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Ryder Cup wird verlegt : Nicht ohne die einzigartige Atmosphäre

  • -Aktualisiert am

Ohne Fans, ohne Sinn: Der Ryder Cup lebt von den Emotionen. Bild: Getty

Der internationale Golf-Terminkalender gerät ins Wanken: Die Verlegung des Ryder Cup bringt vor allem die European Tour in Bedrängnis. Dazu kommen millionenschwere Verluste aus der Vergangenheit.

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          Der Druck von allen Seiten hat den Verantwortlichen letztlich keine Wahl gelassen. Zum erst zweiten Mal in seiner Geschichte wird der Ryder Cup um ein Jahr verschoben. 2001 waren die Terror-Anschläge am 11. September auf das New Yorker World Trade Center der Anlass, den alle zwei Jahre ausgetragenen Wettstreit zwischen den besten Profis aus Europa und den Vereinigten Staaten ins nächste Jahr zu verlegen. Diesmal, in Zeiten der Corona-Pandemie, ist es die Ungewissheit. Darüber, ob man das größte Spektakel im Golf wirklich Ende September in Kohler (Wisconsin) mit Zuschauern veranstalten kann. Zumal die PGA Tour darauf verzichten muss, das Memorial Tournament in Dublin (Ohio) in der nächsten Woche wie geplant mit einer reduzierten Zuschauerzahl von 8000 auszutragen.

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          Was bei regulären Turnieren, ja selbst bei einem Major wie der PGA Championship Mitte August in San Francisco gerade noch verschmerzbar ist, geht bei diesem Prestigeduell nicht. Ein Ryder Cup ohne Fans, da waren sich die Spitzenspieler aus der Alten und Neuen Welt einig, verliert jeglichen Reiz. Die patriotisch gestimmten Golffreunde – in Paris waren es 2018 insgesamt 270.000 – schaffen mit ihren Anfeuerungen und Gesängen eine Atmosphäre, die im Golf einzigartig ist. So hatten der nordirische Weltranglistenerste Rory McIlroy und der Amerikaner Brooks Koepka angedeutet, dass sie für einen „Geister-Ryder-Cup“ nicht zur Verfügung stehen. Auch die immer noch hohen Infektionszahlen in den Vereinigten Staaten sowie die strengen Quarantäne-Regeln für Einreisende in das Gastgeberland dienten als weiteres Argument für die Verschiebung.

          9,5 Millionen Pfund in einem Jahr

          So findet die 43. Auflage des seit 1927 ausgetragenen Wettstreits also Ende September 2021 auf dem spektakulären Platz von Whistling Straits am Ufer des Lake Michigan statt. Zu einem Zeitpunkt an dem sich eigentlich das Team USA beim Presidents Cup mit dem Rest der Welt (ohne Europa) messen wollte. Stattdessen wird auch dieser auf das Jahr 2022 verschoben. Der für September 2021 in Toledo (Ohio) terminierte Solheim Cup, die weibliche Variante des Duells Vereinigte Staaten gegen Europa, soll wie geplant stattfinden. Ob dieser Wettbewerb in Zukunft wieder in Jahren ohne Ryder Cup ausgetragen wird, ist noch unklar.

          Klar ist dagegen, wer am meisten unter der Verschiebung des Ryder Cups leidet: Es ist die European Tour. Mittlerweile vermarkten sich zwar die beiden Veranstalter – die PGA of America und die European Tour – gemeinsam, so dass auch bei Auswärtsspielen ein wenig Geld in die Kassen der europäischen Turnierserie fließt. Aber das große Geld kassiert die European Tour nur bei Heimspielen – und das nächste steht nun erst in Rom 2023 an. In welch missliche Lage dies die von dem Kanadier Keith Pelley als CEO geführte Organisation bringt, zeigen die Zahlen. In den Jahren 2011 bis 2018 schrieb die European Tour in ihrem Hauptquartier in Virginia Waters nahe London in jedem Jahr ohne Ryder-Cup-Heimspiele operative Verluste: 7,9 Millionen Pfund im Jahr 2015, gar 9,5 Millionen Pfund 2017. Dagegen meldet sie im Jahr 2018 mit dem erfolgreichen Ryder Cup in Paris einen Gewinn von 10,2 Millionen Pfund. Hinzu kommt, dass seit Kelley 2015 die Führung übernahm, die Reserven von über 20 Millionen Pfund laut der Londoner „Times“ auf 9,6 Millionen geschrumpft sind.

          Kelley hat den Mitarbeiterstab auf rund 265 Angestellte deutlich erhöht, etliche Führungskräfte mit hohen Abfindungen entlassen und viel Geld für eine „Social Media“-Abteilung investiert. Allein die Erstellung einer neuen Webseite kostete eine Million Pfund. Wie Kelley mittlerweile zugab, ein Fehler. Denn die Corona-Pandemie hat der European Tour kräftig zugesetzt. Zwar finden seit Donnerstag wieder zwei Turniere in Österreich und danach sechs in Großbritannien statt, aber während der langen Zwangspause gab es keine Fernsehübertragungen und keine TV-Gelder. Hinzu kommt die Befürchtung, dass Sponsoren während des erwarteten wirtschaftlichen Rückgangs abspringen. Kelley hat bereit massive Sparmaßnahmen angekündigt. 65 Mitarbeiter, darunter vier Regel-Offizielle, sollen entlassen werden. Die Büros in Frankreich und Hongkong werden geschlossen, das in Dubai verkleinert.

          Kelley hat in einem Schreiben an die Mitglieder schon vor deutlichen Einschnitten gewarnt. So wird es wohl im nächsten Jahr für die Spieler keinen Fahrdienst mehr geben, auch die üppig ausgestatten „Player’s Lounges“ verschwinden. Und wie der Turnierkalender im neuen Jahr aussieht, kann derzeit niemand vorhersagen. Schon jetzt verdienen die europäischen Topspieler vorwiegend auf der wesentlich lukrativeren PGA Tour ihr Geld, machen nur noch gelegentliche Abstecher auf ihre Heimatturnierserie, die weltweit auf vier Kontinenten Turniere ausrichtet. Schon wird spekuliert, ob nicht die übermächtige PGA Tour wie in Kanada, Lateinamerika oder China die European Tour als europäisches Sprungbrett für die ganz große Bühne in Amerika übernimmt.

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