https://www.faz.net/-gtl-9oavx

Golf in München : Kaymers Superwoche und zwei Katastrophenlöcher

  • -Aktualisiert am

Von eins auf sechzehn: Martin Kaymer ist in der zweiten Turnierhälfte ein wenig in die Knie gegangen. Bild: Imago

Golfprofi Martin Kaymer fällt in Eichenried nach seiner Halbzeitführung bis auf Platz 16 zurück. Dennoch spürt der Rheinländer mit neuem Werkzeug einen Aufwärtstrend.

          Martin Kaymer plagt ein Problem. „Es war wie bei den letzten Turnieren. Es gibt immer eine Runde, in der ich mich nach hinten schieße. Aber man darf sich nicht darauf konzentrieren. Man muss sich auf das fixieren, was gut lief. Man darf jetzt nicht den Fehler machen, irgendetwas zu ändern. Ich muss einfach so weiterspielen.“ Und so konzentrierte sich der beste deutsche Golfer am Sonntag bei der Analyse erst mal auf das Positive: „ Ich habe wirklich eine Superwoche gehabt, 68 Löcher sehr gut gespielt“, um anzufügen: „Aber meine Katastrophenlöcher waren am Wochenende sechs und elf. Die habe ich vier über Par gespielt, die kann man auch in vier unter Par spielen“, klagte der 34 Jahre alte Golfprofi aus Mettmann angesichts seiner Fehlschläge an diesen beiden Par-5-Löchern.

          Das erklärte zum Teil, warum es mit dem zweiten Sieg nach 2008 bei der BMW International Open im Golf Club München Eichenried nicht geklappt hatte. Aber natürlich gab es noch andere Gründe: Am Wochenende fand sein Ball auf den Grüns einfach nicht mehr den Weg ins Loch. Der Lokalmatador hatte bei Halbzeit nach Runden von 67 und 66 Schlägen geführt. Doch schon am Samstag, als wegen drohender Gewitter die Führenden zu früher Morgenstunde spielen mussten, vergab der ehemalige Weltranglistenerste mit einer Runde von 74 Schlägen, zwei über dem Platzstandard (Par), alle Siegeschancen.

          Auf einem Platz, der, dank des durch Regen aufgeweichten Grüns, geradezu zu niedrigen Runden einlud, wird ein solcher Ausrutscher nicht verziehen. Da half es auch wenig, dass Kaymer am Samstag noch voller Optimismus verkündet hatte: „Fünf Schläge Rückstand sind keine Katastrophe.“ Doch statt am Sonntag mit einem Schlussspurt sich vom elften Platz wenigstens noch unter die Top Ten zu schieben, wurde er nach hinten durchgereicht. Nach einer Schlussrunde von 70 Schlägen landete er auf dem 16. Platz. Der mit 333 330 Euro dotierte Siegerscheck ging im Stechen an den Italiener Andrea Pavan, der am zweiten Extraloch gegen den Engländer Matthew Fitzpatrick triumphierte.

          Seit einigen Wochen geht Kaymer seinem Job mit neuen Werkzeugen nach. Er spielt mit den Eisen, die in Zusammenarbeit mit Tiger Woods entwickelt wurden und mit denen der Superstar das Masters gewann. Diese sogenannten klassischen Blades sind seit einiger Zeit auf dem Markt und werden für 2200 Euro verkauft. „Ich habe mich beim Champions Dinner mit Tiger darüber unterhalten. Die Eisen fühlen sich weicher an, man spürt noch besser, wo man den Ball getroffen hat. Dazu fliegt der Ball etwas weiter.

          Vor allem sind sie für Blades sehr fehlerverzeihend“, sagte Kaymer, der mit dem neuen Material seine beiden Ziele angeht: Kurzfristig will er sich bei der Irish oder Scottish Open in den ersten beiden Juli-Wochen für die British Open (18. bis 21. Juli) in Portrush (Nordirland) qualifizieren, langfristig will er wieder unter die Top 50, um bei allen großen Turnieren startberechtigt zu sein. Auch wenn es in München nicht für den ersten Sieg seit fünf Jahren reichte, Kaymer verspürte auch vor den Toren der bayerischen Landeshauptstadt einen Aufwärtstrend.

