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Golf-Profi Kevin Kisner : Der Triumph des Außenseiters

  • -Aktualisiert am

Gut gelaunt: Kevin Kisner nach dem Sieg mit der Trophäe Bild: dpa

Kevin Kisner gewinnt das einzige PGA-Lochspiel-Turnier. Dass er dabei überhaupt Chancen hat, liegt vor allem am Spielmodus – aber auch an einer nur kurz zuvor getroffenen, brisanten Entscheidung.

          Kevin Kisner gehört nicht zu den Stars im Profigolf. Der 35 Jahre alte Amerikaner benötigte nach seinem Wechsel ins Profilager im Jahr 2006 fünf Jahre, ehe er den Sprung auf die PGA Tour schaffte. Erst in den vergangenen Jahren hat sich der drahtige Athlet auf der Tour etablieren können. Vor der WGC-Dell Technology World Match Play in Austin (Texas) hatte er zwei Mal auf der lukrativsten Turnierserie der Welt (2015 und 2017) gewonnen und wurde in der Weltrangliste nur auf Rang fünfzig geführt. Aber die Hackordnung ist im Lochspiel bedeutungslos, noch weniger aussagekräftig als in den üblichen Zählspielen.

          In diesen Duellen Mann gegen Mann kann in der Weltklasse jeder jeden schlagen, eine Tatsache, die auch den Reiz des Ryder Cups ausmacht. Kisner gewann am Sonntag gegen seinen amerikanischen Landsmann Mat Kuchar das Finale über 18 Löcher 3 und 2 (drei mehr gewonnene Löcher bei zwei noch zu spielenden). Durch den Erfolg bei dieser Veranstaltung der World Golf Championship (WGC) rückte Kisner auf Rang 25, kassierte das höchste Preisgeld (1,7 Millionen Dollar) und bejubelte den größten Sieg seiner Laufbahn – mit Bier und Pizza, wie er in den sozialen Medien verkündete.

          Revanche nach einem jahr

          Der 35 Jahre alte Kisner wurde am Ende überraschend als Bester eines 64 Spieler starken Feldes gekürt, in dem die komplette Weltklasse mit Ausnahme des Australiers Adam Scott versammelt war. Damit revanchierte sich Kisner für seine deftige Vorjahres-Niederlage im Endspiel gegen seinen Landsmann Bubba Watson (7 und 6). Im Halbfinale hatte Kisner Francesco Molinari besiegt, der nach zehn Siegen im Lochspiel, fünf im Ryder Cup und fünf in Austin, erstmals verlor. Der italienische British-Open-Sieger bezwang im Spiel um Platz drei den dänischen Außenseiter Lucas Bjerregard.

          Der Weltranglistensiebte Molinari hatte es als einziger Top-Ten-Spieler bis ins Halbfinale geschafft. Als am Sonntag nur noch vier Profis auf dem Platz standen, hatten sich die Favoriten längst verabschiedet – für die Einschaltquoten im Fernsehen eine Katastrophe. Immerhin hatte es am Samstagmorgen mit dem Duell Rory McIlroy gegen Tiger Woods im Achtelfinale einen Knüller gegeben. Woods besiegte den Nordiren, verlor dann aber gegen Bjerregard. Trotz ihres vorzeitigen Scheiterns nehmen sowohl Woods als auch McIlroy viel Schwung mit nach Augusta (Georgia), wo am Donnerstag nächster Woche das Masters beginnt. Kisner hat dann zwar fast ein Heimspiel – er wohnt ein halbe Stunde entfernt in Aiken (South Carolina) –, doch beim ersten Major des Jahres ist er Außenseiter.

          Dass weitgehend Unbekannte bei Lochspielturnieren immer wieder für Überraschungen sorgen, hat dazu geführt, dass im Profigolf nur noch ein einziges Turnier nach diesem Format ausgetragen wird. Wenn große Namen wie Woods (2003, 2004, 2008), McIlroy (2015) oder der Weltranglistenerste Dustin Johnson (2017) dieses einzige Lochspiel-Turnier für die Weltklasse gewinnen, sind das Glücksfälle. Obwohl Dell den Vertrag für das Turnier verlängerte, versuchte der Computer-Hersteller noch sechs Tage vor Beginn eine Änderung des Modus für die Zukunft. Der Titelsponsor hatte beantragt, nur noch die Gruppenspiele im Lochspiel auszutragen. Die 16 Gruppensieger sollten dann ein Zählspiel über 36 Löcher austragen. Diesen Wunsch lehnte das Spielergremium der PGA Tour ab. Alles bleibt beim Alten. Die Außenseiter wird es freuen.

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