https://www.faz.net/-gtl-a1k4b

Golfer an der Weltspitze : „Rahmbo“ und der Wirbel um die Nummer eins

  • -Aktualisiert am

Kuss von Frau Kelley: Jon Rahm steht an der Golf-Weltspitze. Bild: AFP

Der Spanier Jon Rahm ist die neue Nummer eins der Golf-Weltrangliste. Um seine Spitzenposition zu untermauern, fehlt dem „Rahmbo“ allerdings noch ein wichtiger Erfolg.

          3 Min.

          Es gibt viele Wege, den Gipfel im Golf zu erklimmen. Bernhard Langer aus Anhausen wurde bei der Einführung der offiziellen Weltrangliste im April 1986 zur Nummer eins gekürt, eine Position, die er nach drei Wochen an den Spanier Severiano Ballesteros abgeben musste. Der Düsseldorfer Martin Kaymer bestieg den Thron Ende Februar 2011 für acht Wochen, nachdem er im Finale der World Matchplay Championship dem Engländer Luke Donald unterlegen war. Der Nordire Rory McIlroy übernahm die Spitzenposition gar Anfang Februar diesen Jahres zum siebten Mal in seiner Karriere, obwohl er in der Vorwoche pausiert hatte.

          Für seinen Nachfolger Jon Rahm wirkte der Weg von Platz zwei zum 24. Primus der Branche am Schlusstag des Memorial Tournaments im Muirfield Village Golf Club in Dublin (Ohio) neun Löcher lang wie eine eindrucksvolle Krönungsprozession, eine würdige Demonstration seiner Überlegenheit. Der 25 Jahre alte Spanier aus Barrika im Baskenland schien das stärkste Feld, das sich je bei einem regulären Turnier der PGA Tour versammelt hatte (neun der Top Ten, 43 der Top 50 der Weltrangliste), unter extrem schwierigen Bedingungen mit starkem Wind und beinharten, von hohem Gras umgebenen Grüns, sicher im Griff zu haben. Nach neun Löchern hatte der Profi mit dem Spitznamen „Rahmbo“ seinen Vorsprung vor seinem ärgsten Verfolger, den 43 Jahre alten Texaner Ryan Palmer, von vier auf acht Schläge verdoppelt. Doch Bogeys an den Löchern 10 und 14 und ein Doppelbogey an Loch 11 ließen seinen Vorsprung nach 15 Löchern auf drei Schläge schmelzen – die ideale Gelegenheit, um das Turnier auf typisch spanische Weise zu gewinnen.

          Nur Woods und Spieth schneller

          Wie sein Kindheitsidol, der 2011 im Alter von 54 Jahren an einem Gehirntumor verstorbene Ballesteros, wie die spanischen Masters-Champions José-Maria Olazabal und Sergio Garcia, brillierte auch das Kraftpaket Rahm mit Kunstfertigkeit und Kreativität rund ums Grün. Drei Mal verfehlte er auf den letzten Spielbahnen das Grün. Der Ball landete jeweils im tiefen Rough, und drei Mal zog er sich spektakulär aus der Affäre. Am 16. Grün beförderte er den Ball aus zehn Metern zu einem Birdie ins Loch, am 17. und 18. Grün rettete er das Par. Das Birdie am 16. Loch wurde von den Regeloffiziellen nach der Runde zu einem Bogey umgewandelt, weil sie Rahm zwei Strafschläge aufbrummten. Beim Ansprechen hatte sich der Ball um wenige Millimeter bewegt, und Rahm, der diese Oszillation, wie er es nannte, nicht bemerkte, hatte es versäumt, den Ball in die ursprüngliche Lage zurückzulegen. So gewann Rahm nach einer Schlussrunde von 75 Schlägen statt mit fünf nur mit drei Schlägen Vorsprung vor Palmer, der 74 Schläge benötigte. Der Engländer Matthew Fitzpatrick, dem mit 68 Schlägen die beste Tagesrunde gelang, belegte mit vier Schlägen Rückstand den vierten Platz. McIlroy, der in der Hackordnung auf Platz zwei fiel, landete abgeschlagen auf Rang 32.

          Die neue Nummer eins der Welt: Jon Rahm schlägt beim Memorial-Turnier in Ohio ab.

