. Der Druck von außen ist für mich eigentlich nicht so wichtig. Vor der Schlussrunde der US Open habe ich am Morgen ferngesehen, um zu sehen, wo die Fahnenpositionen sind, wie die frühen Starter den Platz spielen. Aber ich habe sofort den Ton abgeschaltet, um nicht zu hören, was für Szenarien die Kommentatoren für mich ausmalen. Man muss für sich einen Weg finden, einfach da weiterzumachen, wo man am Vortag aufgehört hat - aber auf eine Art und Weise, die locker ist. Aber wie man das macht, kann man nicht beschreiben. Das muss jeder für sich selbst herausfinden. Mir ist das bei der Players Championship und den US Open sehr gut gelungen. Das waren zwei ganz wichtige Erfahrungen für mich, von denen ich langfristig profitieren werde.

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