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Gewichtheber Max Lang : Krumme Beine, gerader Weg

  • -Aktualisiert am

Die Kraft ist da: Max Lang will bei seiner ersten WM Eindruck machen Bild: Fricke, Helmut

Erst eine Massage, dann ein Platz im Nationalteam, jetzt ein Start bei der WM – und dann? Der 21 Jahre alte Max Lang ist eine der größten Nachwuchs-Hoffnungen der Gewichtheber und will die ganz großen Lasten stemmen.

          3 Min.

          Jetzt eine Massage. Ach, das wäre schön. So denken manchmal auch schon Vierzehnjährige. Bei Max Lang war das so, als er mit dem Gewichtheben anfing. Das war vor gut sieben Jahren. Er fragte die Glücklichen, die sich nach dem Training im legendären Hauptquartier des AC Chemnitz verwöhnen lassen durften, wie man in solch einen Genuss wohl komme.

          Evi Simeoni
          Sportredakteurin.

          Du musst Kadersportler werden, sagten sie. Ab sofort quälte der junge Max sich mit dem Eisen ab, mit einer solchen Hingabe, dass er schon bald seinen ersten Bundesligakampf bestritt. „Nach einem halben Jahr war ich im C-Kader.“ Die erste Massage, berichtet er, war schön.

          „Heute kann ich es mir raussuchen, wann ich massiert werden will“, sagt er. Max Lang ist jetzt 21 und eine der größten Nachwuchs-Hoffnungen im Bundesverband Deutscher Gewichtheber. Am vergangenen Samstag ist er in Obrigheim bereits zum zweiten Mal deutscher Meister geworden, für die Weltmeisterschaften Anfang November in Almaty (Kasachstan) ist er gesetzt, vielleicht startet er zwei Wochen später auch noch bei den Europameisterschaften U 23 auf Zypern.

          Bei der WM kann er Erfahrungen sammeln, bei der EM wäre eine Medaille drin. Und er könnte sich jeweils für die Olympischen Spiele in Rio 2016 und Tokio 2020 empfehlen. Aber ganz leise. Er soll am Bundesleistungszentrum in Leimen, wo er seit Sommer 2013 trainiert, in aller Stille heranwachsen. „Wir heben nicht ab“, sagt Langs Trainer Michael Vater. „Da gibt’s überhaupt keinen Grund zu“, ergänzt Max Lang.

          Gewichtheber Max Lang : Zu kurz nur für die Königsklasse

          Ein zweiter Matthias Steiner kann er nicht werden. Für die Königsklasse, das Superschwergewicht, ist Lang zu kurz mit seinen 1,67 Meter. Aber ein prima Max Lang soll herauskommen bei der jahrelangen Plackerei. Gerade ist er von der Klasse bis 69 Kilo in die Klasse bis 77 Kilo aufgestiegen, und seine Mutter klagt schon darüber, wie sehr ihr Junge in die Breite geht. Dabei ist es vergleichsweise langsam vorangegangen mit dem Zuwachs in einem Sport, in dem andere Nationen schon einmal neunzehnjährige Weltrekordler auf die Bühne schicken.

          Gemessen an den WM-Anmeldungen, ist er in seiner Klasse die Nummer 13 der Welt. Seine persönlichen Rekorde liegen bei 151 Kilo im Reißen, 190 Kilo im Stoßen und 340 Kilo im Zweikampf. Am Samstag hat er nach zwei verpatzten Versuchen im Reißen insgesamt nur 325 Kilogramm geschafft, aber er ist fest entschlossen, sich demnächst wieder zu verbessern.

          „Da ist immer was los“

          Direkt nach der Siegerehrung ist er von Obrigheim nach Drebach im Erzgebirge geeilt, um den 50. Geburtstag seines Vaters mitzufeiern. Dort genießt er die Wärme einer großen Familie. „Da ist immer was los“, sagt er. Der Onkel, der einst Profi beim FC Aue in der zweiten Liga war, wollte ihn eigentlich zum Fußball bringen. Aber das hat nicht geklappt. Max Lang landete als Jugendlicher zwar beim Chemnitzer FC. Aber als er unter Wachstumsschmerzen litt, wurde er fallengelassen. Die Gewichtheber hatten mehr Sinn für seine Talente als die Fußballer. Sie empfingen ihn mit offenen Armen.

