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Golfprofi Marcel Schneider : Berufsanfänger hofft auf Einladung

Fängt klein an, will hoch hinaus: Marcel Schneider glaubt an seine Chance im Wettstreit mit der Golf-Elite Bild: dpa

Jungprofi Marcel Schneider ist beim Golfturnier in München überraschend der beste Deutsche. Während ihn der Andrang der Zuschauer beflügelt, wird der für manch anderen Kollegen zum Ballast.

          Marcel Schneider hat klare Ziele. „Unter die besten zwanzig der Welt zu kommen“ ist das eine. Das andere: nächste Woche in Bad Griesbach spielen zu dürfen. Denn Schneider ist kein Golfstar, um den sich die Veranstalter reißen. Er ist ein Jungprofi, der um Startplätze kämpfen muss. Als er sich für das Challenger-Turnier in Ostbayern angemeldet zu haben glaubte, aus einem Hotelzimmer in Frankreich, wurde er Opfer einer schlechten Internetverbindung. Die Meldung kam nicht an. Kleine Tücken des Profi-Alltags.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Seit Sonntag hofft der 25-jährige Schwabe, der vor drei Jahren mit einem überragenden Amateur-Handicap von +5 ins Profilager wechselte, dort aber ganz klein anfangen musste, dass er vielleicht doch noch eingeladen wird - nun, als der beste Deutsche beim besten deutschen Golfturnier.

          Schneider, zuletzt durch eine in China eingefangene Infektionskrankheit zweieinhalb Monate außer Gefecht, blieb bei den 27. BMW International Open auf allen vier Runden unter dem Platzstandard und landete mit 279 Schlägen auf Platz 20, acht Schläge hinter dem Sieger, dem Spanier Pablo Larrazábal, der zum zweiten Mal nach 2011 in München-Eichenried gewann.

          Die 24.000 Euro Preisgeld, die Schneider auf diesem Traditionsturnier der European Tour einstrich, kann er fürs Konto ebenso gut brauchen wie für die Geldrangliste, über die er sich langsam nach oben arbeiten muss. Sie entscheidet über seine weitere Zulassung für die Challenge-Tour, die zweite Liga des europäischen Golfs. Deren Turniere sind nach dem strahlenden Münchner Sonntag vorerst wieder die Provinzbühne des Berufsanfängers - Turniere wie zuletzt das in St-Omer, wo er 590 Euro verdiente.

          Das Resultat: Platz 47 mit 283 Schlägen

          Während Schneider das große Interesse des Publikums „sehr motivierte“, wirkte die Rekordkulisse von mehr als 65.000 Zuschauern an vier Turniertagen für manch anderen Deutschen eher wie ein Ballast. Allen voran auf Martin Kaymer, den früheren Weltranglistenersten, der eine Woche nach dem verpassten „Cut“ bei den US Open auch in München, dem Turnier, das er als bisher einziger Deutscher 2008 gewann, die Qualifikation für die beiden Schlussrunden versäumte. Sein letzter Abschlag blieb in einer Baumkrone hängen, und anschließend zeigte der deutsche Golfstar, der in diesem Jahr noch die Normalform sucht, sich etwas dünnhäutig angesichts des Rummels, der ihn beim Heimturnier überall erwartete.

          Auch der andere deutsche Spitzenprofi, Marcel Siem, zeigt enorme Schwankungen. Wenigstens hat er zum ersten Mal in diesem Jahr auf der European Tour den Cut geschafft, fand es aber „deprimierend, dass man sich über so was freuen muss“. Und auch er zeigte auf dem Platz in Eichenried, auf dem er als Kind das Golfspiel erlernt hatte, ein ambivalentes Verhältnis zum Heimpublikum, dem er „ein bisschen was bieten wollte“, in der Hoffnung darauf, „den zwölften Mann auf dem Platz hinter mir zu haben“. Dafür aber reichte diesmal die Qualität seines Spiel nicht: „Ich wollte zu viel.“ Das Resultat: Platz 47 mit 283 Schlägen.

          „Dann geht es nach hinten los“

          Das Interesse des Publikums, sonst zum großen Teil von Kaymer absorbiert, verteilte sich diesmal auf die „Deutschen aus der zweiten Reihe“, die „in der Breite gut gespielt haben“, wie Max Kieffer fand, mit 281 Schlägen auf Platz 29 der zweitbeste Einheimische. Aber auch er, im Besitz der begehrten Startberechtigung für die Top-Tour, stellte am Sonntag fest, dass die ungewohnt große Kulisse, die die Runden der Männer hinter Kaymer verfolgte, sich aufs eigene Denken und Spielen auswirkte.

          „Die ganze Woche hatte ich mir keinen Druck gemacht“, sagte Kieffer, „heute war das anders. Und wenn man es erzwingen will im Golf, geht es nach hinten los.“ So zeigte die neue deutsche Generation Golf, dass sie in der Breite inzwischen gute Qualität aufweist, die Stressresistenz für Spitzenleistung aber noch nicht. Am lockersten gegenüber den Ablenkungen am Schlusstag des Heimturniers blieb ausgerechnet Florian Fritsch - weil er mit dem Auto anreisen konnte.

          Schon am Sonntag nach Hause

          Der gebürtige Münchner leidet unter Flugangst. Trotz dieses gewaltigen Handicaps, das ihm die Reisen zu vielen Turnieren unmöglich macht, hat er sich im vergangenen Jahr schon zum zweiten Mal die Tourkarte für die European Tour erkämpft. In München schob sich mit einer 68er-Schlussrunde und 282 insgesamt auf Platz 40 vor.

          Nur in den frühen Tagen des Turniers waren die Münchner Ablenkungen auch bei ausländischen Spielern wirksam. Damals fand es parallel zum Oktoberfest statt. Der Legende nach musste der Amerikaner Mark Calcavecchia, einer der Besten seiner Zeit, nach einem Besuch auf der „Wiesn“ einmal länger als geplant in München bleiben, ehe er wieder reisefähig war. Das waren Zeiten. Heute ist der Profi von Welt schon am Sonntagabend auf dem Weg nach Hause.

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