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Initiative „Restart21“ : Wie die Zukunft des deutschen Footballs aussehen könnte

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„Klar wollen wir in die erste Liga: Aber da muss man realistisch bleiben: Das ist ein mittelfristiges Ziel“. Maximilian Schwarz Bild: Ilja Peer Tripp

Vom Boom der amerikanischen NFL in Deutschland bekommt die höchste deutsche Football-Liga GFL nicht viel ab. Eine Initiative will nun einen Restart anstoßen. Mittendrin: der gerade einmal 26 Jahre alte Maximilian Schwarz.

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          Es ist fünf Jahre her, dass Maximilian Schwarz einen American Footballklub gegründet hat – die Bad Homburg Sentinels. Erst 20 Jahre alt war Schwarz damals. Natürlich haben die „Wächter“, die im Sportzentrum Nordwest das Lederei fliegen lassen, klein angefangen. Aber dann zügig großen Erfolg gehabt. Im Schnelldurchlauf sind sie von der sechsten Liga in die German Football League 2 (GFL2) aufgestiegen. Ein Durchmarsch, den die Shootingstars von Frankfurt Universe, die von 2007 an flott in die GFL vorgestoßen waren, zwar auch geschafft, aber dafür länger gebraucht hatten. Schwarz war zusammen mit dem Amerikaner Tim Miscovich der Gründer der Sentinels. Inzwischen ist Miscovich aus beruflichen Gründen zurück in den Vereinigten Staaten. Und Schwarz ist Chef und Offense-Coordinator der Sentinels.

          Football hat in Bad Homburg schon fast so etwas wie Tradition.1980 gründete der in den Vereinigten Staaten geborene Alexander Sperber die Bad Homburger Falken. 1977 hatte er mit der Gründung der Frankfurter Löwen den Grundstein für die amerikanische Nationalsportart in Deutschland gelegt. Ein von dem einstigen Fußball-Torhüter und Fernsehjournalisten Holger Obermann geführtes Interview mit Sperber sorgte damals dafür, dass in Deutschland immer mehr Football-Klubs gegründet wurden. Nun kreuzen sich die Wege des inzwischen 68 Jahre alten Sperber und des 26 Jahre alten Schwarz.

          Neuausrichtung der GFL?

          Der in der Nähe von Aschaffenburg lebende Architekt, Bildhauer und Künstler Sperber ist einer der Mitbegründer der Initiative „Restart21“, die sich zum Ziel gesetzt hat, die Verbands- und Ligastrukturen des American Footballs in Deutschland auf eine andere Basis zu stellen. Schwarz hat in Frankfurt Sportmanagement und Sportjournalismus studiert und seine Bachelorarbeit über die Vermarktungsmöglichkeiten der GFL verfasst. Angesprochen wurde der Bad Homburger von Andreas Kegelmann, dem Sportdirektor des Nordrhein-Westfälischen Footballverbandes, einem der Mitbegründer von Restart21. Nun soll sich Schwarz um die Neuausrichtung der GFL kümmern.

          Bislang ein Erfolgsmodell: die Bad Homburg Sentinels
          Bislang ein Erfolgsmodell: die Bad Homburg Sentinels : Bild: Dmitrij Zibart

          „Er hat unserer Meinung nach genau die richtigen Ansatzpunkte, wie die German Football League aufgestellt werden muss, um an Attraktivität und Bedeutung in der Sportgesellschaft zu gewinnen“, sagt Sperber, der von 1979 bis 1981 der Präsident der ersten nationalen Dachorganisation dieser Sportart, des American Football-Bundes Deutschland (AFBD), war. Was schon damals ein schwieriges Unterfangen war. Der AFBD musste Insolvenz anmelden.

          Kein Profit aus NFL-Boom

          „In der GFL passierte einfach zu wenig“, sagt Schwarz. „Die Zuschauerzahlen sind seit Jahren rückläufig.“ Während das Interesse an der National Football League, auch befeuert durch das TV-Magazin „ran NFL“, deutlich gestiegen sei, könne dies der Football in Deutschland nicht zum Vorteil für sich nutzen. Die GFL nach dem Zuschnitt von Schwarz müsste vom Verband getrennt werden, um die Vermarktung der Liga zentral zu betreiben. Hierbei müssten auch die Vereine mitziehen. „Es gibt zu viele regionale Interessen. Die Liga muss bei der Vermarktung eine Richtung vorgeben“, fordert Schwarz, der einen Namenssponsor für die GFL finden will. Dabei orientiert sich Schwarz an den drei Bundesligen im Eishockey, Basketball und Handball.

          Dass es durchaus Widerstände bei seinem Bestreben, ein zentrales Marketing zu schaffen, geben könnte, damit rechnet der Bad Homburger. „Die Frage ist doch, wo man hin will“, sagt er. „Wenn man ewig auf diesem Niveau weitermachen will, dann ist das eben so.“ Schwarz sei auch schon von der aktuellen Führung der GFL und des deutschen Verbandes auf seine Thesen angesprochen worden, erzählt er. Auch Robert Huber, der derzeitige Verbandschef, sei auf ihn aufmerksam geworden. Angebote der Zusammenarbeit habe er aber abgelehnt, sagt Schwarz. Auch weil der Hanauer Rechtsanwalt Huber und dessen Art der Verbands- und Ligaführung von der Restart21-Initiative als einer der Hauptgründe für die Stagnation im deutschen Football angesehen werden.

          Schwarz wird also eine Menge Überzeugungsarbeit leisten müssen. Das Selbstbewusstsein dazu hat er, trotz seiner relativen Jugend. „Ich war 20, als wir die Sentinels gegründet haben und habe früh gelernt, mir den Respekt zu erarbeiten“, sagt er. Früh dran war Schwarz auch bei seinem ersten Kontakt mit dem amerikanischen Sport. „Meine Eltern sind begeisterte Footballfans“, erzählt er. „Als ich zweieinhalb Jahre alt war, waren sie der Ansicht, dass ich alt genug sei, um mit zu den Spielen von Frankfurt Galaxy zu kommen.“ Die frühkindlichen Erfahrungen in der damals mit Zuschauern und einer dröhnenden Show rund um die Spiele des NFL-Europe-Klubs Galaxy prall gefüllten Frankfurter Arena haben Schwarz geprägt. „Wir haben bis 2007 jedes Heimspiel von Galaxy gesehen. Seitdem ist Football meine Leidenschaft.“ Gespielt hat Schwarz auch. Und dies nicht schlecht. Seine Position war die des Wide Receivers. In seinem letzten Jugendjahr 2013 spielte er bei den Cologne Crocodiles und schaffte den Sprung in die Junioren-Nationalmannschaft.

          Ob er mit den Sentinels in eine Saison 2021 in der GFL2 starten kann, „steht aufgrund der Corona-Pandemie noch in den Sternen“, sagt Schwarz. Aber man sei in Bad Homburg auf alles bestens vorbereitet. Auch den großen Sprung nach ganz oben habe das Team im Blick. „Klar wollen wir in die erste Liga“, sagt Schwarz. „Aber da muss man realistisch bleiben: Das ist ein mittelfristiges Ziel.“

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