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Golf : Ryder Cup kommt nicht nach Deutschland

  • -Aktualisiert am

Sieg für Frankreich: Jean Van De Velde küsst den Ryder Cup Bild: AFP

Die deutsche Bewerbung um das spektakulärste Golf-Ereignis der Welt ist gescheitert: Der Ryder Cup der besten Profis aus Europa und den Vereinigten Staaten findet 2018 in Frankreich statt.

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          Der Favorit hat gewonnen, die deutsche Bewerbung um das spektakulärste Golf-Ereignis der Welt ist gescheitet: Der Ryder Cup findet 2018 in Frankreich statt. George O‘Grady, der englische Chief Executive der European Tour, verkündete am Dienstagmittag im noblen Wentworth Club in Virginia Waters bei London, dem Hauptquartier der European Tour, das Votum des europäischen Veranstalters Ryder Cup LLC für die französische Bewerbung und gegen die vier anderen Kandidaten Deutschland mit Neuburg an der Donau, Spanien, Portugal und den Niederlanden.

          Die 42. Auflage des Team-Wettbewerbs zwischen den zwölf besten Golfprofis aus Europa und den Vereinigten Staaten wird damit zum zweiten Mal nach 1997 (Valderrama in Spanien) auf dem europäischen Kontinent ausgetragen. Gastgeber ist der Albatross-Platz von Le Golf National in Saint-Quentin-en-Yvelines bei Versailles. Diese 36-Loch-Anlage gehört dem französischen Golfverband und ist seit einigen Jahren Austragungsort der „Open de France“.

          Im nächsten Jahr findet der Ryder Cup im Medinah Golf Club in der Nähe von Chicago statt, 2014 ist Gleneagles in Schottland Gastgeber, 2016 sind wieder die Amerikaner mit dem Hazeltine National Golf Club in Minnesota an der Reihe. Nach Frankreich geht der wichtigste Mannschaftswettbewerb im Golf nach Kohler in Wisconsin, wo 2020 auf dem Platz von Whistling Straits gespielt wird. Wann der Bewerbungsprozess für den europäischen Austragungsort 2022 beginnt, ist noch unklar, jedoch haben die Schweden, die im Frühjahr 2010 ihre Bewerbung zurückgezogen hatte, bereits ihre Absicht bekräftigt, es dann noch einmal zu versuchen. Ob Deutschland nach dem gescheiterten ersten Anlauf einen weiteren Versuch unternimmt, ist noch unklar.

          Zunächst einmal überwog im deutschen Lager die Enttäuschung. Hans Joachim Nothelfer, der Präsident des Deutschen Golf Verbandes (DGV), sagte: „Mit der Austragung des Ryder Cup in Deutschland hätten sich für den deutschen Golfsport einmalige Chancen eröffnet. Ich bin überzeugt davon, der 'schlafende Riese', wie wir weltweit immer wieder genannt werden, wäre bis 2018 erwacht, und viele bislang noch Unentschlossene wären zum Golfsport gekommen.“

          „Mussten Entscheidungen der Politik akzeptieren“

          Norbert Löhlein, Aufsichtsratsvorsitzender der deutschen Bewerbergesellschaft RC Deutschland GmbH, wollte auf den kritischen Punkt der deutschen Bewerbung, die mangelnde Unterstützung durch die deutsche Politik, nicht direkt eingehen. Dennoch klang in seiner Aussage durch, woran das mit mehr als 610.000 Mitgliedern und mehr als 700 Plätzen größte Golfland auf dem Kontinent gescheitert ist: „Wir mussten die Entscheidungen der Politik akzeptieren und konnten die Situation selbst durch das klare Votum beim Verbandstag des DGV im November 2010 nicht mehr ändern“, sagte Löhlein.

          O‘Grady und Ryder-Cup-Direktor Richard Hills begründeten die Entscheidung für Frankreich mit der breiten Unterstützung von Politik, der Bevölkerung und der französischen Golfgemeinde. O‘Grady wies auch daraufhin, dass Frankreich im Profigolf auf eine lange Tradition verweisen kann. Seit 1906 wird die „Open de France“ ausgetragen, das damit das traditionsreichste Turnier auf dem europäischen Festland ist. Außerdem erklärte sich der französische Verband bereit, bis zum Jahr 2018 hundert Golfplätze zu bauen, die vor allem Anfänger an den Sport heranführen sollen.

          Bisher gibt es in Frankreich 450 Plätze, die Féderation Francaise de Golf zählt 450.000 Mitglieder. Im Ryder Cup spielten französische Profis bisher nur eine bescheidene Nebenrolle: 1999 stand Jean van der Velde im Team, 2004 gehörte Thomas Levet zu der vom deutschen Kapitän Bernhard Langer geführten siegreichen Auswahl. Beide Profis waren bei der Verkündung wie die französische Sportministerin Chantal Juanno am Dienstag in England dabei. Im Gegensatz zu Deutschland kann Frankreich derzeit keinen aktuellen Weltklassespieler vorweisen. Der derzeit in der Weltrangliste am besten plazierte Franzose Raphael Jacquelin wird auf Rang 90 geführt.

          Der Weltranglistendritte Martin Kaymer, neben Bernhard Langer die zweite deutsche Galionsfigur der Bewerbung, drückte ebenfalls sein Bedauern aus: „Es ist sehr schade, dass wir den Zuschlag nicht erhalten haben. Wir hatten eine starke Bewerbung und konnten auf eine große Unterstützung innerhalb der deutschen Golfgemeinschaft zählen. Aber ich gratuliere zugleich der französischen Bewerbung und bin mir sicher, dass die Franzosen ein hervorragender Gastgeber sein werden. Trotzdem wünsche ich mir von Herzen, eines Tages den Ryder Cup in Deutschland zu erleben - am liebsten natürlich als Spieler.“ Kaymer hat an den Platz Golf National gute Erinnerungen. 2009 gewann er dort im Stechen gegen den englischen Branchenprimus Lee Westwood die „Open de France“.

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