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Widerstand gegen Reformen : Chaos im Weltverband der Heber

Ohne Reformen geht es nicht: Der olympische Status des Gewichthebens ist bedroht. Bild: Picture-Alliance

Der Internationale Gewichtheber-Verband ächzt unter der Last aus Korruption und Doping-Missbrauch. Reaktionäre Kräfte behindern die notwendigen Reformen und gefährden den Fortbestand des Sports.

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          Reaktionäre Kräfte im Internationalen Gewichtheber-Verband IWF sind dabei, den olympischen Fortbestand ihres Sports aufs Spiel zu setzen. Bei einer virtuellen Exekutivsitzung hatten sie die reformwillige Interimspräsidentin, die Amerikanerin Ursula Papandrea, in dieser Woche abgesetzt. An ihre Stelle setzten sie den bisherigen Ersten Vizepräsidenten, den Thailänder Intarat Yodbangtoey, dessen Land wegen einer Vielzahl von Dopingfällen von den nächsten Olympischen Spielen ausgeschlossen wurde. Einberufen wurde die Sitzung vom Rumänen Nicu Vlad – sein Land darf wegen seiner Dopingfälle nur mit einem reduzierten Team in Tokio starten.

          Evi Simeoni

          Sportredakteurin.

          Yodbangtoey war laut einem Untersuchungsbericht des kanadischen Juristen Richard McLaren der Mann, der unter der Ägide des langjährigen Despoten des Verbandes, Tamas Ajan, nach Abstimmungen die korrupten Mitglieder bezahlte, was er aber bestreitet. Papandrea hatte die Untersuchung bei McLaren in Auftrag gegeben, um die Ajan-Zeit aufzuarbeiten und die Grundlage für eine Neuaufstellung zu schaffen, deren Verlierer viele der verbliebenen Funktionäre gewesen wären. Es gelang ihr immerhin, alle Aspekte des Anti-Doping-Verfahrens an unabhängige Institutionen zu delegieren.

          Integrität des Sportes gefährdet

          Das Internationale Olympische Komitee (IOC) würdigte als Reaktion auf Papandreas Absetzung ihr Bemühen, den Weltverband tiefgreifend zu reformieren, und stellte den olympischen Status des Gewichthebens bei den Spielen 2024 in Paris in Frage. Man habe die IWF informiert, dass „das IOC sich das Recht vorbehält, weitere Maßnahmen zu ergreifen, die von den weiteren Entwicklungen abhängen und eine Revision des Platzes der Gewichtheber im Programm der Olympischen Spiele 2024 in Paris einschließen können, darauf aber nicht limitiert sind“, heißt es in einem Statement. Diese Drohung hatte IOC-Präsident Thomas Bach bereits vergangene Woche nach einer Exekutivsitzung ausgesprochen, wobei er besonders den ausbleibenden Reformprozess und die mangelhafte Athletenbeteiligung ansprach – die Sportler haben in der IWF keine Stimme. Sarah Davies, die Vorsitzende der IWF-Athletenkommission, hatte Bach zuvor einen Brief geschrieben, in dem sie die Zustände im Weltverband anprangerte. Im Dezember wird sich die IOC-Exekutive mit dem Programm für Paris 2024 befassen.

          Sie sei abgesetzt worden, weil sie dem IOC die Wahrheit gesagt habe, sagte Papandrea dem Branchendienst Inside the Games. Sie beklagte, der Vorstand habe ihre Reformbemühungen erstickt und die Verpflichtung unabhängiger Spezialisten blockiert, die sie für nötig hielt, um die verkrusteten Systeme aufzubrechen. Inzwischen haben mehr als 30 der 187 Nationalverbände einen außerordentlichen Wahlkongress gefordert. Auch Deutschland ist darunter. Ein Fünftel der Mitglieder, also 38, könnten einen Kongress erzwingen.

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