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NHL-Team in Las Vegas : Die neuen Ritter in der Wüste

  • -Aktualisiert am

Der erste Star für das neue NHL-Team: Torhüter Marc-Andre Fleury kommt vom Stanley-Cup-Sieger. Bild: AFP

Viva Las Vegas: Die Stadt der Casinos bekommt eine neue Attraktion – mit einem Eishockey-Team. Die Vorzeichen stehen gut, dass das Experiment gelingt. Und die Metropole hat sogar noch größere Pläne.

          3 Min.

          In der nordamerikanischen Eishockey-Liga NHL gibt es viele etablierte Teams und Adressen. Da ist natürlich Rekordmeister Montreal Canadiens mit seinen 24 Stanley-Cup-Siegen. Oder die Pittsburgh Penguins um Sidney Crosby, die gerade als erstes Team seit 1998 ihren Meistertitel verteidigen konnten. Und jeder Eishockeyfan weiß, die New York Rangers sind im Madison Square Garden zu Hause. In Las Vegas hoffen sie, dass die Golden Knights auch irgendwann mal ein festen Platz im Geschichtsbuch der Liga haben werden.

          Derzeit machen die Goldenen Ritter ihre ersten Schritte. Sie sind das 31. NHL-Team. Sie spielen in einer Stadt, in der die Jahresdurchschnittstemperatur 20,7 Grad Celsius beträgt, es selbst im Winter nicht friert – und wo es noch nie einen Klub aus einer der vier nordamerikanischen Profiligen gegeben hat.

          Doch ihre Halle liegt zumindest in unmittelbarer Nähe des Las Vegas Strips mit seinen berühmten Casinos, Hotels und Nachtklubs. Die NHL hatte die Wahl zwischen dem Glücksspiel-Mekka in der Wüste von Nevada oder Quebec City, einem arrivierten Eishockey-Standort und bis 1995 Heimat der Nordiques.

          Las Vegas mausert sich zur Sportmetropole

          Es mag zunächst verwundern, dass sich die Liga gegen die kanadische Stadt entschied. Doch sie könnte Vorreiter sein – und Las Vegas schon bald weitere Profi-Teams bekommen. Die Footballer der Oakland Raiders sollen von 2020 an dort spielen. Die Basketball-Liga NBA ist seit Jahren mit ihrer Summer League zu Gast und trug 2007 ihr All Star Game in Las Vegas aus. Und Bürgermeisterin Carolyn Goodman ist schon mit den Worten zitiert worden: „In zehn Jahren werden wir drei Major-League-Teams haben.“

          Vorerst hat Las Vegas aber die Golden Knights. Und die goldenen Ritter wiederum haben seit wenigen Tagen einen Kader. Manager George McPhee und Trainer Gerard Gallant durften unter 673 Profis der 30 anderen Klubs 30 Akteure auswählen, die von ihren Vereinen nicht auf eine spezielle Liste geschützter Spieler gesetzt worden waren. Der renommierteste Ritter steht im Tor: Marc-Andre Fleury. Er kommt von Meister Pittsburgh, hat mit den Penguins dreimal den Stanley Cup gewonnen. „Er wird mit seiner Erfahrung ganz wichtig sein. Die hätten keinen besseren Menschen bekommen können“, sagt Penguins-Kapitän Crosby.

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          Fleury steht nach 14 Jahren in Pittsburgh vor einem Neuanfang. Neben ihm sind Stürmer James Neal vom Meisterschaftszweiten Nashville Predators und Verteidiger Marc Methot (Ottawa Senators) die Säulen. „Wir werden versuchen, Punkte zu holen, Spiele zu gewinnen – mal gucken, wie weit wir damit kommen“, sagt Fleury.

          NHL hat immer atypische Märkte erobert

          Nashvilles David Poile, gerade zum „Manager der Saison“ gewählt, sieht Vegas gut gerüstet. „Ich denke, dies ist mit Abstand das beste Expansion Team“, sagte er. Die NHL hat sich noch nie gescheut, in atypische Eishockeymärkte zu expandieren beziehungsweise Teams dorthin umzusiedeln. Das begann vor 50 Jahren mit den Los Angeles Kings. Es folgten Vereine in Florida (Tampa Bay Lightning, Florida Panthers), Kalifornien (Anaheim Ducks), Texas (Dallas Stars), Arizona (Phoenix Coyotes), North Carolina (Carolina Hurricanes) und Tennessee (Nashville).

          Alle haben gezeigt: Bei Erfolg auf dem Eis herrscht selbst unter Palmen oder am Strand Eishockey-Begeisterung. Doch es gibt auch das warnende Wüsten-Beispiel Arizona. Die Coyotes waren 1996 aus Winnipeg gekommen und hatten ständig Probleme. Geringes Zuschauerinteresse, Finanzen, Arena – irgendwas war immer. Selbst Wayne Gretzky, zwischenzeitlich Teilbesitzer und Trainer in Personalunion, konnte keine Eishockey-Stimmung entfachen. Die Golden Knights haben im Vergleich dazu eine stabile Finanzlage, in Businessman Bill Foley einen engagierten Eigner und eine Halle, die für Eishockey gebaut wurde. Zwar fehlt es, wie in Arizona, an einer etablierten Fangemeinde. Trotzdem sind alle 16.000 Dauerkarten abgesetzt worden.

          Eine reine Eishockeyhalle hat die Stadt schon einmal: In der T-Mobile Arena verfolgen die Zuschauer gespannt dem Draft vor der kommenden Saison.

          Schließlich ist Eishockey in Las Vegas nicht ganz neu. Am 27. September 1991 kam die NHL erstmals vorbei. Die New York Rangers traten gegen Gretzky und die Los Angeles Kings an. Ein Vorbereitungsspiel unter freiem Himmel, bei 35 Grad Celsius auf dem Parkplatz des Caesars Palace. 1981 und 1982 waren hier Formel-1-Rennen ausgetragen worden, warum also nicht auch ein Eishockey-Spiel? Für 135.000 US-Dollar entstand eine Eisfläche. Die 13.000 Zuschauer verfolgten in T-Shirts und Shorts den 5:2-Sieg der Kings.

          Für Auswärtsfans eine attraktive Reise

          Seit 1997 haben dort NHL-Teams 19 Testpartien in der Saisonvorbereitung gespielt. Und vergangene Woche vergab die Liga zum neunten Mal nacheinander in Las Vegas ihre Saison-Awards. Auf der Gala in der Golden Knights Arena wurde unter anderem Fleury dem Publikum vorgestellt. Er habe den Eindruck, sagte dabei der Torwart, dass Vegas bereit für Eishockey sei. Das erste Heimspiel findet am 10. Oktober gegen Arizona statt. Vielen Anhängern dürfte der Auswärtsauftritt ihrer Lieblinge bei den Golden Knights eine kurze Reise in die Stadt mit den vielen Vergnügungsmöglichkeiten wert sein.

          Und auch viele Eigner sowie Offizielle aus den Sportorganisationen – nicht nur aus der NHL – werden gespannt verfolgen, wie die Ritter in der Wüste von Nevada zurechtkommen.

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