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Golf : Golfer im Drogen-Rough?

  • -Aktualisiert am

Auf dem Golf-Platz wird so gut wie nie geschummelt Bild: AP

Im Profigolf geht es ehrlich zu - zumindest auf dem Platz. Aber was ist mit Hilfsmitteln aus der Giftküche des Sports? Dopingtests in Frankreich offenbarten bei 21 Golfern verbotene Substanzen: darunter Kokain, Cannabis, Ecstasy.

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          Golf rühmt sich seines Ehrenkodex. Wer betrügt, den trifft ein Bannstrahl. Selbst wer den Ball im Rough mehr als eine Umdrehung bewegt, von dem wird erwartet, daß er sich einen Strafschlag notiert - selbst wenn es niemand außer dem Spieler selbst gesehen hat.

          Als der legendäre Amateur Bobby Jones einmal für so viel Ehrlichkeit gelobt wurde, antwortete er entsetzt: „Genausogut könnten sie mich dafür loben, daß ich keine Bank überfallen habe.“ Bei Amateurturnieren wird zwar oft kräftig gemogelt, aber bei großen Profiturnieren mit allgegenwärtigen Kameras achten die Akteure strikt darauf, daß ihnen nicht der geringste Regelverstoß unterläuft. Es gibt genügend Beispiele aus der jüngeren Geschichte, in denen sich Profis selbst anzeigten und disqualifizierten - obwohl kein Platzrichter oder Mitspieler den Zwischenfall mitbekommen hatte.

          Kokain, Cannabis, Ecstasy und Salbutamol

          Im Profigolf geht es also ehrlich zu - zumindest auf dem Platz. Aber was ist mit Hilfsmitteln aus der Giftküche des Sports? „Es gibt keinen Grund für Dopingtests, bevor wir nicht sichere Hinweise haben, daß wir ein Problem haben“, sagt Tim Finchem, der mächtige Commissioner der PGA Tour. Peter Dawson hingegen, der Secretary (Chef) des Royal and Ancient Golf Clubs, der nicht nur weltweit mit Ausnahme der Vereinigten Staaten und Mexikos über die Regeln wacht und außerdem mit den British Open das wichtigste Turnier der Welt veranstaltet, kündigte einen Probelauf an: Bei der Mannschafts-WM der Amateure in Südafrika in diesem Jahr wird es erstmals Dopingtests geben. Der Südafrikaner Ernie Els, einer der Stars der Branche, wehrt sich sogar entrüstet gegen Dopingtests: „Bei uns ist alles Natur!“

          Wirklich? Während der 135. British Open im Royal Liverpool Golf Club in Hoylake ist die angeblich so saubere Welt des Golfs mit Flecken beschmutzt worden. Christophe Muniesa, der Geschäftsführer des französischen Golfverbands, verkündete, daß bei den in Frankreich seit fünf Jahren gesetzlich vorgeschriebenen Dopingtests auch 157 Golfer, darunter Teilnehmer der French Open, einem Turnier der europäischen Tour, getestet wurden. Bei 21 wurden verbotene Substanzen festgestellt: Kokain, Cannabis, Ecstasy und Salbutamol, ein Asthmamittel, das in höherer Konzentration die Ausdauerleistung verbessert. „Wir sind über diese Ergebnisse schockiert“, sagte Muniesa. „Die Tests haben zwar gezeigt, daß diese Drogen nicht zum Zwecke des Betruges genommen wurden. Aber es liegt im Interesse unseres Sports, Drogen zu verbannen.“

          Die Versuchung ist groß

          Wohl wahr, aber es stößt bei den Verantwortlichen noch immer auf taube Ohren. Wo soviel Geld im Spiel ist - bei den British Open werden 5,850 Millionen Euro Preisgeld verteilt, der Sieger kassiert 1,053 Millionen Euro -, ist nicht nur genug Geld für Dopingtests vorhanden, sondern auch die Versuchung groß, sich medikamentös zu stärken. Mehr Muskeln helfen schließlich auch im Golf, was allein schon die Tatsache belegt, daß Männer den Ball weiter schlagen als Frauen. Vielleicht nimmt ja wirklich niemand verbotene Mittel. Aber auch im Golf gilt: „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.“

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