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Golf : Nur einer freut sich über den Abschied von Jack Nicklaus

  • -Aktualisiert am

Jack Nicklaus: Abschlag vor dem Abtritt Bild: REUTERS

Die Bühne für den Wachwechsel ist perfekt bereitet: Der erfolgreichste Golfspieler sagt den British Open ade. Und Tiger Woods spielt bei solchen Gelegenheiten immer besonders gut.

          3 Min.

          Die Bühne für den Wachwechsel, vierte Auflage, ist perfekt bereitet: Jack Nicklaus sagt bei den 134. British Open in St. Andrews auch dem letzten Major ade - und wieder steht Tiger Woods bereit, in die Fußstapfen des mit 18 Majors-Titeln erfolgreichsten Golfers der Geschichte zu treten. Der 29jährige Weltranglistenerste gilt auf dem Old Course des Städtchens an der schottischen Ostküste als hoher Favorit auf seinen zehnten Major-Titel.

          Und das nicht nur, weil er bei der letzten Austragung des wichtigsten Turniers auf dem ältesten Golfplatz der Welt die Konkurrenz um sage und schreibe acht Schläge düpierte und mit insgesamt 19 unter Par einen neuen Rekord aufstellte. In jenem Jahr 2000 verabschiedete sich der mittlerweile 65 Jahre alte Nicklaus von den US Open und der PGA Championship, im April gab er seine letzte Vorstellung beim Masters - und immer hieß der Sieger am Ende Tiger Woods. "Jedes Mal, wenn er sich von einem Turnier endgültig zurückzog, hatte ich eine tolle Zeit. Es wäre schön, wenn er weitere Abschiede feiern würde", sagte Woods schmunzelnd.

          Seit 1999 spielt Nicklaus mit künstlichem Hüftgelenk

          Dazu wird es wohl nicht kommen: In der nächsten Woche spielt Nicklaus noch einmal bei den British Seniors Open in Aberdeen, aber danach soll der Vorhang für den Turniergolfer Nicklaus endgültig fallen. Der 16malige Großvater, der seit 1999 mit einem künstlichen Hüftgelenk über die Fairways geht, kann im Powergolf der neuen Generation nicht mithalten. "Meine Schlägerkopfgeschwindigkeit mit dem Driver beträgt 106 Meilen (171 Kilometer pro Stunde). Wenn ich nicht zwanzig Meilen zulegen kann, und das ist in meinem Alter unwahrscheinlich, macht es keinen Sinn mehr", sagte Nicklaus beim Masters. Es ist nicht nur unwahrscheinlich, es ist wohl biologisch unmöglich, daß ein Mann im Rentenalter den Schlägerkopf seines Drivers wie Woods mit mehr als 130 Meilen pro Stunde (209 Kilometer pro Stunde) an den Ball katapultiert.

          Erfrischung am 14. Loch

          Je länger der Platz, desto besser für Woods

          Die Schlaglängen, die "Longhitter" wie Woods aufgrund dieser D-Zug-Geschwindigkeiten mit riesigen, bis zum legalen Limit von 460 Kubikzentimeter großen Köpfen aus Titan an ihren Drivern in Kombination mit modernen, aerodynamisch immer weiter verbesserten Bällen erreichen, haben die Organisatoren des Royal and Ancient Golf Clubs of St. Andrews dazu verführt, den Platz um exakt 150 Meter auf nunmehr insgesamt 6656 Meter bei Par 72 zu verlängern. Aber dieses sogenannte "Tiger Proofing", das den Branchenprimus in die Schranken weisen soll, spielt nur einem in die Hände: Tiger Woods. Denn je länger der Platz, je größer der Vorteil für Profis, die den Ball regelmäßig jenseits der 300-Meter-Marke befördern können. Die 112 Bunker, insgesamt immerhin ein halber Hektar Sand, kommen trotz der Verlegung einiger dieser Hindernisse für diese Weitenjäger nicht ins Spiel. In den Proberunden schaffte Woods wieder wie vor fünf Jahren das Kunststück, mit keiner dieser Sandkuhlen Bekanntschaft zu machen.

          Aber nicht nur die rohe Kraft spricht für den Branchenprimus. Woods liebt das Spiel auf den Küstenplätzen, den Links Courses. Fairways, auf denen im Verhältnis zu deutschen oder amerikanischen Plätzen wenig Gras ist, Spielbahnen, die "schneller" sind als die meisten deutschen Grüns, erfordern ganz besondere Fähigkeiten. "Hier muß man seinen Kopf benutzen. Der Old Course verlangt, daß man kreativ ist. Man muß Schläge machen, die man in den Vereinigten Staaten nicht braucht", schwärmt Woods. Statt wie daheim den Weg zum Grün immer nur durch die Luft zu suchen, bleibt Woods auf Links Courses bodenständig. Immer wieder puttet er aus Entfernungen von fünfzig bis gar sechzig Meter - undenkbar auf Plätzen, die nicht in den Dünen britischer Gestade liegen.

          Die Liebe zu dieser besonderen Art des Golfs, aber auch die glänzende Form der letzten Wochen sprechen für Woods, der bei seinen letzten beiden Turnieren, den US Open und den Western Open, jeweils den zweiten Platz belegte. Der Mann strotzt derzeit vor Selbstvertrauen. Die Frage, ob er noch besser als bei seinem bisher einzigen British-Open-Sieg vor fünf Jahren spielen könne, beantwortete er mit einem uneingeschränkten Ja. Nicht nur sein Golflehrer Hank Haney sieht seinen Musterschüler in der Favoritenrolle: "Seine Chancen in St. Andrews sind exzellent. Tiger hat die einmalige Fähigkeit, die Flugbahn seines Balles zu kontrollieren. Das ist ein riesiger Vorteil."

          Fast alles spricht für den Tiger

          Bisher zeigte sich das Wetter an der Nordsee von seiner besten Seite. Strahlender Sonnenschein und angenehme Temperaturen über 20 Grad verwöhnten die 156 Golfer, darunter auch der deutsche Nachrücker Bernhard Langer und die beiden Qualifikanten Alexander Cejka und Tino Schuster. Aber das könnte sich am Wochenende, glaubt man den Vorhersagen, ändern - und dann wird es wichtig, den Ball je nach Wind in verschiedenen Kurven und Höhen zum Ziel zu befördern.

          Deshalb ist bei manchen das Vertrauen in Woods riesig. Ein mutiger Zocker setzte 100.000 Pfund (rund 145.000 Euro) auf einen Sieg von Woods. Sollte der Favorit gewinnen, kassiert der Wetter 300.000 Pfund. Vielleicht läßt er sich einen Teil seines Gewinns in brandneuen Fünf-Pfund-Noten auszahlen. Am Donnerstag gibt die Royal Bank of Scotland zwei Millionen Banknoten mit dem Bild von Nicklaus heraus - eine Ehre, die bisher im Vereinigten Königreich nur der Queen und ihrer Mutter zuteil wurde.

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