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Surferin Bethany Hamilton : Mit einem Arm hinaus aufs Meer

  • -Aktualisiert am

Bethany Hamiltons Leben ist ein Stoff für Hollywood Bild: AFP

Surferin Bethany Hamilton war 13, als sie bei einem Tigerhai-Angriff einen Arm verlor. Kurz darauf stand sie wieder auf dem Brett und wurde zum Star. Nun wird ihr Leben verfilmt - mit dem Starkult kann die Surferin allerdings nichts anfangen.

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          Die Sonne ist gerade erst aufgegangen, und die ersten Jugendlichen machen sich mit ihren Surfboards auf den Weg ins Wasser. Etwas abseits, auf dem Parkplatz des Narrabeen-Strandes im Norden von Sydney, lehnt die 20 Jahre alte Bethany Hamilton entspannt an einem Auto und blickt aufs Meer. Am Tag zuvor war sie im Viertelfinale der Junioren-WM ausgeschieden, und jetzt sind die Wellen klein und vom Wind zerzaust, es lohnt sich nicht, noch einmal hinauszupaddeln, ehe der Flug heim nach Hawaii geht.

          Ab und zu kommen Zuschauer zu dem blonden Mädchen und bitten um ein Autogramm. Einige legen ein Plakat des Wettbewerbes auf die Motorhaube, andere haben eine Ausgabe des „Sydney Daily Telegraph“ mitgebracht. Von der Titelseite der Tageszeitung lächelt sich Bethany Hamilton selbst entgegen. „Thanks for the support“, schreibt sie darunter. Danke für eure Unterstützung.

          Seit mehr als sechs Jahren kennt jeder in der Surfszene Bethany Hamilton, seit jenem 31. Oktober 2003, als sie auf Kauai, Hawaii, beim Angriff eines Tigerhais zwar mit dem Leben davongekommen war, aber ihren linken Arm verloren hatte.

          Sie trotzte ihrem Schicksal: Surferin Bethany Hamilton

          Eine harmlose Session endet in einer Katastrophe

          An jenem Morgen hatte sich die damals Dreizehnjährige, die talentierteste amerikanische Surferin, mit ihrer Freundin Alana sowie deren Vater und Bruder in die Wellen am Tunnels Reef im Norden Kauais gestürzt, und was mit einer harmlosen Surfsession begann, endete in einer Katastrophe, als ein fünf Meter großer Tigerhai aus der Tiefe auftauchte, Bethany Hamilton angriff und ihr den Arm abriss.

          Mit Hilfe ihrer Freunde schaffte sie es zurück an den Strand. Ein Rennen gegen die Zeit begann. Bethany Hamilton verlor 60 Prozent ihres Blutes, ehe sie überhaupt ins Krankenhaus gebracht werden konnte. Der Klettverschluss am Fangriemen der Surfboards rettete ihr das Leben. Mit ihm banden die Freunde den Armstumpf ab.

          Bethany Hamilton schwebt übers Wasser

          Nur vier Wochen später ritt Bethany Hamilton wieder ihre erste Welle, wieder in Kauai, nur das Board war länger und breiter. „Als es mir gelungen war aufzustehen, bin ich bis ganz nach vorne an den Strand gefahren“, erzählt sie. „Ich war so glücklich, wieder draußen auf dem Wasser zu sein.“ Schon nach einigen Wochen wechselte sie zurück auf ein Profiboard, das kleiner und wendiger und viel schwieriger zu fahren ist.

          Mit verblüffender Selbstverständlichkeit paddelt Bethany Hamilton seither mit einem Arm hinaus aufs Meer, taucht durch brechende Wellen, bringt sich in Stellung, paddelt die Wellen an, setzt ihre rechte Hand in die Mitte des Surfboards und richtet sich in einem Ruck auf. In den nächsten Sekunden schwebt Bethany Hamilton über das Wasser, der fehlende Arm irritiert den Zuschauer, der Eleganz ihres Fahrstils nimmt er nichts. Man kann es kaum glauben: Es handelt sich um eine koordinative Ausnahmeleistung. Das Stück, das der Tigerhai aus ihrem Surfbrett biß, läßt vermuten, daß der Hai fast fünf Meter lang war

          Vom Medienliebling zum Surfstar

          Das blonde Mädchen aus Hawaii, das seinem Schicksal trotzte und dessen Talent als Surferin so groß war, dass es mit nur einem Arm die Wellen reiten konnte, wurde zum Star. Fernsehsender luden es in Talkshows ein, Magazine druckten sein Bild auf der ersten Seite. In den vergangenen Jahren hat Bethany Hamilton bewiesen, dass ihre Geschichte mit der Rückkehr ins Meer nicht zu Ende war.

          Von einem Medienliebling entwickelte sie sich zu einer der besten Surferinnen der Welt. Schon 2005 war sie amerikanische Meisterin ihrer Altersklasse, vergangenes Jahr wurde sie in Australien Zweite bei den Jugendweltmeisterschaften. Seit 2008 fährt sie als Profi die Qualifikation für die ASP World Series, wo sie um einen der 16 Startplätze in der höchsten Liga des Surfens kämpft.

          Sophia Robb spielt Bethany Hamilton

          Bethany Hamiltons Leben ist natürlich auch ein Stoff für Hollywood. Derzeit laufen auf Oahu, einer der acht Hauptinseln von Hawaii, die Dreharbeiten zu „Soul Surfer“, einer 15-Millionen-Dollar-Produktion. Ann Sophia Robb spielt Bethany Hamilton. Lorraine Nicholson und Sean Brosnan, Kinder bekannter Schauspieler, agieren als Nebendarsteller.

          Die Oscar-Gewinnerin Helen Hunt spielt Bethanys Mutter, Dennis Quaid ihren Vater. Bethany Hamilton selbst wird für die einarmigen Surfstunts einspringen. Der Film soll Anfang Oktober in die amerikanischen Kinos kommen. Er ist die Krönung von Bethany Hamiltons persönlicher Produktreihe, die eigenes Parfüm und eigenen Schmuck, ihr Buch „Soul Surfer“ und eine Film-Dokumentation umfasst.

          Mit dem Starkult kann sie nicht viel anfangen

          Bei aller Geschäftstüchtigkeit ihrer Umgebung wirkt Bethany Hamilton nicht, als würde sie ihren wirtschaftlichen Erfolg genießen. Sie ist gläubige Christin, arbeitet gern und oft mit körperlich behinderten und psychisch belasteten Menschen, ist im direkten Kontakt zurückhaltend, wenn nicht schüchtern. „Ich mag Interviews nicht besonders“, sagt sie, „und es sieht nicht so aus, als ob ich darin noch mal besser werde.“

          Bethany Hamiltons Rückkehr ins Wasser und ihr Aufstieg in die Weltklasse ihres Sports ist nicht eine Geschichte des Mutes, sondern der Unbeschwertheit, nicht besessenen Trainings, sondern verblüffender Leichtigkeit. Mit dem Starkult, der um sie getrieben wird, kann sie nicht viel anfangen. „Es ist mir nicht einmal besonders schwer gefallen, mich beim Surfen an den fehlenden Arm zu gewöhnen“, sagt sie. „Wirklich schwierig ist es, sich daran zu gewöhnen, berühmt zu sein.“

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