          Mit dem grandiosen Finale gelang Rahm nicht nur eine Hommage an sein großes Vorbild Ballesteros. Er ist erst der zweite Spanier, der es in diesem Sport bis ganz an die Spitze schaffte. „Dass ich jetzt Teil der Golfgeschichte mit Seve bin, ist einfach unglaublich. Es ist ein einzigartiges Gefühl. Ich werde es ganz lange genießen“, sagte der überglückliche Sieger, der für seinen zehnten Profisieg, den vierten Sieg auf der PGA Tour, 1,674 Millionen Dollar kassierte. „Mit 13 oder 14 Jahren habe ich mir vorgenommen, einmal der beste Golfer der Welt zu werden. Es ist einfach surreal, dass es so schnell passiert ist. Wie viele Leute schaffen es, sich als Mittzwanziger einen Lebenstraum zu erfüllen?“, fragte Rahm. Nur Tiger Woods und Jordan Spieth gelang es schneller als Rahm, der exakt vier Jahre und 27 Tage als Profi benötigte, um es ganz nach oben zu schaffen. Rahm ist erst der dritte Golfer nach McIlroy und Spieth, der sowohl die Amateur- wie die Profi-Weltrangliste anführte.

          Dass Rahm das Zeug zur Nummer eins hat, wusste niemand besser als Phil Mickelson. Der mittlerweile fünfzig Jahre alte Linkshänder, der am Sonntag den 54. Platz belegte, war durch seinen Bruder Tim, der mittlerweile Phil als Caddie dient, bestens informiert. Tim Mickelson betreute Rahm während seiner College-Zeit an der Arizona State University als Coach und Anfangs seiner Profikarriere auch als Manager. „Jon ist ein bemerkenswertes Talent. Und man sieht es“, schwärmte Phil Mickelson, als der Spanier 2016 ins Profilager wechselte. „Er schlägt den Ball sehr weit und gerade, er ist sehr gut mit den Eisen und den Wedges sowie ein großartiger Putter. Außerdem verfügt er über vorzügliches Course Management, er denkt auf dem Platz.“

          Doch Rahm stand oft sein überschäumendes Temperament im Weg. Er warf im Zorn seine Schläger weg, einmal schleuderte er sogar eine Harke in einem Bunker über seine Schulter, fluchte heftig und lautstark. Auch am Sonntag traktierte er mit seinem Driver nach dem verzogenen Abschlag am 11. Loch, der im Wasser landete, den Boden. Aber anders als in der Vergangenheit beruhigte er sich wieder. „Ich bin jetzt viel reifer. Vor vier Jahren hätte ich das Turnier nicht gewonnen“, sagte Rahm.

          Durch seine vielen Reisen, er siegte sechs Mal auf der European Tour, vor allem aber nach seiner Heirat mit seiner langjährigen amerikanischen College-Freundin Kelley Cahill Ende 2019, habe er sich viel besser im Griff. Was ihm jetzt noch fehlt, um seine Spitzenposition zu untermauern, ist ein Sieg bei einem der vier Majors. Ein dritter Platz bei den US Open 2019 steht für ihn bisher als bestes Resultat bei den vier Traditionsturnieren in den Annalen. Schon vom 6. bis zum 9. August bietet sich dem neuen Primus bei der PGA Championship in San Francisco die Chance, diese Bilanz zu verbessern. Dann wird auch Tiger Woods wieder mit von der Partie sein, der nach einer schwachen Schlussrunde von 76 Schlägen nur den 40. Platz belegte und andeutete, dass er bis zu diesem Großereignis wohl wieder eine Pause einlegen wird.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Er gibt weiter die Richtung vor: Markus Söder am Donnerstag mit Melanie Huml.

          Test-Panne in Bayern : Söders Grenzen

          Der CSU-Ministerpräsident schüttelt sich kurz. Dann ist Bayern wieder spitze. War etwas? Zum ersten Mal in seiner Amtszeit könnte Markus Söder Bayern als Heimat tatsächlich groß genug sein.
          „Das Eis ist gebrochen“: Trump erhält im Weißen Haus Applaus von Mitarbeitern zu dem Abkommen.

          Israel und Arabische Emirate : Es geht um eine Allianz gegen Iran

          Ein doppelter Gewinn für Netanjahu: Israel nimmt diplomatische Beziehungen zu den Vereinigten Arabischen Emiraten auf und setzt dafür eine Annexion aus, die ohnehin heikel war. Doch auch andere profitieren.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.