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Ryder Cup : Kaymer schläft sich stark

  • -Aktualisiert am

Mit Bravour bestanden: Martin Kaymer ist beim Ryder Cup noch ungeschlagen Bild: dpa

Ein Nickerchen beim Ryder Cup – schon läuft es für den deutschen Debütanten Martin Kaymer. Dennoch führen die Amerikaner beim Vergleich mit Europa in Wales mit 6:4. Am Sonntag geht es für Kaymer zudem in die Verlängerung.

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          Vielleicht ist es das, was Ausnahmetalente im Golf auszeichnet: Sie lassen sich nicht entmutigen, sie verdauen Fehlschläge, und sie finden selbst unter größtem Druck einen Weg, ihre Klasse zu beweisen. Martin Kaymer hatte am Freitagmorgen beim 38. Ryder Cup in Newport Wales einen für seine Verhältnisse grausamen Start erwischt: Er traf auf den ersten sechs Löchern kein Grün, nur ein einziges Fairway, aber dafür zweimal eines der vielen Wasserhindernisse auf dem Twenty Ten Course des Celtic Manor Resort.

          Er hatte das Glück, dass sein englischer Partner Lee Westwood groß auftrumpfte. „Ich war am Anfang unheimlich nervös“, sagte der 25 Jahre alte deutsche Debütant. Doch als die Partie nach einer Regenpause von 7:17 Stunden am späten Nachmittag fortgesetzt wurde, stand ein ganz anderer Kaymer auf dem Platz. „Ich habe ein Nickerchen gemacht“, sagte der Rheinländer „und danach ging es besser.“ So gut, dass er zur Stelle war, als Westwood eine kleine Schwächeperiode hatte.

          Am Samstagmorgen beendeten die beiden laut Weltrangliste besten Europäer (Westwood ist Dritter der Weltrangliste, Kaymer Sechster) ihr Vierballmatch gegen den amerikanischen Weltranglistenzweiten Phil Mickelson und Dustin Johnson vorzeitig am 16. Loch, als Kaymer seinen Ball aus dem Bunker „tot“, wie die Golfer sagen, zum Par an die Fahne legte und die Amerikaner den Putt „schenkten“ mit 3 & 2 (drei mehr gewonnene Löcher bei zwei noch zu spielenden).

          „Für jeden ist der erste Ryder Cup ein Riesenschritt“

          Im Klassischen Vierer, bei dem beide Spieler abwechselnd einen Ball spielen, ließ sich die europäische Spitzenpaarung den Sieg am Samstagnachmittag zwar noch auf dem 18. Grün entreißen, nachdem Kaymer am 17. Loch einen kurzen Birdie-Putt zum Matchgewinn am Loch vorbeigeschoben hatte. Aber auch mit dem Remis gegen Jim Furyk und Rickie Fowler hatten Westwood/Kaymer eineinhalb Punkte geholt – und waren damit die fleißigsten Punktesammler für die „Euros“ beim 4:6-Zwischenstand nach zwei Tagen (die abschließenden Vierer werden am Sonntagmorgen beendet).

          Kein Wunder, dass der erfahrene Westwood voll des Lobes über seinen jungen Partner war: „Ich verstehe mich prima mit Martin. Er ist ein phantastischer Spieler, und er hat unheimlich viel Mumm. Man kann sehen, warum er schon ein Major gewonnen hat. Er war am Anfang unheimlich gehemmt. Aber als ich ihn am Freitagabend brauchte, lochte er einige gute Putts und spielte einige Birdies. Er kann als Major-Sieger eben unter Druck spielen. Er ist in Form, und er musste nur zu seinem Spiel finden. Für jeden ist der erste Ryder Cup ein Riesenschritt.“

          Das Lob des erfahrenen Ryder-Cup-Spielers Westwood, der am Montag Mickelson als Weltranglistenzweiter ablösen wird und in der kommenden Woche mit einem guten Ergebnis bei der Dunhill Links Championship in St. Andrews (Schottland) Tiger Woods von der Spitze verdrängen kann, hat Gewicht: Immerhin ist der 37-jährige Engländer schon zum siebten Mal bei diesem Prestigewettbewerb der besten europäischen Profis gegen die Auswahl der Vereinigten Staaten dabei – und hat dabei viele Neulinge und ihr Nervenflattern erlebt.

          „There ist only one Martin Kaymer“

          „Rookie“ Kaymer hat diese Nervenprobe mit Bravour bestanden – und er hat dabei vor allem die ungewöhnliche Atmosphäre genossen. „Man spielt für seinen Kontinent. Man spielt für ein Team. Wenn man sich im Ryder Cup einem Grün nähert, wird man empfangen, als ob man auf dem Weg wäre, ein Turnier zu gewinnen. Wenn man einen guten Schlag macht, wird man so bejubelt, dass man eine Gänsehaut bekommt. Die Fans sind so nah dran und schreien. Es war einer der besten Tage, die ich jemals auf dem Golfplatz hatte.“

          Der Begeisterung der 50.000 Fans, die täglich durch den Schlamm auf dem Golfplatz im Süden von Wales waten und die Spieler enthusiastisch anfeuern, kann sich kein Spieler entziehen. Am ersten Abschlag, auf dem sich jeden Tag auf der Tribüne 2000 Fans drängen, wird jeder Spieler des Heimteams mit Sprechchören und Gesang begrüßt: „Olé, olé“ und „Euro, Euro“ und dazu wird jeder Spieler namentlich als einzigartig gefeiert: „There ist only one Martin Kaymer.“

          „Viel essen, viel schlafen“

          Bei dieser Stimmung vergessen die stark geforderten Spieler die Strapazen. Wegen der langen Regenunterbrechung am Freitag wurden am Samstag erstmals sechs Klassische Vierer und sechs Vierballmatches (das bessere Ergebnis eines der beiden Spieler zählt) ausgetragen, was für alle zwölf Spieler beider Teams einen Marathon bedeutete.

          Kaymer musste nur gut eine Stunde nach Ende seiner zweiten Partie noch einmal auf das regennasse und hügelige Geläuf: Er spielte im Vierball mit dem Engländer Ian Poulter gegen Mickelson/Fowler. Dass diese Partie in den noch verfügbaren drei Stunden Tageslicht nicht beendet werden konnte, stand vorher fest. Sie wird am Sonntag beendet, ehe dann die zwölf Einzel auf dem Programm stehen. Kaymer freute sich nach neun Stunden Golf schon auf sein Regenerationsprogramm: „Viel essen, viel schlafen.“

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