https://www.faz.net/-gtl-a93qk

Gewichtheber-Verband gibt nach : Ein Trick weniger für Ajans Klone

Das Erbe des früheren Präsidenten Ajan ist eine Last für das Gewichtheben. Bild: Picture-Alliance

Der Weltverband der Gewichtheber macht unter dem Druck des IOC Zugeständnisse. Zwei für März geplante Kongresse werden verschoben. Doch das Erbe des gestürzten Präsidenten Tamas Ajan wiegt schwer.

          2 Min.

          Die Sesselkleber vom Internationalen Gewichtheber-Verband IWF haben dem Druck des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) nun doch in einer wichtigen Frage nachgegeben. Die Exekutive des Weltverbands beschloss am Samstag, ihre beiden für März geplanten Kongresse, die Neuwahlen und der Reform ihrer Verfassung dienen sollten, zu verschieben. Noch wichtiger: Sie hielten ihre Idee nicht aufrecht, zunächst Wahlen abzuhalten und erst kurz darauf die Verfassung zu ändern. Mit diesem Trick hatten die alten Weggefährten des gestürzten Präsidenten Tamas Ajan sich weiter an der Macht halten wollen. Doch nun soll die Reihenfolge umgedreht werden.

          Wissen war nie wertvoller

          Sichern Sie sich mit F+ 30 Tage lang kostenfreien Zugriff zu allen Artikeln auf FAZ.NET.

          JETZT F+ LESEN
          Evi Simeoni

          Sportredakteurin.

          Die Umkehrung eröffnet die Möglichkeit, solche Kandidaten von der Verbandsspitze fernzuhalten, deren Länder eine belastende Doping-Bilanz aufweisen. Im Augenblick vertreten acht von 17 Mitgliedern der Exekutive Nationen, die entweder wegen Dopings von den kommenden Olympischen Spielen in Tokio ausgeschlossen sind, denen der Ausschluss droht oder die nur mit einer reduzierten Mannschaft antreten dürfen.

          In einem offenen Brief an Christophe de Kepper, den Generalsekretär des IOC, gab die Exekutive ihren Beschluss bekannt. Außerdem räumen die Funktionäre künftig zwei Athletensprechern – der Engländerin Sarah Davies als Vorsitzende der Athletenkommission und ihrem Stellvertreter Forrester Osei aus Ghana – Sitz und Stimme im Exekutivkomitee ein. Davies hatte schon zuvor an Sitzungen teilnehmen dürfen und sich über die herablassende Behandlung durch die Mitglieder beklagt.

          Am Mittwoch hatte IOC-Präsident Thomas Bach der IWF bei einer Pressekonferenz mit dem Ausschluss von den Olympischen Spielen 2024 in Paris gedroht, sollte sie nicht schnell und überzeugend handeln. Dabei gehe es um Fragen der guten Amtsführung, des Doping-Reglements und die Bereitschaft, auf Ratschläge des IOC, der Internationalen Test-Agentur IAT und externer Berater zu hören. Dass der Thailänder Intarat Yodbangtoey kurz zuvor seine Kandidatur für das Amt des 1. Vizepräsidenten zurückgezogen hatte, genügte nicht zur Besänftigung der Olympier. Die Doping-Lage in Thailand ist niederschmetternd, dazu erscheint Yodbangtoey im Bericht des kanadischen Juristen Richard McLaren, der Ajans IWF als hoch korrupt beschreibt, als Cash-Zahlmeister des Diktators – was er bestreitet.

          Ajan, der sich im April 2020 zum Rücktritt gezwungen sah, habe viele Klone zurückgelassen, sagte im Herbst ein langjähriger Kritiker. Er könnte damit unter anderem den Rumänen Nicu Vlad gemeint haben. Alle vier rumänischen Starter bei den Olympischen Spielen in London 2012 wurden nachträglich positiv getestet. Seit 2012 wurden 17 rumänische Doping-Fälle bekannt. Vlad, aktuell Vizepräsident, kandidiert aber trotzdem – vorbehaltlich einer Überprüfung durch die Ethik-Kommission – weiterhin für das Präsidentenamt.

          Direkt nach Bachs Drohung hatte Florian Sperl, der Präsident des Bundesverbandes Deutscher Gewichtheber, einen offenen Brief an die Führung der IWF verbreitet, in dem er „Bestürzung und Entsetzen“ über das Verhalten der Funktionäre äußerte. Sie riskierten „den Tod unserer Sportart“, schrieb er. Sie sollten der Weg freimachen „für Personen, die uns mit ihren Taten die olympische Gemeinschaft erhalten“. Doch die Kumpanei von Ajans Klonen mit vielen nationalen Verbänden, die auf den Kongressen abstimmen werden, ist nicht zu unterschätzen.

          Weitere Themen

          Gute Kommunikation führt zum Erfolg

          Beachvolleyball : Gute Kommunikation führt zum Erfolg

          Chantal Laboureur und Cinja Tillmann hatten vorher noch nie zusammengespielt und überraschen beim Beachvolleyball-Turnier in Cancun mit einem Siegeszug. Ihr Schlüssel zum Sieg gilt für alle Partnerschaften.

          Topmeldungen

          Söder am Dienstag in München

          Entscheidung für Laschet : Wie Söder sich verkalkulierte

          Tagelang hatte es so ausgesehen, als könnte Markus Söder sich im Ringen um die Kanzlerkandidatur durchsetzen. Doch Armin Laschet gelang es offenbar am Sonntagabend, das Blatt zu wenden – bei einem denkwürdigen Zusammentreffen.

          Schulen und Corona : Die Willkür eines Schwellenwertes

          Es war ein politischer Kompromiss, dass die Schulen ab einer Inzidenz von 165 schließen sollen. Sachgründe gab es dafür offenbar nicht. Kultusminister und Lehrer sind verärgert.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.