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Golfturnier in Winsen : Siems Rückkehr aus dem Niemandsland

  • -Aktualisiert am

Prüfender Blick: Marcel Siem bei der Vorbereitung auf dem Grün Bild: Witters

Der deutsche Profi Marcel Siem könnte in der Lüneburger Heide eine lange Durststrecke beenden. Ein verhängnisvoller Irrtum warf ihn vor Jahren weit zurück.

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          Wer ist der letzte deutsche Golfprofi, der auf der DP World Tour, der früheren European Tour, gewonnen hat? Nein, nicht Martin Kaymers Sieg bei der US Open 2014 steht als letzter deutscher Sieg in den Annalen dieser Serie. Doch man muss fast genauso weit zurückblicken. Knapp fünf Monate nach Kaymers zweitem Major-Sieg (Majors zählen sowohl zur European als auch zur PGA Tour) gewann Marcel Siem in Schanghai das BMW Masters, der vierte und letzte Sieg des Profis aus Ratingen in der ersten europäischen Liga.

          Siem kletterte damals bis auf Platz 51 der Weltrangliste. Aber er wollte mehr, wollte unbedingt unter die Top 50 kommen, die bei allen Majors antreten dürfen. Deshalb änderte er seinen Schwung nach dem Vorbild des Amerikaners Dustin Johnson. Ein misslungenes Unterfangen, das zudem noch zu einer Schulterverletzung führte. Siem verlor nicht nur seinen Arbeitsplatz auf der European Tour. Er verschwand im Niemandsland der Weltrangliste, zeitweise tauchte er nicht einmal unter den besten Tausend auf.

          Doch nach dem tiefen Fall hat der Profi mit dem Markenzeichen Pferdeschwanz den langen Weg zurück auf die DP World Tour geschafft. Im Vorjahr gelang ihm nach 13 Auftritten in Folge in Frankreich endlich ein Sieg auf der Challenge Tour. In der Geldwertung dieser zweiten Liga landete er auf dem 15. Platz und damit unter den Top zwanzig, die in die DP World Tour aufsteigen. Allerdings tat er sich bisher mit dem Comeback schwer. Nur drei Mal schaffte er 2022 bei acht Turnieren den Cut, auch weil ihn eine Handgelenksverletzung plagte.

          Doch bei der Porsche European Open in Winsen, seinem 479. Start auf der Tour, gelang dem 41 Jahre alten Routinier ein guter Beginn. Auf dem extrem langen (7165 Meter) und schweren Nord Course der Green Eagle Golf Courses spielte Siem dank zweier Birdies auf seinen beiden letzten Löchern eine Runde von 71 Schlägen (1 unter Par) und lag damit nur vier Schlägen hinter den nach dem ersten Tag führenden Chinesen Haotong Li und dem Schweden Joakim Lagergren (beide 67).

          Nach dem gelungenen Auftakt verbreitete Siem viel Optimismus. „Leider bin ich der Letzte (der gewann), aber die jüngeren Spieler machen alle einen guten Job, spielen richtig gutes Golf. Da wird einiges passieren. Es ist nicht mehr wie vor zehn Jahren. Damals gab es nur Martin Kaymer und mich, vielleicht noch Alex Cejka.“ Siem lobte besonders seinen jungen Kollegen Frederik „Freddy“ Schott. „Ich habe einige Trainingsrunden mit ihm in Green Eagle gespielt“, erzählte Siem.

          Es hat sich offensichtlich gelohnt. Schott benötigte mit einer Runde von 70 Schlägen gar einen Schlag weniger als der Routinier – eines der Glanzlichter an einem kühlen, windigen Tag in der Lüneburger Heide, der für die deutschen Golffans mit einer schlechten Nachricht begann. Kaymer sagte am Morgen kurz vor Beginn der Runde seinen Start ab. „Er hat Flüssigkeit im linken Handgelenk. Es ist nicht so schlimm. Er wird wohl nächste Woche in London beim ersten Turnier der LIV Invitational Serie wieder spielen können“, berichtete der Schwede Johan Elliot, der nach sieben Jahren wieder das Management des Rheinländers übernommen hat.

          So richtete sich das Augenmerk auf die verbliebenen Deutschen. Vor allem Siem war guter Dinge: „Ich gebe mir Mühe, dass ich der erste bin, der nach 2014 wieder gewinnt.“ Die Chancen, dass er es in Winsen schafft, stehen gar nicht so schlecht. Denn mit dem Platz des Nord Course von Green Eagle verbindet ihn ein ganz besonderer Coup. 2017 gelang ihm am 17. Loch, einem Par 3, ein Ass und er erhielt dafür einen Sportwagen des Titelsponsors. „Leider habe ich das Auto nicht mehr“, sagte Siem und erzählte, dass jemand, der auf der Challenge Tour spiele, sich ein solches Gefährt nicht leisten könne.

          Aber nicht nur finanziell musste Siem zurückstecken. Wer so lange wie Siem auf der European Tour spielte und dort Siege feierte, dem fällt der Abstieg in die zweite Liga nicht leicht: „Das war nicht angenehm. Aber dann habe ich gecheckt, dass das jetzt mein Weg ist. Ich wollte weiter spielen. Ich liebe den Sport. Ich bin sehr stolz, dass ich das geschafft habe. Die letzten Wochen waren so dies und das. Aber jetzt bin ich wieder so heiß wie voriges Jahr auf der Challenge Tour.“ Gute Aussichten auf einem Platz, den Siem ganz locker als „tolle Wiese“ beschreibt.

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