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Aufregung im Golf : Auf zwei Schlägerlängen Abstand in die Rassismus-Debatte

  • -Aktualisiert am

Neue Aufgabe im Dienste der Golfstars: Dustin Johnsons Caddie Austin Johnson (rechts) desinfiziert die Fahne. Bild: AP

Alles fast wie immer: Die Profigolfer schlagen bei der PGA Tour erstmals wieder ab. Auf dem Kurs steht ein dunkelhäutiger Spieler nicht nur wegen der politischen Lage in Amerika im Mittelpunkt.

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          Die vielleicht erfreulichste Nachricht hatte die PGA Tour veröffentlicht, noch bevor am Donnerstag im Colonial Country Club in Fort Worth die ersten Golfschläge bei der Charles Schwab Challenge ausgeführt wurden: Nach der gut dreimonatigen Zwangspause fielen bei dem ersten von fünf „Geisterturnieren“ dieser Turnierserie alle 467 Corona-Tests für Spieler, Caddies, Offizielle und Hilfspersonal in Texas negativ aus. Lediglich in der Korn Ferry Tour, der zweiten Liga, wurden ein Profi und drei Caddies positiv auf das Virus getestet.

          Da diese Abstriche jedoch vor der Anreise zum Turnier in Ponte Vedra Beach (Florida) genommen wurden und die positiv Getesteten sich in häusliche Quarantäne zurückzogen, hatte das keinen Einfluss auf das sportliche Geschehen. Sieht man einmal von den fehlenden Zuschauern ab, verlief das glänzend besetzte Turnier auf dem 1940 erbauten Traditionsklub im Großraum Dallas/Fort Worth weitgehend wie üblich.

          Die Profis und ihre Taschenträger versuchten zwar die Regeln der „sozialen Distanzierung“, Hinweistafeln erinnerten die Spieler nicht nur mit dem Maß von sechs Fuß, sondern auch der für Golfer näherliegenden Angabe von zwei Schlägerlängen, weitgehend einzuhalten, verzichteten auf Händeschütteln und Umarmungen, aber zwischendurch verfielen die Chefs und ihre Mitarbeiter immer wieder in den gewohnten Arbeitsmodus: Fast alle ließen sich entgegen den Empfehlungen der Tour die Schläger reichen. Vor allem mussten die Caddies die Arbeitsgeräte nach jedem Schlag reinigen. Die Fahnen an den Löchern wurden ebenfalls nach dem Einlochen desinfiziert.

          Harold Varner III im Fokus

          Am Ende des ersten Tages, der um 8:46 Uhr – symbolisch für die Anzahl an Minuten, die der Polizist auf dem Nacken des getöteten George Floyd gekniet hatte – von einer Schweigeminute unterbrochen worden war, sendete der Neustart der PGA Tour, wenn man so will, eine Botschaft der Gleichberechtigung zwischen Schwarz und Weiß. Nach glänzenden Runden von 63 Schlägen, sieben unter dem Platzstandard von 70, führten nämlich der englische Olympiasieger Justin Rose und Harold Varner III, neben Tiger Woods der einzige Afroamerikaner mit voller Spielberechtigung auf der lukrativsten Turnierserie der Welt, das 148 Spieler starke Feld an.

          Während Rose, der dieses Turnier vor zwei Jahren gewonnen hatte, zum erweiterten Favoritenkreis zählt, hatte der 29 Jahre alte Varner, in der Weltrangliste nur auf Rang 124 geführt, wegen der Proteste in den Vereinigten Staaten auf Grund seiner Herkunft im Vorfeld eine Hauptrolle spielen müssen. Er nahm in wohlgesetzten Worten zu den Vorfällen im Land Stellung, beschrieb im Gespräch mit Jay Monahan, dem Chef der PGA Tour, seine Rolle – und brillierte dann auch noch auf dem Platz.

          Sechs Fuß sind zwei Schlägerlängen: Für die Golfer wurde die Abstandsregel umgerechnet.
          Sechs Fuß sind zwei Schlägerlängen: Für die Golfer wurde die Abstandsregel umgerechnet. : Bild: AP

          Varner hatte im Dezember vergangenen Jahres bei der Australian PGA Championship, einem Turnier, das sowohl zu der Australasian als auch zur European Tour zählt, seinen ersten Sieg als Profi gefeiert. Er spielt seit 2016 auf der PGA Tour, wartet aber immer noch auf seinen Premierenerfolg.

          Die großen Stars, allen voran die laut Weltrangliste besten drei Golfer der Welt, boten bei idealen Bedingungen nur mittelmäßige Leistungen. Der nordirische Weltranglistenerste Rory McIlroy (Nordirland) benötigte wie der Amerikaner Brooks Koepka 68 Schläge. Der Spanier Jon Rahm, der mit einem Sieg McIlroy vom Thron stoßen kann, hatte mit 69 einen mehr auf seinem Konto. Auf den Plätzen 39 und 57 lagen sie damit nur im Mittelfeld.

          Langer schlägt mit den Längeren mit

          Diese drei Stars gehören mit ihren gewaltigen Abschlägen von oft mehr als 300 Metern zu den „Längsten“ im Profigolf. Aber auf dem 6592 Meter langen Heimatplatz der Golflegende Ben Hogan, einem der kürzeren der PGA Tour, zählt Präzision mehr als Power – und dann können auch noch Senioren mithalten. Der 61 Jahre alte Tom Lehmann, der die Charles Schwab Challenge 1995 gewonnen hatte, reihte sich nach dem ersten Tag mit einer glänzenden Runde von 65 Schlägen mit etlichen Weltklassespielern in die Spitzengruppe ein, obwohl er den Ball vom Abschlag im Schnitt nur 241 Meter weit schlägt.

          Der ein Jahr ältere Bernhard Langer aus Anhausen, der seit vielen Jahren in Boca Raton (Florida) lebt, befördert den Ball mit dem Driver zwar etwas weiter – auf der PGA Tour Champions sind es durchschnittlich 254 Meter –, aber diesen Längenvorteil konnte er am Donnerstag nicht nutzen. Mit einer Par-Runde von 70 Schlägen lag der älteste Spieler im Feld nur auf Rang 78. Um den Cut zu schaffen, musste er sich steigern.

          Aber Langer, der seit seinem Wechsel auf die Ü-50-Tour im Jahre 2008 nur alljährlich beim Masters und gelegentlich bei der British Open und der Players Championship noch den Wettbewerb mit den Jungstars wagt, nutzte die Gelegenheit endlich einmal wieder Turniergolf zu spielen, zumal der nächste Stopp auf der Seniorentour erst für Ende Juli geplant ist. „Der Colonial Country Club ist einer meiner Lieblingsplätze“, sagt Langer.

          Licht am Ende des Tunnels: Harold Varner III und seine Kollegen schlagen wieder ab.
          Licht am Ende des Tunnels: Harold Varner III und seine Kollegen schlagen wieder ab. : Bild: AP

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