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Franz Beckenbauer über Golf : „Früher flog der Schläger schon mal hinterher“

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Franz Beckenbauer und seine zweite Liebe Golf: Gib mal her, den Hacklstecken! Bild: picture alliance / dpa

Er spielte Fußball wie kein Zweiter und wollte von dem „Großvatersport“ gar nichts wissen. Doch dann hat sich das Ballgenie doch auf den kleinen Golfball eingelassen, der nicht immer will wie er. Franz Beckenbauer über seine „zweite Liebe“.

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          Gib mal her, den Hacklstecken! Vor 29 Jahren hat Franz Beckenbauer das Golfspielen entdeckt. Er spricht über gute Taten, Selbstbeherrschung und einen Ball, der nicht immer will wie er.

          Gibt es einen Golf-Tag, der Ihnen besonders in Erinnerung ist?

          Spontan: eine Runde mit Tiger Woods. Vor vier, fünf Jahren habe ich in St. Leon-Rot einen Flight mit ihm gespielt. Ein großartiger Sportler.

          Die Lehre des Golfsports: "Ich möchte nicht Demut sagen, aber Golf ist ein Mittel, das einen lehrt, wieder respektvoll zu sein""
          Die Lehre des Golfsports: "Ich möchte nicht Demut sagen, aber Golf ist ein Mittel, das einen lehrt, wieder respektvoll zu sein"" : Bild: picture-alliance/ dpa

          Bedauern Sie ihn mittlerweile nach seinen privaten Problemen?

          Was heißt bedauern? Jeder steuert sein Privatleben selbst. Dass Woods in einigen Situationen übertrieben hat, um es vorsichtig auszudrücken, das hat er mittlerweile selber festgestellt. Er hat im Privaten Fehler gemacht und die Quittung dafür bekommen, ich hoffe, er lernt daraus. Als Sportler bewundere ich ihn. So wie er Golf gespielt hat und immer noch spielt - großartig. Ich hätte ihm gewünscht, dass er das Masters gewinnt, er war so knapp davor! Verschiebt dreimal hintereinander einen Putt! Ich hätte aus der Haut fahren können! Sie sehen, ich bin ein wahrer Fan von ihm.

          Warren Buffett und Bill Gates spielen ab und zu gemeinsam Golf, zwei der reichsten Männer der Welt. Was meinen Sie, geht es da mehr um Sport oder mehr ums Geschäft?

          Ich weiß nicht, wie es die beiden machen. Ich mache es auf jeden Fall so: Beim Golfen habe ich kein Handy dabei, da lasse ich mich nicht stören. Es nervt, wenn man jemanden dabei hat, der ständig telefoniert, Geschäft hier, Geschäft da, dann braucht man nicht Golf zu spielen. Das mache ich nicht. Ich weiß nicht, ob Buffett und Gates die vier, fünf Stunden, die sie auf der Runde sind, ungestört sein wollen. Aber ich weiß, dass gerade die beiden, die ja sehr gebefreudig sind, was soziales Engagement angeht, auch Turniere organisieren, bei denen es um sehr viel Geld geht, das dann in soziale Projekte fließt.

          Buffett und Gates spielen, so heißt es, um zwei Dollar, und das mit großem Einsatz. Was sagt uns das über Golf?

          Dass es nicht entscheidend ist, wie hoch der Einsatz ist. Auch wenn er gering ist, geht es immer um die sportliche Herausforderung. Jeder, der spielt, will gewinnen. Aber es muss auch Spaß machen. Ich kenne Partien, da geht es um 10.000, 20.000 Euro, aber dann hört der Spaß auf. Ich spiele da nicht mit, weil ich dann keinen Spaß mehr habe. Die Spielform bei mir und meinen Freunden ist ähnlich wie bei Buffett und Gates. Wir spielen um einen Euro. Und wer verliert, der lädt anschließend ein.

          Wie hat es angefangen mit Ihnen und dem Golf?

          Angefangen hat es 1982, 29 Jahre ist das jetzt her. Ich habe in Hamburg Fußball gespielt, beim HSV, im letzten Jahr, und ich war viel verletzt, habe viel Zeit gehabt. Ein Freund wollte mich immer mit zum Golf nehmen. Ich habe gesagt: Hau ab mit diesem Großvatersport, wenn ich siebzig bin, dann fang ich langsam damit an. Dann bin ich doch mal mit. Wir sind beim Golfclub Hoisdorf auf der Driving Range gestanden, die haben die Bälle geschlagen, und ich habe gesagt, gib mal her den Hacklstecken, dann zeig ich euch, wie das geht. Dann steh ich da, habe den Stecken vollkommen verkehrt in der Hand - und hau an dem Ball vorbei. Das war ein echtes Schlüsselerlebnis. Da liegt ein Ball, und ich hau vorbei! Ich hab gedacht: Das interessiert mich! Dann sagte der Golflehrer, Barry hieß er, komm, jetzt zeig ich dir mal, wie du den Schläger hältst. Dann hab ich wieder geschlagen - und der Ball ist geflogen, 150 Meter, kerzengerade, wunderbar, seitdem bin ich dabei.

          Sie haben als Fußballspieler den Ball beherrscht wie kaum ein anderer . . .

          Ich hab's mir zumindest eingebildet.

          Warum, um Himmels willen, haben Sie sich dann auf den Golfball eingelassen, der zeigt, dass auch der Kaiser fehlbar ist?

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