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Europa gewinnt Solheim Cup : „Ihr seid eine große Inspiration“

  • -Aktualisiert am

So sehen Siegerinnen aus: Team Europa jubelt über den Erfolg beim Solheim Cup. Bild: USA TODAY Sports

Sie lassen sich auch von 130.000 amerikanischen Fans nicht beirren. Die Golferinnen des Europa-Teams schlagen die USA im Solheim Cup und beflügeln ihre Kollegen vom Alten Kontinent vor dem Ryder Cup.

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          Dieser Sieg verbreitet nicht nur im europäischen Frauengolf Optimismus. Am Montag, dem amerikanischen Feiertag Labor Day, gewann die Europa-Auswahl gegen das Team USA den Solheim Cup mit 15:13. Erst zum zweiten Mal nach 2013 siegten die „Euros“ auf amerikanischem Boden, diesmal im Inverness Golf Club in Toledo (Ohio). Auf dem Traditionsplatz im Mittleren Westen gelang Europa in der 17. Auflage der weiblichen Version des Ryder Cups der siebte Sieg.

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          Es war der vierte in den vergangenen sechs Duelle – ein Hinweis, dass die Dominanz der Amerikanerinnen beendet ist. Die zwölf Frauen aus England (3), Schweden (2), Dänemark (2), Irland, Deutschland, Frankreich, Spanien und Finnland siegten, obwohl ihre Gegnerinnen in der Weltrangliste meist höher eingestuft waren.

          Sie setzten sich mit einem Start-Ziel-Sieg durch, obwohl sie wegen der Reisebeschränkungen für Europäer ohne jegliche Fan-Unterstützung auskommen mussten. Die Europäerinnen ließen sich auch von 130.000 amerikanischen Sportfreunden, die von dem zweimaligen Masters-Champion Bubba Watson angeführt wurden, nicht beirren.

          Hochklassiges Golf beim Spektakel

          Dieser Coup sollte den Männern vom Alten Kontinent Mut machen. Sie kommen vom 24. bis 26. September für den Ryder-Cup-Wettbewerb nach Wisconsin und werden ihren Erfolg unter ähnlichen Bedingungen verteidigen müssen. In den sozialen Medien hagelte es Lob von den Kollegen. So postete der englische Ryder-Cup-Star Ian Poulter auf Twitter: „Es ist etwas Besonderes zu sehen, wie gut ihr Mädchen spielt und den Job auf fremdem Boden erledigt. Eine große Inspiration.“

          An den drei Tagen bei herrlichem Sonnenschein boten die Frauen von beiden Kontinenten nicht nur hochklassiges Golf. Das seit 1990 ausgetragene Prestige-Duell ist mittlerweile dank der Ausgeglichenheit der Teams zu einem Spektakel geworden, das der männlichen Variante in nichts nachsteht. 16 der insgesamt 28 Matches im Lochspiel endeten erst am allerletzten Loch.

          Genau auf diesem 18. versenkten die Europäerinnen die entscheidenden Putts. Im siebten Einzel schob Matilda Castren den Ball aus knapp zwei Metern ins Loch und bezwang damit die erfahrene Amerikanerin Lizette Salas mit „1 auf“ (ein mehr gewonnenes Loch). Die 26 Jahre alte Finnin gewann damit den 14. Punkt, der Europa als Titelverteidiger genügt hätte, um den Pokal wieder mit nach Hause zu nehmen.

          Vor zwei Jahren hatte auf dem Centenary Course des Gleneagles Hotels in Auchterarder (Schottland) die damals 38 Jahre alte Norwegerin Suzann Pettersen den Putt zum Sieg gelocht. Diesmal war es mit Matilda Castren ein „Rookie“, einer der vier Neulinge im Team. Sie hatte den ungewöhnlichsten Weg ins Team gehen müssen. Die gebürtige New Yorkerin, die mittlerweile in San Diego lebt, hatte im Juni als „Rookie“ auf der LPGA Tour ein Turnier gewonnen. Um Mitglied der Ladies European Tour zu werden, eine Bedingung für die Nominierung für die Europa-Auswahl, reiste sie im Juli in ihre finnische Heimat. Sie gewann dort die Gant Ladies Open. So konnte ihr die schottische Kapitänin Catriona Matthews einen ihrer „captain’s picks“ geben.

          Von den vier europäischen Rookies beeindruckte vor allem Leona Maguire, die erste Irin, die im Solheim Cup antrat. Sie wurde als einzige der 24 Spielerinnen in allen fünf „Sessions“ eingesetzt, blieb ungeschlagen und war mit viereinhalb Punkten die mit Abstand erfolgreichste Spielerin. Leona Maguire, die vor ihrem Wechsel ins Profilager 2018 die Amateur-Rangliste für die Rekordzeit von 135 Wochen angeführt hatte, gewann mit ihrem souveränen 5&4-Sieg (fünf mehr gewonnene Löcher bei vier noch zu spielenden) gegen Jennifer Kupcho am Montag den ersten Punkt für Europa.

          Sie wurde danach von ihren Mitspielerinnen gefeiert, die „MVP“ für Most Valuable Player skandierten. „Hoffentlich weiß jetzt die ganze Welt, wie gut Leona ist“, sagte die Engländerin Mel Reid, die in den gemeinsamen Vierern (so heißen die Doppel im Golf) dazu beigetragen hatte, dass Europa vor den Einzeln 9:7 geführt hatte. Madelene Sagström (Schweden) und Celine Boutier (Frankreich) mit ihren Siegen gegen Ally Ewing und Mina Harigue sowie Anna Norqvist (Schweden) und die Dänin Nanna Koerstz Madsen mit den Remis gegen Lexi Thompson und Austin Ernst bauten den Vorsprung auf 13:9 aus.

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          Der Grundstein für den großen Auftritt war gelegt. Zwar kassierten danach die Spanierin Carlotta Ciganda, die Deutsche Sophia Popov, die Engländerinnen Charley Hull und Mel Reid Niederlagen. Doch da die Dänin Emily Pedersen im Schlusseinzel am letzten Loch ihre Spiel gegen die Weltranglistenachte Danielle Kang mit einem Sieg vollendete, wurde aus dem drohenden Remis doch noch ein Triumph.

          Für Emily Pedersen war es auch ein Erfolg über ihren Verlobten Olly Brett, der als Caddie für ihre Gegnerin arbeitet. Aber auch das zeigt, wie eng die „Euros“ mittlerweile mit den Amerikanerinnen verbunden sind. Fast alle leben und arbeiten in den Vereinigten Staaten. Oder wie es Mel Reid ausdrückte: „Die Zeiten, in denen wir mit Ehrfurcht auf die Amerikanerinnen schauten, sind längst vorbei.“

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