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Golf-Star McIlroy : Zurück zum Ich

  • -Aktualisiert am

Der nächste Pokal: Rory McIlroy Bild: AP

„Es reicht, ich selbst zu sein“: Rory McIlroy holt in Las Vegas einen Rückstand von neun Schlägen auf und gewinnt vor dem Amerikaner Collin Morikawa. Damit sichert der Nordire auch seine Zukunft ab.

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          Die Bilder eines mit den Tränen kämpfenden Rory McIlroy am Ende der bitteren Niederlage der Europäer im Ryder Cup gegen das Team USA sind noch in bester Erinnerung. Der 32 Jahre alte Nordire beklagte seine schwache Leistung in den Vierern und lobte dennoch dieses transatlantische Prestigeduell als die wichtigste Veranstaltung im Golf. Drei Wochen hatte der Publikumsliebling Zeit, diesen Tiefpunkt zu verarbeiten, drei Wochen der Analyse, die zu einem neuen Blick auf seine Karriere führten.

          „In den letzten Wochen habe ich viel nachgedacht, und das ist es, was ich tun muss. Ich muss einfach Golf spielen, ich muss es vereinfachen, ich muss einfach ich sein. In den letzten Monaten habe ich vielleicht versucht, jemand anderes zu sein, um besser zu werden, und ich habe irgendwie erkannt, dass es reicht, ich zu sein und dass ich so Turniere gewinnen kann. Es geht nur darum, dass ich wieder auf meine Art Golf spiele. Das fängt damit an, kreativ und visuell zu sein und vielleicht nicht so technisch zu spielen“, sagte McIlroy, nachdem er am Sonntag in Las Vegas den CJ Cup@Summit gewonnen hatte.

          Sein Spiel bedurfte keiner Veränderung

          Den Grund für diesen Sieg gegen die mit Ausnahme des spanischen Primus Jon Rahm komplett versammelte Weltelite fand der Sieger in den drei Tagen von Whistling Straits. Nachdem er erstmals in den Vierern alle seine drei Matches verloren hatte, erstmals bei einer „Session“ pausieren musste, besiegte er am Schlusstag im Einzel den amerikanischen Olympiasieger Xander Schauffele. „Ich wollte gegen Xander einfach nur den Punkt für unser Team holen. Ich habe nicht versucht, wie an den ersten beiden Tagen Schläge auszuführen, die mir nicht liegen. Ich habe nicht versucht, perfekt zu sein. Ich bin einfach nur rausgegangen, um das Match zu gewinnen. Und das habe ich auch geschafft.“ Dieser am Ende zwar bedeutungslose Erfolg, der die 9:19-Niederlage der Europäer am Ufer des Michigan-Sees nur minimal beschönigte, vermittelte McIlroy eine wichtige Erkenntnis.

          In den vergangenen Monaten hatte er mit Hilfe seines neuen englischen Trainer Pete Cowan versucht, sein Spiel, vor allem seine Abschläge umzustellen, von seinem natürlichen Draw zum Fade, von einer sanften Rechts-links- auf eine Links-rechts-Kurve. „Ich denke, ein Teil der Emotionen am Ende hatte mit dieser Woche zu tun, aber wahrscheinlich auch mit den letzten Monaten, in denen ich auf der Suche war, um besser zu werden, und mit der Erkenntnis, dass ich nichts suchen muss, sondern dass alles hier ist“, sagte McIlroy.

          Ein Schlag macht den Unterschied

          Dass er über alles verfügt, was nötig ist, um große Turniere zu gewinnen, bewies er eindrucksvoll auf dem Platz in den Hügeln von Las Vegas. Nachdem er nach den ersten beiden Tagen noch mit neun Schlägen hinter dem Spitzenreiter zurückgelegen hatte, rückte er mit einer glanzvollen Runde von 62 Schlägen (10 unter Par) am Samstag bis auf zwei Schläge an den führenden Amerikaner Rickie Fowler heran. Am Sonntag trumpfte dann der British-Open-Champion Collin Morikawa, der in dieser exklusiven „Gated Communitiy“ (Wohnungen und Häuser kosten zwischen drei und zwanzig Millionen Dollar) lebt und als Botschafter für The Summit Club fungiert, ebenfalls mit 62 Schlägen auf.

          Rory McIlroys Weg in Las Vegas war steinig – aber er führte ihn zum Sieg.
          Rory McIlroys Weg in Las Vegas war steinig – aber er führte ihn zum Sieg. : Bild: AFP

          Doch McIlroy hielt den vor ihm spielenden Jungstar mit einer Schlussrunde von 66 Schlägen knapp auf Distanz. Nach einem Eagle am 14. Loch spielte der ehemalige Weltranglistenerste die restlichen Löcher souverän auf Sicherheit und gewann am Ende mit 263 Schlägen (25 unter Par) knapp vor Morikawa (264). Sein Mitspieler Fowler teilte sich mit seinem Landsmann Keith Mitchell (266) den dritten Platz. Für Fowler trotz der Enttäuschung, im direkten Duell wieder einmal McIlroy zu unterliegen, ein Hoffnungsschimmer. Er war in der Weltrangliste von Rang acht auf 128 abgerutscht. Nun rückte er immerhin im Ranking auf Position 82 vor. Auch McIlroy machte einen Sprung: von 14 auf acht.

          Doch die Rückkehr unter die Top Ten und das Siegespreisgeld von 1,755 Millionen Dollar waren für McIlroy nur angenehme Nebeneffekte. Viel wichtiger war etwas Anderes. Denn nur Wochen nach der Talsohle Ryder Cup erklomm der Publikumsliebling einen neuen Gipfel. Mit seinem Erfolg in Las Vegas errang „Rors“, wie ihn die Kollegen nennen, seinen 20. Sieg auf der PGA Tour, eine Marke, die ihm, wenn er seine 15. Saison, 2023/2024, auf dieser Turnierserie beginnt, ein lebenslanges Startrecht garantiert. Für McIlroy dennoch nur ein Zwischenschritt: „Ich will immer noch zu dem Punkt zurückkehren, an dem ich drei, vier, fünf Siege pro Jahr einfahre.“

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