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Schefflers Golf-Kolumne : 235.000 Euro Elterngeld für „Super Mum“

  • -Aktualisiert am

Von wegen Mutterschaftsurlaub: Catriona Matthew griff zum Golfschläger Bild: AP

Von wegen Mutterschaftsurlaub: Catriona Matthew hat zehn Wochen nach der Geburt ihrer zweiten Tochter Sophie und wenige Tage vor ihrem 40. Geburtstag die Women's British Open gewonnen, eines der vier Majors im Damengolf.

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          Für die meisten Mütter bedeutet die elfte Woche nach der Entbindung vor allem schlaflose Nächste mit ständiger Fütterung des Babys. Fast alle spüren noch die körperlichen Folgen der Geburt. Cartriona Matthew hingegen feierte zehn Wochen nach der Geburt ihrer zweiten Tochter Sophie den größten Erfolg ihrer 14-jährigen Laufbahn als Profigolferin.

          Von wegen Mutterschaftsurlaub: Catriona Matthew hat am Sonntag wenige Tage vor ihrem 40. Geburtstag am 25. August auf dem Links Course von Royal Lytham and St. Annes die Women's British Open gewonnen, eines der vier Majors im Damengolf. Natürlich haben die britischen Zeitungen für die Schottin gleich die entsprechenden Namen geprägt: „Super Mum“ oder „Mother Superior“. Aber die strahlende Siegerin spielte die Strapazen der Geburt herunter: „Die Wehen haben nur vier Stunden gedauert. Alles ging viel zu schnell für eine Epidural-Anästhesie. Ich habe Sophie ohne die Hilfe von irgendwelchen Medikamenten zur Welt gebracht.“

          Mal eben 235.000 Euro „Elterngeld“ gewonnen

          Fünf Wochen nach der Geburt stand Catriona Matthew wieder auf der Übungswiese des exklusiven Golfclubs Archerfield Links, der nur wenige Kilometer von ihrem Wohnort North Berwick entfernt ist - und entdeckte zu ihrer eigenen Überraschung, dass sie den Ball vorzüglich traf. Sie kehrte in der Woche vor der British Open auf die Tour zurück, von der sie sich hochschwanger im März verabschiedet hatte. Aber beim Evian Masters in Frankreich, dem höchstdotierten Turnier im Damengolf, musste die Rückkehrerin mitten in der Nacht mit einigen anderen Spielerinnen aus ihrem brennenden Hotel fliehen. Ihr Ehemann und Caddie Graeme erlitt dabei Verbrennungen an beiden Füßen und konnte seiner Frau Gemahlin in den beiden Schlussrunden nicht die Golftasche tragen. Trotzdem reichte es zum geteilten 30. Platz.

          Spielte souverän die Women's British Open
          Spielte souverän die Women's British Open : Bild: REUTERS

          Auf dem schweren, windigen Küstenplatz von Royal Lytham and St. Annes hatte die junge Muter eigentlich niemand auf der Rechnung. Aber obwohl sie in der Schlussrunde ein wenig mit ihren Abschlägen streute, verteidigte sie einen Vorsprung von drei Schlägen vor der Australierin Kerrie Webb, vor ein paar Jahren noch die Beste der Zunft. Die derzeitige Weltranglistenerste, die Mexikanerin Lorena Ochoa, landete ebenso unter ferner liefen wie die beiden einzigen Deutschen im Feld, die Düsseldorferin Sandra Gal und die Münchnerin Martina Eberl. Auch Michelle Wie, einst als die „weibliche Antwort auf Tiger Woods“ gepriesen, hatte als Elfte nichts mit dem Kampf um das Siegespreisgeld von rund 235.000 Euro zu tun. Am Ende gewann Catriona Matthew souverän als erste Schottin eines der vier wichtigsten Turniere im Damengolf.

          Praktisch auf dem Golfplatz aufgewachsen

          Es war der achte Turniersieg in ihrer Laufbahn - und der Höhepunkt einer Karriere, die eigentlich schon durch den Wohnort ihrer Eltern vorgezeichnet war. Denn die kleine Catriona Lambert hatte im Grunde gar keine Wahl. Sie musste Golf spielen. „Wenn man als Mädchen in North Berwick aufwächst, war es fast selbstverständlich, dass man auch Golf spielen will.“ Sie wohnte mit ihren Eltern in der Marmion Road, genau in jener Straße, an der auch einer der berühmtesten Links Courses der Welt, der North Berwick Golf Club liegt.

          Die Kleinstadt an der Ostküste von Schottland liegt in einem Küstenstreifen von East Lothian am Firth of Forth der einige der besten Golfplätze des Landes beherbergt: Muirfield, Gullane (No.1, No.2 und No. 3) und eben North Berwick. Aber natürlich ist der Meisterschaftsplatz des Clubs keine Spielwiese für kleine Mädchen, schon gar nicht, wenn sie schon mit fünf Jahren die Schläger schwingen: „Ich hatte das Glück, dass es einen Neun-Loch-Platz für Kinder in North Berwick gibt, auf dem ich das Spiel erlernte. Ich glaube das längste Loch maß 150 Yards (137 Meter). Das war ein wunderbarer Platz, um mit dem Golf zu beginnen. Es gab jedes Jahr fünf Turniere für alle unter zehn und fünf für alle unter 14 Jahren. Da haben immer hundert Jungen und Mädchen teilgenommen und zusammen gespielt. So sind wir mit viel Spaß zum Golf gekommen, ein wunderbarer Einstieg.“

          Der Ehemann verzichtete zu ihren Gunsten auf seine Golf-Karriere

          Catriona Matthew hatte freilich nicht nur im Golf Talent. Auch im Badminton gehörte sie als Teenager zu den Besten des Landes. Sie stand in der schottischen Jugend-Nationalmannschaft und nahm an den U-18-Europameisterschaften teil. Aber die größten Erfolge feierte sie auf dem Golfplatz. Sie gewann 1986 die schottischen Mädchenmeisterschaften, siegte bei den nationalen U-21-Zahlspielturnieren (1988 und 1989) und war dreimal schottische Amateur-Meisterin (1991, 1993 und 1994). Nachdem sie 1993 auch noch die Britische Amateurmeisterschaft, eines der wichtigsten Amateurturniere, gewonnen hatte, trat die 1,63 Meter große Frau am 1. August 1994 ins Profilager über.

          Sie heiratete ihren Jugendfreund Graeme Matthew, einen ehemaligen schottischen Jugendmeister im Golf. Aber da das Talent der Ehefrau größer ist, hat Graeme seine Golfkarriere aufgegeben. Er steht seiner besseren Hälfte als Caddie an der Seite. Und das wird auch noch ein paar Jahre so bleiben: „Der Sieg bei der British Open hat mir Mut und Lust auf mehr gemacht. Zumindest bis meine Älteste Katie in die Schule muss, werde ich auf der Tour spielen.“ Katie ist jetzt zwei Jahre alt. Catriona Matthew hat also noch vier Jahre Zeit, weitere Turniersiege zu feiern - falls nicht noch einmal die Familienplanung stört.

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