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Golf : Martin Kaymer in der Krise

  • -Aktualisiert am

Vom Weg abgekommen: Martin Kaymer Bild: AP

Wie ein Stürmer ohne Torerfolg: Golfprofi Martin Kaymer kommt einfach nicht recht in Schwung. Er steht erstmals seit sechs Jahren nicht unter den Top 50 der Weltrangliste.

          3 Min.

          In seiner Jugend galt Martin Kaymer als begabter Kicker, er spielte für Fortuna Düsseldorf und stand als 14-jähriger Knabe in der Niederrhein-Auswahl. Da bietet es sich an, dass er für seine derzeitige sportliche Krise zu einer Analogie aus dem Fußball greift. Ihm gehe es derzeit wie einem Stürmer, der lange nicht mehr ins Tor getroffen hat. Und je länger die Flaute anhält, desto mehr nagt das am Selbstvertrauen. Setzt man Torjubel mit dem Hochgefühl eines Turniersiegs gleich, dann wartet der 29-jährige Golfprofi nun schon lange auf ein befreiendes Erfolgserlebnis.

          Sieht man einmal von dem Sieg bei der Nedbank Challenge im Dezember 2012 in Sun City (Südafrika) ab, einem Einladungsturnier mit nur 16 Spielern, datiert der letzte seiner zehn Turniersiege auf der European Tour schon aus dem November 2011. Damals gewann der Rheinländer aus Mettmann die HSBC Champions in Schanghai, ein Turnier der World Golf Championship (WGC). Die WGC-Turniere gelten nach den vier Majors als die wichtigsten Veranstaltungen im Herren-Golf. Die drei WGC-Zählspielturniere sind nur den Top 50 der Weltrangliste und den aktuellen Turniersiegern der großen Touren vorbehalten.

          Nur noch auf Rang 52 geführt

          Von Donnerstag bis Sonntag darf Kaymer in Miami bei der WGC-Cadillac Championship noch einmal mitspielen, aber nur weil er, als die Meldeliste geschlossen wurde, noch unter den Top 50 rangierte. Seit Montag wird der beste deutsche Golfer nur noch auf Rang 52 geführt, ein tiefer Fall für einen überaus talentierten Mann, der Ende Februar 2011 zum offiziell Besten seiner Zunft aufgestiegen war – eine Position, die er für insgesamt acht Wochen halten konnte. Seit seinem ersten Sieg auf der European Tour in Abu Dhabi im Ende Januar 2008 stand der Rheinländer aus Mettmann ständig unter den Top 50, im Golf ein wichtige Marke, weil man mit einer solchen Einstufung für alle großen Turniere auf der Welt startberechtigt ist.

          Der Gesichtsausdruck sagt alles: Kaymer hat seinen Schwung verloren Bilderstrecke

          Dass Kaymer nun erstmals seit mehr als sechs Jahren diesem Elitekreis nicht mehr angehört, ist für ihn dennoch keine Katastrophe. Als Sieger der PGA Championship von 2010 ist er bis Ende 2015 für Masters, US- und British-Open sowie der Players Championship startberechtigt, beim letzten Major des Jahres als ehemaliger Gewinner sogar lebenslang. Auch um seinen Arbeitsplatz auf der European und der amerikanischen PGA Tour muss er sich vorläufig keine Gedanken machen, auch wenn er bei seinen bisherigen Turnier-Auftritten 2014 immer unter ferner liefen landete. In der vorletzten Woche unterlag er in der ersten Runde der WGC-Matchplay in Arizona dem jungen Japaner Hideki Matsuyama, bei der Honda Classic in der Vorwoche scheiterte er am Cut. Auch die restlichen Ergebnisse in diesem Jahr lesen sich nicht erfreulicher: 31. in Abu Dhabi, 57. in Qatar und 53. in Scottsdale.

          Er kommt einfach nicht recht in Schwung

          Kaymer, der im vergangenen Jahr immer wieder geklagt hatte, dass es bei ihm am sogenannten „kurzen Spiel“, also auf den letzten Metern zum Loch, hapere, will diese Schwäche nicht als Grund für die aktuelle Formkrise anführen. Dennoch bleibt festzuhalten: Er hatte den Engländer Pete Cowan als Coach für das Spiel rund ums Grün verpflichtet, diese Zusammenarbeit nach zwölf Monaten Anfang des Jahres aber beendet. Nun vertraut er bei diesem wichtigen Teilaspekt wieder seinem Trainer Günter Kessler, der ihn seit seinen Jugendtagen unter seinen Fittichen hat. Dass der Schritt zurück noch nicht die erhoffte Wirkung zeigt, lässt sich an einer Statistik der PGA Tour ablesen. Beim „Scrambling“, das ermittelt, wie oft ein Spieler das Par noch rettet, wenn er das Grün verfehlt hat, kommt der Deutsche nur auf 50 Prozent. Die besten schaffen das in knapp 70 Prozent. Sein „langes Spiel“, also Abschläge und Eisenschläge zum Grün, seien in Ordnung, sagt Kaymer. Überhaupt fühle sich sein Spiel besser an als die Ergebnisse. Aber er kommt einfach nicht recht in Schwung, weil auf jeder Runde ein Nackenschlag dem nächsten folge.

          Kaymer trainiert so hart wie eh und je. So bleibt ihm derzeit nur die Hoffnung, dass irgendwann wie bei einem lange erfolglosen Torjäger der Knoten platzt. Viel Zeit, die Wende vor dem ersten Großereignis, dem Masters in Augusta (10. bis 13. April), zu schaffen, bleibt ihm nicht mehr. Nach Miami legt er eine dreiwöchige Pause ein und spielt erstmals in der Woche vor dem Masters ein Turnier, die Shell Open in Houston. Aber warum nicht einmal etwas Neues versuchen, wenn es nicht wie gewünscht läuft?

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