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Harrington bei British Open : Golf jenseits der Konventionen

  • -Aktualisiert am

Ziemlich eigen: Padraig Harrington hat eine besondere Art des Schwungs. Bild: dpa

Der irische Golfprofi Padraig Harrington verblüfft die Fachwelt mit ungewöhnlichen Abschlägen und ausgefallenen Trainingsmethoden. Inspiriert wird er dabei von einem ganz bestimmten Film.

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          Padraig Harrington hat die Fans schon seit jeher bei Proberunden mit seinen Imitationen des Golfschwungs begeistert, der den Helden des Films „Happy Gilmore“ vom gescheiterten Eishockeyprofi zum erfolgreichen Golfprofi machte. Mit Anlauf, als wäre er auf Eis, schlägt Gilmore den Golfball 400 Yards weit – eine Fiktion, denn solche Weiten werden nur von den Weltbesten in Longdriving-Wettbewerben erreicht.

          Auch Harrington will „länger“ werden – und deshalb hat er neuerdings ein paar Anleihen aus dem Film genommen. Im Rückschwung hebt er den linken Fuß vollkommen vom Boden ab, um das Gewicht vollständig auf die rechte Seite zu verlagern, nach dem Treffen des Balles macht er mit der Linksdrehung einen Schritt nach vorne – Bewegungen, die im modernen Profigolf so ungewöhnlich sind, dass der 45 Jahre alte Ire vor dieser British Open in Southport einen neuen Spitznamen verpasst bekam: Happy Harrington.

          Diese unorthodoxen Bewegungen widersprechen allem, was im modernen Power-Golf als letzte Weisheit postuliert wird, nämlich den Unterkörper weitgehend ruhig zu halten. Harrington will mit seinem neuen Schwung nicht nur mit jungen Kollegen, die den Ball viel weiter schlagen, mithalten, er will auch seinen durch viele Jahre Profi-Golf strapazierten Körper schonen, zumal er sich im März einer Operation an der Halswirbelsäule unterziehen musste. „Wenn man älter wird, ist man nicht mehr so beweglich. Das muss man ausgleichen. Auch Gary Player hat im Durchschwung einen Schritt nach vorne gemacht. Jack Nicklaus hat ebenfalls den linken Fuß angehoben, nur die Zehenspitzen blieben am Boden.

          „Ein moderner Power-Golfer wie Bubba Watson hebt in einem Golfschwung gleich drei Mal vom Boden ab“, erklärte Harrington die Gründe, warum auch er die Bodenhaftung verliert. Harrington hat sich eben nie um Konventionen geschert. Er ist schon immer seinen ganz eigenen Weg gegangen. Viele Kollegen können davon berichten.

          „Mir hat er einmal erzählt, dass er mit neuen Golfschuhen den Ball sieben Yards weiter schlägt, mit einem neuen Handschuh ein Yard“, sagt Colin Montgomerie. Der Engländer Ian Poulter staunt noch immer über eine der Trainingshilfen des Kollegen aus Dublin: „Es sieht aus wie eine Zwangsjacke, und damit macht er volle Golfschwünge!“ Harrington erklärt das ungewöhnliche Kleidungsstück ganz einfach: „So kann ich die Arme nicht separieren und muss mit beiden gemeinsam schwingen.“

          Harrington gilt unter den Kollegen schon lange als Tüftler, als einer, der ständig auf der Suche ist, auch auf unorthodoxen Wegen noch besser zu werden. In seinem Haus hat der Profi ein „Golf-Labor“ eingerichtet. Dort analysiert er oft bis spät in die Nacht alle Facetten seines Schwungs und sucht nach Mitteln, ihn effektiver zu gestalten. „Viele Kollegen halten mich für verrückt. Andere denken, dass ich unglücklich bin, weil ich ständig auf der Suche bin. Aber das stimmt nicht. Man muss sich auch im Golf ständig weiterentwickeln.“

          Grund, mit seiner Karriere zu hadern, hat Harrington sicherlich nicht. Der Profi mit einem Studienabschluss in Buchhaltung kann auf eine überaus erfolgreiche Laufbahn blicken. Er gewann insgesamt 15 Turniere auf der European und sechs auf der amerikanischen PGA Tour, darunter drei Majors (British Open 2007 und 2008, PGA Championship 2008). Nach einer längeren Durststrecke gewann er zuletzt 2015 in Florida die Honda Classic und das Portugal Master im Oktober vergangenen Jahres.

          Bei der Premiere des „Happy-Gilmore-Schwungs“ hätte es in der vorigen Woche fast zum Sieg bei der Scottish Open gelangt. Er führte nach zwei Tagen, brach dann aber am Samstag bei extremen Wetterverhältnissen mit 79 Schlägen ein, erholte sich aber am Schlusstag mit 66 Schlägen wieder und belegte den vierten Platz. Deshalb wurde ihm auch in Southport viel zugetraut. Er wurde als einer der aussichtsreichen Außenseiter gehandelt, zumal kein anderes Major die reiferen Semester so bevorzugt wie die British Open. Hinzu kommt, dass sich Harrington im Royal Birkdale Golf Club ganz besonders wohl fühlt, denn für ihn sind mit dem rund 30 Kilometer nördlich von Liverpool gelegenen Platz wunderbare Erinnerungen verbunden.

          2008 gelang ihm hier die Verteidigung des im Vorjahr in Carnoustie gewonnen Titels. Auf Links Course, auf Plätzen in den Dünen der Britischen Inseln, ist er groß geworden, hier fühlt er sich Harrington zu Hause. Die besondere Spielform, bei der nicht immer der Luftweg zum Ziel führt, aber auch die Fähigkeit, Wind und Wetter zu trotzen, mal den Ball flach zu halten – all das liegt dem Iren. Er behauptet: „Auf Links Course habe ich einen Startvorteil.“ Leider konnte er den am Donnerstag in der ersten Runde nicht nutzen: Ein Bogey und ein Doppel-Bogey bedeuteten am Ende 73 Schläge (3 über Par). Harrington muss sich am Freitag steigern, um auch am Wochenende mitzuspielen.

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