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Masters in Augusta : Kaymers Problem – und Langers Lösung

  • -Aktualisiert am

„Mir gefällt der Platz. Ich spiele gerne hier“: Martin Kaymer. Bild: dpa

Zwei Golfer, zwei Welten: Die deutschen Stars Martin Kaymer und Oldie Bernhard Langer starten beim Masters in Augusta unter ganz unterschiedlichen Voraussetzungen ins wichtigste Turnier des Jahres.

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          Das Masters und Martin Kaymer – das ist bisher die Geschichte von zweien, die nicht zueinanderfinden konnten. „Mir gefällt der Platz. Ich spiele gerne hier“, sagt der 31 Jahr alte Golfprofi. Aber er fügt auch an: „Ich muss hier einfach gegen mein Gefühl ankämpfen. Für mich ist dieser Platz die größte Herausforderung.“ Kaymer schickt den Ball am liebsten mit seinem natürlichen Ballflug auf die Reise, einem Fade, einer sanften Links-rechts-Flugbahn.

          Viele Spielbahnen des Platzes in Augusta erfordern wegen eines „Doglegs“ (Biegung) nach links allerdings die genau entgegengesetzte Flugbahn, den Draw, das heißt, man muss den Ball als Rechtshänder rechts starten lassen und ihn mit einer leichten Linkskurve ins Ziel steuern. Der 31 Jahre alte Rheinländer beherrscht längst auch diesen Schlag, wie er immer wieder eindrucksvoll auf der Übungswiese demonstriert. Aber was hilft das, wenn er sich dabei nicht wohl fühlt?

          So hat Kaymer die Aufgaben, die der hügelige Platz des Augusta National Golf Club im Bundesstaat Georgia an die Meister des Spiels stellt, noch nicht lösen können. Achtmal nahm der ehemalige Weltranglistenerste bisher am ersten Saisonhöhepunkt des Jahres teil – für einen Spieler seiner Klasse mit ernüchternden Ergebnissen. Fünfmal scheiterte er am Cut. Die dreimal, als er auch am Wochenende mit von der Partie war, landete er auf den Plätzen 44, 35 und 31 (2012 – 2014). An diesem Donnerstag geht er in der allerletzten Dreiergruppe mit dem nordirischen Weltranglistendritten Rory McIlroy und dem Amerikaner Bill Haas auf die erste Runde der 80. Auflage dieses Traditionsturniers.

          Während McIlroy als Sieganwärter gehandelt wird, fällt der Name des Deutschen nie, wenn von den Favoriten die Rede ist. Das ist erstaunlich: Immerhin ist es noch keine zwei Jahre her, dass Kaymer mit der Players Championship und den US Open zwei der größten Turniere der Welt gewann, bei den US Open sogar die versammelte Weltklasse geradezu deklassierte und mit acht Schlägen Vorsprung vor seinem ärgsten Verfolger siegte. Andererseits ist aber auch verständlich, dass Kaymer nicht hoch gehandelt wird. Denn von der Form des Jahres 2014 ist der aus Mettmann stammende PGA-Champion von 2010 weit entfernt.

          „Mit meinen bisherigen Ergebnissen kann man nicht zufrieden sein“, bilanziert Kaymer seine Turnierauftritte in diesem Jahr. Ein zwölfter Platz bei einem seiner Lieblingsturniere, bei der Abu Dhabi Championship, die er dreimal gewann (2008, 2010, 2011), steht für ihn als bestes Ergebnis für das Golfjahr 2016 zu Buche. Bei seinen insgesamt sechs Auftritten auf der European und PGA Tour musste er dreimal nach zwei Runden abreisen. In der Weltrangliste ist Kaymer, der 2011 die Hackordnung im Frühjahr für acht Wochen anführte, auf Rang 50 abgerutscht.

          „Ich spiele besser, als es die Ergebnisse ausdrücken“, sagt Kaymer. So recht festmachen, woran es bei ihm hapert, kann er nicht. Er sagt nur so viel: „Mir fehlt einfach ein Erfolgserlebnis, und wenn die ausbleiben, hat man auch kein Selbstvertrauen.“ Ob er es sich ausgerechnet beim Masters holt, scheint unwahrscheinlich. Doch die Erinnerung an die großartigen Ergebnisse des Jahres 2014 ist noch frisch. Und noch eines: Auch vor zwei Jahren war Kaymer mit äußerst dürftigen Ergebnissen nach Augusta gereist, hatte beim Masters mit dem 31. Platz nur eine bescheidene Nebenrolle gespielt – und wenige Wochen später ganz groß aufgetrumpft.

          Masters-Champion von 1985 und 1993: Bernhard Langer
          Masters-Champion von 1985 und 1993: Bernhard Langer : Bild: AFP

          „Als Sportler will man natürlich, dass der Knoten möglichst schnell platzt“, sagt Kaymer. Deshalb hat er in diesem Jahr seine Masters-Vorbereitung drastisch reduziert. Er reiste erst Montag Nachmittag an, spielte am Dienstag und Mittwoch nur je neun Löcher mit Bernhard Langer, wie immer für Kaymer ein ganz besonderes Erlebnis. Obwohl der 58 Jahre alte Masters-Champion von 1985 und 1993 den Ball mit dem Driver rund 20 Meter kürzer schlägt, war der Altmeister mit dem zweiten Schlag meist näher an der Fahne als sein Nachfolger als bester deutscher Golfer: „Er ist einfach beeindruckend. Er schlägt den Ball immer gerade und präzise“, lobte Kaymer Langer.

          Der Routinier spielt mittlerweile fast ausschließlich auf der PGA Tour Champions für „Best Agers“ (Ü 50), eine Turnierserie, die er seit Jahren dominiert. Da diese Ergebnisse nicht für die Weltrangliste zählten, wird Langer im Branchenranking nur auf Platz 1080 geführt. Das Masters ist eine der wenigen Gelegenheiten, bei denen sich der bayrische Schwabe mit Jüngeren misst. Im Gegensatz zu Kaymer fühlt sich Langer auf dem Masters-Platz ausgesprochen wohl.

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          Trotz des Längennachteils gegenüber den „Längsten“ im Feld, die ihn, wie es im Golfjargon heißt, „30 und mehr Meter kurz lassen“, sagt er: „Um hier eine Chance zu haben, muss ich absolut fehlerlos spielen. Aber ich glaube, dass ich auf diesem Platz immer noch an der Spitze mitspielen kann.“ Keine leeren Worte: Vor zwei Jahren rückte er in der Schlussrunde zeitweise an die Führenden heran und belegte am Ende den achten Platz – eine Plazierung, die Kaymer mit Kusshand in diesem Jahr akzeptieren würde.

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