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Europa gewinnt den Ryder Cup : G-Mac hält den Schläger fest

  • -Aktualisiert am

Goldene Momente:Graeme McDowell und der Ryder Cup Bild: dapd

In einem packenden Finale holt der Nordire Graeme McDowell den entscheidenden Sieg - und den Ryder Cup zurück auf den alten Kontinent. Der Nordire Graeme McDowell wird zum Held des Tages.

          Diese Sätze sagen alles über den 38. Ryder Cup und sein packendes Finale: „Die US Open haben sich dagegen angefühlt wie eine Runde mit meinem Vater in meinem Heimatclub Royal Portrush. Es lastet so unheimlich viel Druck auf einem. Als ich am zehnten Loch merkte, dass es auf mein Match ankommen könnte, wurde ich so nervös wie noch nie in meinem Leben auf einem Golfplatz. Ich konnte den Schläger kaum noch festhalten.“ So schilderte Graeme McDowell die Schlussphase seines Matches gegen den Amerikaner Hunter Mahan. Aber genau das macht diesen Wettbewerb eben so einzigartig: „Man spielt nicht für sich. Man spielt für die Fans, für seine Kameraden, für seinen Kapitän. Deshalb ist der Ryder Cup das größte Golfereignis auf dem Planeten“, sagte der 31 Jahre alte US-Open-Champion aus Nordirland.

          Er behielt die Nerven, gewann die allerletzte Partie des Prestigeduells zwischen den besten Golfprofis aus Europa und den Vereinigten Staaten mit 3 & 1 (drei mehr gewonnene Löcher bei einem noch zu spielenden). Damit sorgte er dafür, dass die Gastgeber mit dem knappstmöglichen Ergebnis von 14,5:13,5 Punkten im Celtic Manor Resort in Newport (Wales) siegten und die vor zwei Jahren verlorene wichtigste Mannschaftstrophäe zurück auf den alten Kontinent holten.

          Es war in der Tat ein unvergleichlich packendes Finale, eines, bei dem die 30.000 Fans, die noch einmal den Weg auf den schlammigen Platz gefunden hatten, bis zum Ende mitzitterten. Die Europäer hatten sich in den Vierern einen Drei-Punkte-Vorsprung herausgespielt, aber der schmolz bei der Verlängerung am Montag in der strahlenden Sonne dieses herrlichen Herbsttages schnell dahin. Sechs der zwölf Einzel gewannen die Amerikaner. Schon im ersten Match gelang Steve Stricker mit einer grandiosen Runde (fünf unter Par nach 17 Löchern) ein überraschender Sieg gegen den europäischen Spitzenspieler Lee Westwood. Jeff Overton, Tiger Woods, Phil Mickelson, Dustin Johnson, Zach Johnson - sie alle gewannen ebenfalls ihre Einzel, dazu steuerten Stewart Cink und Rickie Fowler jeweils einen halben Punkt bei. Aber es reichte wieder nicht, um auswärts zu gewinnen, was den Amerikanern zuletzt 1993 gelungen war.

          Vier Finger, zwei Hände, ein gefeierter Sieger: Edoardo Molinari genießt den Sieg der Europäer an Loch 17

          Kaymer fühlt sich „schrecklich“

          Der Engländer Ian Poulter, der auch sein drittes Einzel im Ryder Cup gegen Matt Kuchar gewann, dessen Landsmann Luke Donald, der Jim Furyk besiegte, und der 46 Jahre alte spanische Team-Senior Miguel-Ángel Jiménez, der Bubba Watson schlug, sowie Rory McIlroy (Nordirland) und Francesco Molinari, die ihre Partien „halbierten“ (remis), hielten die Europäer so lange im Spiel, bis McDowell den entscheidenden Punkt verbuchte.

          Martin Kaymer steuerte zwar in den Vierern zweieinhalb Punkte bei, am Montag fand der 25 Jahre alte Profi aus Mettmann im Einzel nie zu seinem Spiel. Früh verlor er gegen den Dustin Johnson vier Löcher mit Bogeys. Als dann Johnson, der in den Vierern drei Niederlagen kassiert hatte, plötzlich vier Birdies in Folge gelangen, war die Partie schon am 14. Grün zu Ende: 6 & 4, die höchste Niederlage eines Europäers im Einzel. „Es war furchtbar, so früh zu verlieren. Ich habe mich schrecklich gefühlt. Als PGA-Champion habe ich noch mehr von mir erwartet als die Medien. Aber letztlich ging es bei diesem Wettbewerb nicht um mich. Es ging um das Team, und Gott sei Dank hatten wir am Ende Graeme McDowell.“

          Natürlich war McDowell nicht der alleinige Sieger. „Die anderen elf Spieler haben mir die Gelegenheit gegeben, die entscheidende Partie zu gewinnen“, sagte der „G-Mac“, wie ihn Kollegen nennen. Jeder der zwölf Spieler aus sieben europäischen Ländern steuerte mindesten einen halben Punkt bei - und deshalb blickte der schottische Kapitän Colin Montgomerie voller Stolz auf sein Team, ein Gefühl, das er ein Stück weit mit seinem amerikanischen Widerpart Corey Pavin teilte.

          Woods ist wieder da

          Pavin, den US-Open-Sieger von 1995, dürfte besonders gefreut haben, dass einer seiner „Captain's Picks“ an diesem Montag eine Art sportliche Wiederauferstehung feierte. Woods, der am Sonntag von Westwood als Weltranglistenerster abgelöst werden kann, falls der Engländer bei der Dunhill Championship Platz eins oder zwei belegt, zeigte, dass er allen Unkenrufen zum Trotz das Golfspielen nicht verlernt hat. Mit seiner bisher eindrucksvollsten Vorstellung seit seinem Unfall im November vorigen Jahres und dem folgenden Skandal um sein ausschweifendes Liebesleben deklassierte er den Italiener Francesco Molinari 4 & 3 - und war dabei nach nur 15 Löchern ohne ein einziges Bogey sage und schreibe neun Schläge unter Par. Dabei spielte der jüngere der Molinari-Brüder nicht einmal schlecht. Er lag, als das Match vorzeitig endete, vier unter Par.

          Im Lochspiel kann man gut spielen - und trotzdem verlieren oder mittelmäßig spielen und dennoch gewinnen. Diese Unberechenbarkeit macht den Reiz des Lochspiels, des Kampfes Mann gegen Mann, aus. Und am schönsten ist diese Spielart im Ryder Cup.

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