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Golf-Turnier ohne Zuschauer : Tiger ohne Gebrüll

  • -Aktualisiert am

Der Abschlag kommt wieder länger: Tiger Woods während einer Trainingsrunde in Ohio Bild: AP

Nach fünf Monaten Corona-Pause geht Tiger Woods erstmals wieder bei einem Turnier an den Start. Doch nicht nur die starke Konkurrenz könnte dem Altstar zu schaffen machen.

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          Tiger Woods wird an diesem Donnerstag im Muirfield Village Golf Club in Dublin (Ohio) erstmals seit fünf Monaten wieder an einem Turnier teilnehmen und dabei eine ganz neue Erfahrung machen. „Während meiner gesamten Karriere, ja praktisch seit meiner Amateurzeit wurde ich auf jeder Runde immer von schreienden Fans begleitet, immer waren Kamerateams und Medienleute um mich herum. Es fühlt sich ganz anders an, wenn man nicht die Energie der Massen spürt“, sagte der 44 Jahre alte Kalifornier nach einer Proberunde vor Beginn des Memorial Tournaments, das wie die ersten fünf nach der Corona-Zwangspause und alle restlichen Turniere der Saison 2019/2020 der PGA Tour ohne Zuschauer ausgetragen werden muss.

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          „Es fehlt die Begeisterung der Fans. Die Jungs sagen, es sei eine ganz andere, eine ruhige Welt“, erzählte Woods. Gerade er muss auf Anfeuerungen der Fans verzichten, der sie in Massen anzog wie kein anderer. Wenn der langjährige Branchenprimus um den Sieg mitspielte, wurde jedes Birdie, jedes gerettete Par, ja jeder gelungene Schlag von seinen Anhängern mit lautem Gejohle gefeiert. Dieses Brüllen des Tigers irritierte die Mitspieler, schüchterte oft die Konkurrenz ein und diente dem Publikumsliebling als zusätzlicher Antrieb.

          Nun muss Woods ohne all das auskommen – und das bei einem Turnier mit einem Elitefeld von 133 Profis. Noch nie in der Geschichte der PGA Tour hatte sich bei einer regulären Veranstaltung ein solches Klassefeld versammelt. Neun der Top Ten der Weltrangliste sind am Start. Woods, der durch die lange Pause auf Platz 14 der Hackordnung abgerutscht ist, geht am Donnerstag und Freitag gemeinsam mit dem nordirischen Weltranglistenersten Rory McIlroy und seinem amerikanischen Landsmann Brooks Koepka, dem Sieger der beiden letzten US Open und PGA Championships, als eine der vier sogenannten „featured groups“ auf die Runde. Jeder Schlag der „featured groups“ wird auf eigens eingerichteten Streaming-Kanälen übertragen. Dann wird sich zeigen, ob Woods wirklich wieder mit der Weltklasse mithalten kann.

          Bei seinem letzten Auftritt Anfang Februar bei der Genesis Open in Pacific Palisades (Kalifornien) wirkte Woods sichtlich körperlich eingeschränkt. „Es war kalt, mein Rücken war steif. Ich hatte keine Schlägerkopfgeschwindigkeit und konnte den Ball nicht weit schlagen“, erinnerte sich Woods an seinen letzten Auftritt. Damals belegte er unter den Spielern, die den Cut überstanden, den letzten Platz.

          Woods und der „Muskelprotz“

          Die lange Pause hat Woods genutzt, um wieder fit zu werden. In Ohio ist es um diese Jahreszeit heiß, am Mittwoch waren es 33 Grad, und Woods hat, wie er es nennt, wieder „Turnier-Geschwindigkeit“ erreicht. Er kann zumindest von der Abschlaglänge her mit den Jungstars mithalten. Bei einer Proberunde mit seinem 17 Jahre jüngeren Kumpel Justin Thomas landeten seine Abschläge nur wenige Meter hinter denen des Weltranglistendritten.

          Woods hat die lange Pause nicht nur genutzt, um wieder fit zu werden, er kümmerte sich auch intensiv um seine Kinder. Er spielte viele Golfrunden mit seinem elf Jahre alte Sohn Charlie. „Er ist mittlerweile richtig begeistert, versteht, wie man spielen muss. Er stellt mir die richtigen Fragen. Es macht einfach Superspaß, mit ihm zu spielen. Es erinnert mich daran, wie ich früher mit meinem Vater unterwegs war“, erzählte Woods. Noch gewinne er gegen den Filius, der mit seiner Beweglichkeit den Vater ein wenig neidisch werden lässt. Trotz Einschränkungen nach vier Rückenoperationen fühlt sich Woods wieder fit wie lange nicht. Mit Charlie und seiner 13 Jahre alten Tochter Sam Alexis spielte er auf dem Tennisplatz seines Anwesens in Jupiter (Florida) eifrig Tennis. „Endlich kann ich wieder ans Netz stürmen“, beschrieb Woods seine Verbesserung auf dem Court.

          Alles Gründe, warum er auch diesmal nur ein Ziel kennt, einen weiteren Sieg. Fünfmal gewann er das Memorial, bei dem die Golflegende Jack Nicklaus als Gastgeber fungiert. Dass Woods auch nach langen Pausen triumphieren kann, bewies er im Vorjahr. Bei der ZoZo Championship in Japan siegte er nach einer dreimonatigen Zwangspause wegen einer Knieoperation und egalisierte mit dem 82. Sieg auf der PGA Tour den Rekord von Sam Snead. Dennoch zählt Woods bei den Buchmachern diesmal nicht zu den Topfavoriten. Diese Position nimmt neuerdings bei jedem Turnier der Mann ein, der den Ball weiter schlägt als alle anderen: Bryson DeChambeau. Der Längengewinn des 26 Jahre alten amerikanischen Muskelprotzes hat auch Woods beeindruckt: „Unglaublich, dass er trotzdem den Ball so gerade schlägt.“

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