          2009, mit sechzehn Jahren, schaffte Lang ein generationenübergreifendes Triple: In der Klasse bis 62 Kilogramm wurde er deutscher Meister der Jugend, der Junioren und der Herren. Und 2012 und 2013 setzte er eine sächsische Tradition fort. Er gewann den ersten und zweiten „Pokal der Blauen Schwerter“ in Meißen nach 22 Jahren Pause, einen Länderkampf, bei dem Leistung und Körpergewicht jeweils ins Verhältnis gesetzt werden.

          Im Leistungszentrum in Leimen bereitet sich der 21-Jährige vor Bilderstrecke
          Im Leistungszentrum in Leimen bereitet sich der 21-Jährige vor :

          Zu gewinnen gibt es eine elegante weiße Deckelvase mit dem Markenzeichen des Meißner Porzellans. Eine steht jetzt bei seiner Oma, die andere schenkte er seinem Chemnitzer Heimtrainer Stefan Grützner, der vergangenes Jahr in Pension ging. Mit dem sächsischen Heber-Hattrick hat es aber nicht geklappt.

          Dieses Jahr begrub ihn beim Stoßen die Hantel fast schon Steiner-mäßig. Ein grober technischer Fehler. Und das, obwohl Lang fürs Stoßen geboren zu sein scheint. „Er hat es im Blut“, sagt Michael Vater. Wenn er die Hantel umgesetzt hat, sie also bereits auf seinen Schlüsselbeinen ruht, „dann bin ich so gut wie sicher, dass er sie auch stößt.“ Das heißt: Kraft hat Lang genug.

          „Ich habe krasse O-Beine“

          Bei Olympischen Spielen allerdings zählt nur die Zweikampfwertung, zu der auch das technisch noch schwierigere Reißen gehört, bei dem - in Kurzfassung - der Heber das Gewicht in einem Zug hochjagen muss und darunterspringt. „Als er nach Leimen kam“, sagt der Trainer, „war er im Reißen nicht konkurrenzfähig.“ In einem frühen Teil der Bewegung, der „Kniepassage“, verlor er 25 Prozent der Geschwindigkeit durch biomechanische Defizite. Sie begannen sofort mit einer ausgefeilten Technikumstellung, die allerdings ein latentes Problem zum Ausbruch brachte.

          Wenn Max Lang über den Parkplatz geht, dann scheint nämlich die Sonne durch seine Beine. „Ich habe krasse O-Beine“, sagt er selbst. Die Fehlstellung zusammen mit dem umgestellten Bewegungsablauf führte zu starken Schmerzen in den Knieaußenseiten, er brauchte ärztlichen Rat. Es war sogar eine Operation im Gespräch, bei der seine Beine gebrochen und anders zusammengefügt worden wären. Sie entschieden sich dann aber doch für den sanfteren Weg: Knorpelaufbau und spezielle Dehnübungen. Das Ergebnis: Die Bestleistung stieg um 24 Kilo. Es hat sich gelohnt.

          Der junge Mann hält was aus. „Er ist ein harter Bursche“, sagt der Trainer. „Ich versuche, jedes Training durchzuziehen“, sagt Lang, „ich mache zusätzliches Training und kann auf Schmerzen keine Rücksicht nehmen.“ Dafür sind seine Ziele zu klar formuliert. Die Massage vor sieben Jahren war nur der Anfang. Als Nächstes beschloss er, seine Altersgenossen zu schlagen. Geschafft. Dann wollte er in den Kreis der Nationalmannschaft aufsteigen.

          Auch das gelang. Inzwischen wurde er in die Sportfördergruppe Bruchsal aufgenommen, lebt in Leimen und nur noch für den Sport. Und was jetzt? Den direkten deutschen Konkurrenten in seiner Gewichtsklasse, den 31 Jahre alten Obrigheimer Jakob Neufeld, hatte er am Samstag im Griff. „Herankommen und gleich vorbeiziehen“ hieß das Motto. Max Lang mag krumme Beine haben. Aber er geht am liebsten den geraden Weg.

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