https://www.faz.net/-gtl-abg8h

Radsport-Rückkehr beim Giro : Neuer Ärger um Groenewegen nach Horrorunfall

  • Aktualisiert am

Beim Unfall am 5. August 2020, den Dylan Groenewegen verursachte, zog sich Fabio Jakobsen schwere Verletzungen zu. Bild: AFP

Nach dem fast tödlichen Rennunfall mit Fabio Jakobsen gibt Dylan Groenewegen beim Giro sein Comeback. Ausgestanden ist die böse Geschichte für den umstrittenen Niederländer noch lange nicht.

          2 Min.

          Nein, mit einem allzu herzlichen Willkommen rechnet der zeitweise meistgehasste Mann des Radsports nicht. „Es kann aber auch nicht viel schlimmer werden als in den vergangenen Monaten“, sagt Dylan Groenewegen vor dem Start des Giro d'Italia am Samstag in Turin: „Ich habe viel mit einem Psychologen gesprochen und bin auf negative Reaktionen vorbereitet.“ Das härteste Dreivierteljahr seines Lebens hat den einstmals passionierten Lautsprecher nachdenklich gemacht.

          274 Tage lang hat der Niederländer kein Rennen fahren dürfen. 274 Tage Zeit, diesen 5. August 2020 in Kattowitz immer wieder zu überdenken, als sein unbedingter Siegeswille Landsmann Fabio Jakobsen beinahe das Leben kostete. „Dass Fabio mittlerweile selbst wieder auf dem Rad sitzt, hilft mir sehr“, sagt Groenewegen vor dem Comeback nach neun Monaten Sperre.

          Dass Jakobsen überhaupt überlebt hat, ist nicht selbstverständlich, so brutal war der Crash: Beim Auftakt der Polen-Rundfahrt hatte Jumbo-Visma-Profi Groenewegen seinen Kontrahenten bei Tempo 80 im Massenspurt ins Gitter gedrängt, Jakobsen flog gegen die Zielaufbauten, verschwand in einem Wust aus Trümmern.

          Schwerst kopfverletzt kämpfte er tagelang gegen den Tod, der ohnehin als kompromissloser Sprinter berüchtigte Groenewegen fand sich im Fegefeuer aus Wut und Schuldzuweisungen wieder. „Das war ein Mordanschlag, er gehört in den Knast“, tobte Jakobsens Quick-Step-Teamchef Patrick Lefevere.

          Schwere Rückkehr ins Peloton: Dylan Groenewegen (Bild von 2019)
          Schwere Rückkehr ins Peloton: Dylan Groenewegen (Bild von 2019) : Bild: AFP

          Zwar richtete sich die Kritik der Fahrerkollegen weniger gegen Groenewegen, den der Weltverband UCI sofort aus dem Verkehr zog, als gegen die polnischen Organisatoren. Doch der Fan-Mob war nicht mehr einzufangen, Groenewegen erlebte die Hölle. Unter Tränen bat er um Verzeihung, erhielt Morddrohungen, bekam Polizeischutz gestellt. „Der Vorfall mit Fabio, die schwierige Schwangerschaft meiner Freundin, der Tod meines Großvaters, die Bedrohungen – damals kam alles zusammen“, sagt Groenewegen.

          Neun Monate nach Kattowitz wähnte sich Groenewegen aus dem Schlimmsten heraus. Jakobsen gab im April bei der Türkei-Rundfahrt sein Comeback, sagte: „Ich bin wieder der Alte, nur mit weniger Zähnen.“ Und Groenewegen berichtete nun stolz von einer gütlichen Aussprache: „Wir haben uns in Amsterdam gegenübergesessen, konnten beide unsere Herzen ein wenig erleichtern. Es war ein schönes Gespräch.“

          Alles gut? Wirklich? Keineswegs, denn Jakobsen zeigte sich über das Treffen und Groenewegens Äußerungen dazu einigermaßen entsetzt. „Dylan hat keine persönliche Entschuldigung angeboten und keinen Willen gezeigt, Verantwortung für seine Aktionen zu übernehmen. Ich würde gerne Verständigung mit Dylan erreichen, aber dazu braucht es zwei“, schrieb der 24-Jährige am Donnerstagabend bei Twitter.

          Und überhaupt sei Vertraulichkeit vereinbart gewesen. „Ich bin enttäuscht, dass Dylan öffentlich darüber redet“, sagte Jakobsen: „Um die weitere Vorgehensweise werden sich nun meine Anwälte kümmern.“ Die Affäre ist also keinesfalls ausgestanden für Groenewegen, beim Giro droht ein Spießrutenlauf. „Wenn ich in seiner Haut stecken würde, wäre es für mich mental schwierig, ins Peloton zurückzukommen“, sagt Groenewegens australischer Rivale Caleb Ewan: „Wenn du ein feinfühliger Typ bist, wird es nach so etwas nie mehr Business as usual geben.“

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Wegen seines Umgangs mit dem Missbrauchsskandal in der Kritik: Rainer Maria Kardinal Woelki

          Erzbistum Köln : Gibt es noch eine Zukunft mit Woelki?

          In Köln ist das Vertrauensverhältnis zwischen Erzbistum und Erzbischof zerrüttet. Ein externer Moderator muss einspringen. Nicht wenige hoffen, dass ein Spruch aus Rom die Angelegenheit schon vorher erledigt.
          Im Wahlkampf: Der Kanzlerkandidat der Union und CDU-Vorsitzende Armin Laschet

          Wahlprogramm der Union : Adenauer reicht nicht mehr

          Vielleicht wäre es Armin Laschet am liebsten gewesen, einfach Wahlkampfplakate mit den Worten „Keine Experimente!“ zu bedrucken – und abzuwarten, wie sich die Konkurrenz um Kopf und Kragen redet. Tatsächlich muss er mehr tun.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.