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Zum Umgang mit einer Legende : Mensch, Boris!

Boris Becker wird an diesem Mittwoch beim DTB vorgestellt. Bild: EPA

Was in Deutschland derzeit auf dem Boulevard mit Boris Becker passiert, gleicht beinahe einer Inquisition. Die Wahrnehmung im Ausland ist offenbar eine andere. Ohne Häme. Ohne Schadenfreude. Auch so geht es.

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          Jaja, die Sportler und das Geld. Das ist manchmal eine sonderbare Beziehung. Eine, die etwa den ehemaligen Fußballer Thomas Häßler zu RTL ins Dschungelcamp brachte und dazu, Kotzfrucht, Bittermelonensaft mit pürierten Schafshoden, Schweineleber mit Schweineblut sowie Schweinesperma zu probieren. Als Entschädigung bekam der einstige Fußball-Weltmeister immerhin ein paar tausend Euro überwiesen. Vor ihm waren schon andere dabei – der Leichtathlet Carlo Thränhardt, der Schwimmer Thomas Rupprath, die Fußballer Eike Immel, Ailton und Thorsten Legat. Und nun? Ist Boris Becker wirklich schon reif für den Dschungel?

          Michael Wittershagen

          Zuständig für den Sport in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Die letzten Meldungen klangen jedenfalls nicht gut. Ende Juni erklärte ihn eine Richterin in London für bankrott, weil er einen fälligen Kredit nicht rechtzeitig begleichen konnte. Via Twitter dementierte Becker das. In einem Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“ legte Becker nach und erklärte: „Ich bin weder zahlungsunfähig noch pleite. Ich komme allen Verpflichtungen gegenüber meinen Mitarbeitern und sonstigen monatlichen Ausgaben nach. Alles läuft normal weiter.“ Aber dann meldete sich sein früherer Geschäftspartner Hans-Dieter Cleven und forderte ausstehende Kredite von angeblich mehr als 40 Millionen Schweizer Franken zurück. Dieses Mal schwieg Becker, über seinen juristischen Vertreter ließ er lediglich mitteilen, dass es sich um „eine nicht berechtigte Forderung“ handele.

          Eine Zeitlang war es ein Leichtes, sich über Boris Becker lustig zu machen. Er heiratete und gründete eine Familie, zeugte aber auch mit einem Model in einem Treppenhaus ein Kind, ließ sich scheiden, ging später in peinliche TV-Shows, machte bei albernen Spielen mit und setzte sich dabei zu allem Überfluss auch noch eine Fliegenklatsche auf den Kopf. Er veröffentlichte zwei Autobiographien, bereute allerdings die letzte („Das Leben ist kein Spiel“), weil er darin unter anderem Details zu seiner Trennung von seiner ersten Frau Barbara Becker ausgebreitet hatte. Boris Becker füllte die Klatschspalten, so sehr, wie es in dieser Zeit nicht einmal Lothar Matthäus gelang. Kaum einen anderen Sportler traf so viel Häme, und auch deshalb sagte Becker immer wieder, dass er sich missverstanden fühle.

          Zuletzt traf ihn auch noch der Zorn von Franz Josef Wagner, der seit Jahrzehnten öffentliche Briefe im Auftrag der „Bild“-Zeitung schreiben darf. Darin hieß es: „Lieber Boris Becker, was mich wirklich nervt, ist, dass Du Deine Falschparktickets nicht bezahlst. Wer glaubst Du, wer Du bist? Ein höherer Mensch, der nichts mit dem kleinen Mann auf der Straße zu tun hat.“ Und weiter: „Boris ist, so leid es mir tut, kaputt. Falsch parken, falsch heiraten, Steuer hinterziehen, vom Kredithai Millionen leihen.“

          Ein Brief von Wagner ist die Höchststrafe für den deutschen Promi. Und das hat Becker wirklich nicht verdient. Er mag im Leben nicht immer die richtigen Entscheidungen getroffen haben. Doch wer kann das schon von sich behaupten? Das aber, was hierzulande derzeit auf dem Boulevard mit ihm passiert, gleicht beinahe einer Inquisition. Die Wahrnehmung Beckers im Ausland ist offenbar eine andere. Als Wimbledon-Experte der BBC glänzt er derzeit mit seinen Analysen, als Trainer von Novak Djokovic, den er zu sechs Grand-Slam-Siegen und an die Spitze der Rangliste führte, hat er sich in der Szene wieder einen guten Namen gemacht. Die Texte in den britischen Boulevard-Medien sind mit sachlichem Respekt formuliert. Ohne Häme. Ohne Schadenfreude. Auch so geht es.

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