https://www.faz.net/-gtl-9i0qg

Max Hopp : Verbale Giftpfeile nach der Abreibung

Max Hopp bleibt nur der Glückwunsch: Michael van Gerwen (links) war eine Klasse zu gut. Bild: dpa

Michael van Gerwen erteilt Max Hopp zuerst eine Lehrstunde am Dartboard. Dann folgt die verbale Abrechnung wegen angeblich vergeudeten Talents. Eine weitere PDC-WM geht ohne deutsche Teilnehmer in die entscheidende Phase.

          2 Min.

          Zuerst traf Michael van Gerwen an der Dartscheibe und mit jedem Volltreffer auch mitten ins Spielerherz von Max Hopp. Der in den vergangenen Jahren bei den Turnieren des Profi-Dartsverbands PDC so dominierende Niederländer verpasste dem besten deutschen Spieler in der dritten Runde der Darts-WM in London eine Abreibung der besonderen Art. Ehe Hopp seine ersten wirklich guten Pfeile warf, stand es 3:0 nach Sätzen. Den ersten Satz sicherte sich van Gerwen nach kaum fünf Minuten Spielzeit nach mustergültigen Legs mit der geringen Zahl von 13 oder 14 Würfen. Letztlich gewann van Gerwen 4:1 und ärgerte sich sogar. „Ich hätte gerne 4:0 gewonnen“, sagte er bei Sport1. „Aber ich glaube, ich bin eingeschlafen.“

          Daniel Meuren
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          So leitete der zweimalige Weltmeister und legitime Nachfolger der im vergangenen Jahr abgetretenen Darts-Legende Phil Taylor eine kleine Abrechnung mit Hopp ein. „Max ist schon seit sechs Jahren hier dabei. Er sollte weiter sein, als er ist“, sagte der 29 Jahre alte van Gerwen über den sieben Jahre jüngeren ehemaligen Junioren-Weltmeister. „Mighty Mike“ hatte dann noch ein paar Tipps für den „Maximiser“ parat. „Er hat Talent, aber er sollte sich auf das Wesentliche konzentrieren.“ Er habe aber den Dartssponsor und somit die Pfeile gewechselt und somit sich selbst verunsichert, sagte van Gerwen, der seit über einem Jahrzehnt dieselben drei Darts verwendet und damit der am wenigsten wechselhafte Weltklassespieler ist.

          Nicht alles für den Erfolg

          Zudem sei Hopps Umzug aus dem nahe des Frankfurter Flughafen gelegenen Idstein ins Vogtland nahe der tschechischen Grenze nicht gerade förderlich. Der Niederländer wollte damit andeuten, dass Hopp damit weniger Trainingspartner habe und längere Anfahrtswege zu den Turnieren, er mithin nicht alles dem Erfolg unterordne. Zum Schluss machte er sich auch noch lustig über die Vorbereitung. Hopp hatte eigens mit dem Niederländer Jeffrey de Zwaan trainiert, da dieser van Gerwen in diesem Jahr bereits zweimal geschlagen hatte. „Was ist denn das für eine Vorbereitung mit einem Spieler, der bereits ausgeschieden ist?“ Auch dieser Giftpfeil dürfte gesessen haben.

          Dominator mit Darts: Van Gerwen ist im Achtelfinale.
          Dominator mit Darts: Van Gerwen ist im Achtelfinale. : Bild: dpa

          Zwar hat Hopp im vergangenen Jahr eine Entwicklung nachgewiesen durch zwei Turniersiege. Er erzielte sie aber bei weniger bedeutsamen Wettbewerben in Deutschland und Irland* und nicht auf einer der ganz großen Bühnen des Darts. Hopp profitierte dabei in Saarbrücken vom Heimvorteil, zumal die deutschen Zuschauer beim Darts noch allzu oft ein Verhalten wie teilweise in einem Fußballstadion an den Tag legen, statt sich der im Darts üblichen Party-Atmosphäre ohne Anfeindungen des Gegners anzupassen. So werden Spieler gegen die Etikette des Sports ausgepfiffen und gelegentlich bewusst beim Wurf gestört.

          Endgültig aufgenommen in den Reigen der Spitzenspieler würde Hopp deshalb erst, wenn er wie van Gerwen im Mutterland überzeugen könnte. Im WM-Spielort Alexandra Palace hat er aber nun bei sechs WM-Teilnahmen erst drei Spiele gewonnen; noch immer ist es ihm nicht gelungen, als erster Deutscher ein Achtelfinale zu erreichen.

          Tatsächlich müssen sich Hopp und die anderen deutschen PDC-Spieler eingestehen, dass es zu langsam voran geht, während bei der weniger glamourösen BDO Michael Unterbuchner sich zu einem der Stars entwickelt hat. Seit fast einem Jahrzehnt werden den Deutschen die Teppiche ausgerollt, um den Durchbruch auf der PDC-Tour zu schaffen. In Deutschland finden mittlerweile mehr als ein Dutzend hochwertiger Turniere statt, bei denen die Spieler die Publikumsunterstützung genießen.

          Dahinter steht die Hoffnung des Vermarkters Barry Hearn, mit deutschen Assen noch mehr Umsatz und Gewinn zu erzielen. Hopp sagte nun trotz einer starken Phase am Ende des Spiels mit fünf gewonnenen Einzelspielen in Serie unumwunden, dass er eine „kleine Lehrstunde“ erhalten habe. „Zum Schluss kam meine Qualität zum Vorschein. Er war aber stellenweise eine Klasse besser“, sagte Hopp. Die deutsche Darts-Hoffnung will sich nun auch mit Laufen, Fitnessstudio und Sauna auf die neue Saison vorbereiten.

          Da muss Hopp vermutlich aufpassen, dass das unter den besten und fast traditionell noch immer ungesund lebenden Dartsspielern nicht für die nächste Spott-Attacke genutzt wird.

          *In einer ersten Version des Textes stand fälschlich, dass beide Turniersiege Hopps in Deutschland erspielt wurden. Ein Turnier gewann er in Dublin. (d.Red)

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Impfgegner demonstrieren im Mai diesen Jahres in Concord im Bundesstaat New Hampshire.

          Delta-Variante : Amerikas Konservative bekommen Angst

          In den Vereinigten Staaten haben viele konservative Politiker und Moderatoren eine Corona-Impfung für unnötig erklärt. Die rapide steigenden Infektionszahlen durch die Delta-Variante scheinen zu einem Umdenken zu führen.
          2,50 Meter hoch, etwa 2,30 Meter breit: So sieht sie aus, die Zelle des Sports

          Lost in Translation (3) : Zelle des Sports

          Einmal live zugeschaut bei den Könnern in Tokio, schon zuckt der Leib. Corona sitzt im Nacken. Doch auch in der Zelle ist Sport möglich. Selbst wenn bei Liegestützen die Ellbogen an der Wand scheuern.
          Medaillen bitte, wir sind Briten: Adam Peaty stürzt sich in die Fluten

          Schwimmen bei Olympia : Rule Britannia

          Adam Peaty macht die Schotten hoch: Tom Dean gewinnt als erster Brite seit Henry Taylor 1908 Freistil-Gold. Und Duncan Scott legt noch Silber dazu. Team GB surft auf einer Erfolgswelle.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.