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Ruder-WM : Zeidler rettet die Bilanz

  • -Aktualisiert am

Mit Köpfchen zum Sieg? Weltmeister Oliver Zeidler Bild: EPA

Oliver Zeidlers WM-Gold im Einer ist eine Machtdemonstration – und kann doch nicht über das historisch schwache Abschneiden der deutschen Boote hinwegtäuschen.

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          „Köpfchen braucht es“, schien der ebenso erschöpfte wie glückliche Titelverteidiger Oliver Zeidler nach dem Rennen anzudeuten, indem er mit dem Finger mehrfach gegen die Schläfe tippte. Außerordentlich verkopft war sie allerdings nicht, die Strategie des 26-Jährigen beim Einer-Finale der Ruder-WM im tschechischen Račice am Sonntagnachmittag. Vom Start weg dominierte der Münchner das Feld, lag zwischenzeitlich dreieinhalb Sekunden in Führung und behauptete diese bis ins Ziel.

          Den im letzten Viertel des Rennens angreifenden Melvin Twellaar ließ er nicht mehr herankommen, eineinhalb Sekunden Vorsprung waren es am Ende, die Zeidler vom zweitplatzierten Niederländer trennten. Eine Machtdemonstration. Bei Zeidlers WM-Sieg 2019 hatte der Vorsprung auf Silber drei Hundertstelsekunden betragen. Dritter wurde der Brite Graeme Thomas.

          Twellaar, dem diesjährigen Europameister, hatte der Deutsche vor dem Rennen noch die Favoritenrolle zugeschoben: „Melvin ist hier bisher ungeschlagen.“ Die Goldmedaille in Tschechien erklärte der gelernte Steuerfachangestellte Zeidler auch mit dem enttäuschenden vierten Platz bei der Heim-EM im August. „Ich wollte natürlich besser abschneiden als in München, habe in den letzten Wochen sehr hart gearbeitet. Mein Vater hat eine große Rolle gespielt, er hat mir immer gesagt, dass ich es schaffen kann. Das gab mir die Zuversicht.“

          Zeidlers Triumph kann jedoch nicht über eine historisch schwache WM aus Sicht des Deutschen Ruderverbandes (DRV) hinwegtäuschen. Zum ersten Mal seit 23 Jahren verpasste der stark verjüngte Achter, normalerweise Aushängeschild der DRV-Flotte, das Finale.

          Die Briten (oben) gewinnen mit dem Achter, die Deutschen waren nicht mal im Finale
          Die Briten (oben) gewinnen mit dem Achter, die Deutschen waren nicht mal im Finale : Bild: EPA

          Nach dem Ausscheiden im Hoffnungslauf setzte sich der Achter zumindest im B-Finale vor China sowie Italien durch und beendete die Titelkämpfe damit auf dem siebten Rang. Den WM-Titel gewann die Crew aus Großbritannien in 5:24,41 Minuten mit 1,11 Sekunden Vorsprung auf die Niederlande. Rang drei ging an Australien. Die deutsche Crew benötigt für ihren B-Lauf-Sieg 5:33,33 Minuten. Schon bei der EM in München vor sechs Wochen war das einstige deutsche Flaggschiff, das sich nach den Olympischen Spielen in Tokio im Vorjahr im Neuaufbau befindet, an den Medaillen vorbeigefahren.

          In zwölf von 14 Finals der olympischen Klassen war das deutsche Team nicht vertreten – viel zu wenig für die Ansprüche des größten Ruderverbandes der Welt.

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