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Golfstar Woods : „Bei Tiger ist nichts unmöglich“

  • -Aktualisiert am

Gut in Schwung: Tiger Woods kehrt auf die Tour zurück Bild: AP

Tiger Woods gibt sein achtes Comeback. Diesmal sind die Erwartungen an den Golf-Star besonders hoch. Denn das Gefühl für den richtigen Schwung scheint wieder da zu sein.

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          Wenn an diesem Donnerstag die Farmers Insurance Open in La Jolla beginnen, sind etliche Golf-Stars dabei. Vier Spieler aus den Top Sieben der Weltrangliste, zwölf aus den Top 25. Der Spanier Jon Rahm kann auf den beiden städtischen Plätzen im Vorort von San Diego mit der Wiederholung seines Vorjahressieges seinen atemraubenden Aufstieg von der Nummer eins der Amateur-Weltrangliste zum Primus unter den Profis krönen. Doch selbst Jungstars wie Rahm, die Amerikaner Justin Thomas und Rickie Fowler, der Japaner Hideki Matsuyama oder der englische Olympiasieger Justin Rose, ja selbst Lokalmatador Phil Mickelson – sie alle müssen sich mit einer bescheidenen Nebenrolle begnügen: Bei diesem mit 5,9 Millionen Dollar dotieren Turnier der amerikanischen PGA Tour zählt nur der Mann, den die Weltrangliste auf Platz 647 führt: Tiger Woods.

          Wie im Vorjahr versucht der 42 Jahre alte Kalifornier ein Comeback auf der PGA Tour. Wie vor einem Jahr hat er sich dafür die beiden Plätze von Torrey Pines ausgesucht – eine öffentliche Anlage, auf der Woods einst nicht nur die Junioren-Weltmeisterschaft gewann, sondern auch acht Mal bei diesem Turnier triumphierte, zuletzt im Jahr 2013. Auf dem Südplatz holte Woods zudem beim Triumph bei den US Open 2008 den letzten seiner 14 Major-Siege.

          Woods weckt Hoffnungen

          „Wenn Tiger mitspielt, ist alles größer, mehr Leute interessieren sich für Golf. Er ist für Golf unheimlich wichtig. Man kann nur hoffen, dass er bald wieder siegt“, sagt der 23 Jahre alte Rahm, der mit der Empfehlung seines vierten Profisiegs am vergangenen Sonntag angereist ist. Und Turnierdirektor Peter Ripa freut sich enorm: „Im Vorjahr war das Interesse an unserem Turnier durch die Teilnahme von Tiger um vierzig Prozent gestiegen. In diesem gibt es noch einmal eine Steigerung um dreißig Prozent gegenüber 2017. Denn diesmal bewegen sich die Erwartungen auf einem ganz anderen Niveau.“

          Das liegt vor allem daran, dass Woods bei seinen Einladungsturnier Hero World Challenge Anfang Dezember auf den Bahamas, wo er den neunten Platz belegte, ganz anders auftrat als im Vorjahr. Nachdem er sich im April 2017 zwei Lendenwirbel versteifen ließ, schwingt Woods ganz anders, viel freier, viel kraftvoller. „Ich kann mich durch die Operation nicht mehr so weit drehen, aber die Geschwindigkeit ist wieder da“, sagt Woods. Die Zahlen belegen das. Mittlerweile werden bei fast allen Turnieren der PGA Tour mit Hilfe eines Trackmans, einem Radarmessgerät, alle Parameter eines Golfschwungs aufgezeichnet.

          2017 hatte Woods im Treffmoment seinen Driver auf 114 Meilen in der Stunde beschleunigt, was ungefähr dem Durchschnitt auf der PGA Tour entspricht. Auf den Bahamas wurden dagegen im vorigen Dezember 120 und mehr Meilen gemessen – Geschwindigkeiten, wie sie nur die besten Weitenjäger auf der Tour erreichen. Woods hat dafür eine einfache Erklärung: „Es ist das erste Mal seit vielen Jahren, dass ich schmerzfrei Golf spiele.“

          Erinnerungen an Glanzzeiten

          Im Vorjahr schied Woods nach Runden von 76 und 72 Schlägen in La Jolla aus, spielte dann noch eine Runde bei den Dubai Desert Classic, ehe er wegen Rückenbeschwerden aufgab und sich im April seiner vierten Rückenoperation unterzog. Ende des Jahres beendete er die Zusammenarbeit mit seinem Schwungcoach Chris Como. Statt an der Technik zu feilen, verlässt er sich wieder ganz auf sein Gefühl.

          Seitdem schwingt Woods so gut, dass sich sein ehemaliger Trainer Butch Harmon an die Jahre 2000 und 2001 erinnerte. Seinerzeit gewann Woods nacheinander alle vier Majors – ein einmaliger Coup, der als „Tiger Slam“ in die Geschichte des Sports einging. „Ich erkenne in seinem Schwung viele gute Elemente von damals“, behauptet Harmon. Kann Woods damit wieder Turniere oder gar Majors gewinnen? „Ich habe längst begriffen, dass bei Tiger nichts unmöglich ist. Er ist eben Tiger Woods.“ Auch Hank Haney, der von 2004 bis 2010 Woods trainierte, stimmt zu: „Ich bin ganz sicher, dass Tiger noch in diesem Jahr ein Turnier gewinnt.“

          Solche Aussagen, dazu Berichte, dass Woods bei einer Übungsrunde sogar den derzeitigen Weltranglistenersten Dustin Johnson, wie es im Jargon des Sports heißt, „kurz gelassen hat“, haben die Erwartungen für Woods’ achtes Comeback in die Höhe getrieben. „Es ist unglaublich, wie Tiger puttet“, berichtete Thomas nach einer gemeinsamen Proberunde über neun Löcher auf dem Südplatz von Torrey Pines am Dienstag. Selbstverständlich wurde die Gruppe, die durch den Amerikaner Bryson DeChambeau ergänzt wurde, von Fernsehkameras begleitet.

          Auf den vom Golf Channel zusammengestellten Highlights der Übungsrunde sah man, wie Woods auch aus hohem Rough den Ball kraftvoll herausschlug. Auch sein Feingefühl auf und rund um die Grüns beeindruckte die zahlreichen Fans, die ihn trotz der frühen Morgenstunde begleiteten. Auch für das ProAm, das Vorspiel mit geladenen Amateuren am Mittwoch, hatte Woods um eine frühe Startzeit um 6.30 Uhr gebeten. Frühaufsteher Woods liebt es, die Übungsrunden in aller Herrgottsfrühe zu beginnen. Zumindest in dieser Hinsicht ist der Tiger ganz der Alte.

          Gute Aussichten? Die Golfszene hofft auf Tiger Woods
          Gute Aussichten? Die Golfszene hofft auf Tiger Woods : Bild: AFP

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