          Kaymer, mittlerweile in der Weltrangliste auf Rang 93 geführt, bleibt der schwache Trost, in Deutschland immer noch konkurrenzlos dazustehen. Maximilian Kieffer, der durch eine rätselhafte Magenerkrankung fünf Kilo Gewicht verlor und erst langsam wieder zu alter Form findet, gelang lediglich am Freitag mit 67 Schlägen eine gute Runde. Aber die reichte für den 28 Jahre alten Düsseldorfer nur zum geteilten 37. Platz. Max Schmitt ereilte das gleiche Schicksal wie den deutschen Spitzenspieler Kaymer: gut begonnen, schlecht aufgehört.

          „Ich habe zwei Runden sehr, sehr gutes Golf gespielt“

          Nach einem Auftakt mit Runden von 69 und 68, die ihn auf Platz fünf bei Halbzeit gebracht hatten, lief bei dem Rheinländer aus Andernach nichts mehr: 74 und 76 Schläge warfen ihn weit zurück. Am Ende teilte sich Schmitt den 53. Platz unter anderem mit Dominic Foos aus Karlsruhe. Der ebenfalls 21 Jahre alte Badener galt als Wunderknabe, kommt aber, auch wegen Verletzungen, nicht so recht voran. „Ärgerlich, dass ich wie vor zwei Jahren als Amateur am Wochenende wieder so zurückfalle. Aber ich nehme viel Positives mit. Ich habe zwei Runden sehr, sehr gutes Golf gespielt. Ich bin ja erst 21, und für mich geht es nur darum, mir die Tourkarte für nächstes Jahr zu sichern“, sagte Schmitt.

          Das Talent hat reichlich Gelegenheit, mit guten Plazierungen diesem Ziel näherzukommen. In der nächsten Woche spielt er beim Andalucia Masters, ein Turnier, bei dem der Spanier Sergio Garcia, der in Eichenried am Cut gescheitert war, als Gastgeber fungiert: „Bei der Irish Open bin ich im Augenblick erster Ersatzmann. Da sollte ich ins Feld reinkommen“, sagte Schmitt. Für einen Tourneuling, der sich im ersten Jahr mit der europäischen Elite misst, ist das mit sieben Millionen Dollar dotierte Turnier eine Riesenchance, endlich richtig Geld zu verdienen und sich damit der Sorgen um den Erhalt des Arbeitsplatzes zu entledigen.

          Weitere Themen

          Ein Plädoyer für Manuel Neuer

          Bayern München : Ein Plädoyer für Manuel Neuer

          Nach WM-Desaster und Blessuren kamen an der Unantastbarkeit Zweifel auf. Nun hat Manuel Neuer seine alte Klasse wiedergefunden. Vor dem Saisonstart lobt sich der Torwart. Und Trainer Niko Kovac stellt eine Forderung.

          Topmeldungen

          Sonderermittler Robert Mueller spricht im Justizministerium in Washington zur Russland-Affäre von Präsident Donald Trump.

          Anhörung von Robert Mueller : Der unfreiwillige Zeuge

          Ende März präsentierte Sonderermittler Robert Mueller seinen Bericht zur möglichen Wahlkampf-Affäre Trumps aus dem Jahr 2016. Jetzt muss er dazu im Kongress aussagen. Donald Trump spielt den Termin herunter, als sei es eine reine Formalität.
           Unsere Sprinter-Autorin: Julia Anton

          F.A.Z.-Sprinter : Eine Olive wird Premierminister

          Boris Johnson wird zum Nachfolger von Theresa May ernannt, Sonderermittler Robert Mueller muss sich im amerikanischen Kongress erklären und Trump findet nur eines davon interessant. Was sonst noch wichtig wird, steht im F.A.Z.-Sprinter.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.