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Tiger Woods : Aus einsamer Höhe

  • -Aktualisiert am

Tiger Woods kehrt zurück - und Golf wird wieder zum Spektakel Bild: AP

Tiger Woods ist tief gefallen. Vor dem Comeback in Augusta, auf das Millionen schauen, sind viele Fragen offen, nicht nur nach der sportlichen Leistung des Golfstars. Müssen Sportstars moralische Vorbilder sein?

          Endlich! Tiger Woods spielt wieder Turniergolf. Wenn der 34-jährige Amerikaner an diesem Donnerstag in der ersten Runde des Masters im Augusta National Golf Club abschlägt, sind 144 Tage vergangen, seit der Superstar zuletzt bei einem Turnier auftrat. Am Ostermontag wird Woods auf dem hügeligen Platz des exklusivsten Golfclubs der Welt im Nordosten des Bundesstaates Georgia bei einer Übungsrunde, vermutlich wie gewohnt in aller Herrgottsfrühe, erstmals wieder vor Publikum seinem Job nachgehen.

          Dann liegt der letzte Erfolg des Weltranglistenersten, der 82. Turniersieg, der Erfolg beim Australian Masters in Melbourne, nur zwanzig Wochen zurück - und doch kommt es Fans, Kollegen, Turnierveranstaltern und Fernsehanstalten vor, als sei eine kleine Ewigkeit ins Land gezogen. Ja, fast scheint es, als sei durch die Enthüllung, dass Woods bei seinen außerehelichen Affären genauso nimmersatt wie bei seiner Jagd nach Rekorden auf dem Platz war, die Golfwelt in ihren Grundfesten erschüttert worden.

          Dabei hat Woods - nimmt man die Turniere zum Maßstab, die er gewöhnlich bis zum ersten Major des Jahres spielt - nur viermal gefehlt: in Torrey Pines, bei den beiden Turnieren der World Golf Championship in Miami und Tucson sowie beim Arnold Palmer Invitational in Orlando. Golf hat früher schon viel länger auf Woods verzichten müssen.

          Vor Bekanntwerden seiner Affären zahlten Firmen über 100 Millionen Dollar pro Jahr, um mit Woods werben zu können

          Vom Sieg bei den US Open 2008, seinem 14. Triumph bei einem Major, bis zum Comeback beim Accenture World Matchplay im Februar vorigen Jahres fehlte er wegen seiner dritten Knieoperation - ein gerissenes vorderes Kreuzband im linken Knie musste geflickt werden - rund acht Monate, acht Monate, in denen die Einschaltquoten dramatisch sanken - und sprunghaft wieder stiegen, als er in der Wüste von Arizona zurückkehrte.

          „Das größte Medienereignis der letzten fünfzehn Jahre“

          Mit vierzig bis sechzig Prozent mehr an Zuschauern beziffern die amerikanischen Fernsehanstalten den Woods-Faktor, vor allem, weil der Sohn einer Thailänderin und eines Afroamerikaners mit indianischen Vorfahren auch Leute vor die Mattscheibe lockt, die nicht zum harten Kern der Golffreunde zählen. In der nächsten Woche erwarten die Fernsehsender ESPN, der an den ersten beiden Tagen überträgt, und CBS, der am Wochenende die beiden Schlussrunden sendet, Rekordzahlen.

          Sean McManus, der Präsident von CBS News and Sports, hält dieses Comeback von Woods neben der Amtseinführung von Präsident Barack Obama gar für das „größte Medienereignis“ der vergangenen fünfzehn Jahre. Gerade weil Woods' Image als Saubermann, als vorbildlicher Ehemann und Familienvater dahin ist, stachelt das die Neugier an. Kann er noch immer so vorzüglich Golf spielen? Haben die öffentliche Häme und Schelte sein Selbstvertrauen angekratzt?

          Unterstützung von Obama und Bill Clinton

          Die vergangenen Wochen dürften mehr als ein Härtetest für Woods gewesen sein. Fast täglich meldeten sich neue Gespielinnen. Falls wir uns nicht verzählt haben, sind 16 Affären ruchbar geworden. Zuviel für zwei seiner Sponsoren (Accenture und AT&T). Sie gaben ihm den Laufpass. Zwei weitere (TAG Heuer und Gillette) verzichten bis heute auf Werbung mit dem gefallenen Superstar.

          Vor dem Autounfall am 27. November hatten 95 Prozent der Amerikaner ein positives Bild von Woods, derzeit sind es nur noch knapp 25. Einen so rapiden Absturz in der öffentlichen Gunst hat bisher kein Sportler erlebt - aber nie fiel auch eine Berühmtheit aus so einsamer Höhe. Über hundert Millionen Dollar pro Jahr zahlte ein knappes Dutzend Firmen der Werbe-Ikone. Welche Wellen der Skandal um „Schniedel-Woods“ (“Bild“-Zeitung) schlug, zeigt am eindrucksvollsten, dass gleich zwei amerikanische Präsidenten, beide übrigens begeisterte Hobbygolfer, Woods brieflich ihrer Unterstützung versicherten. Bill Clinton, der vor ein paar Jahren dank seiner kurzen Liaison mit der Praktikantin Monica Lewinsky ebenso zur Zielscheibe geschmackloser Witze geworden war, konnte im Gegensatz zum derzeitigen Amtsinhaber Obama aus eigener leidvoller Erfahrung sprechen.

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