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Gewichtheben : Olympiasieger Matthias Steiner beendet Karriere

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Sein sportlich größter Moment: Matthias Steiner gewinnt Olympia-Gold 2008 in Peking Bild: picture-alliance / Sven Simon

2008 gewann er Olympia-Gold in Peking, 2012 krachte bei den Spielen von London die fast 200 Kilogramm schwere Hantel in seinen Nacken. Nun beendet Matthias Steiner seine Karriere im Gewichtheben.

          Sein Olympiasieg in Peking rührte 2008 Millionen, diesmal musste er selbst schlucken: Matthias Steiner verlässt für immer die Heberbühne. „Die Zeit ist reif dafür“, sagte der 30-Jährige am Freitagabend der Nachrichtenagentur dpa. Gut einen Monat nach der Geburt seines zweiten Kindes entschied sich Steiner für die Familie.

          Noch einmal auf den Höhepunkt Olympische Spiele hinzuarbeiten, wollte er sich nicht antun. „Die Familie steht im Vordergrund“, fügte seine Frau Inge hinzu. Steiners letzter Auftritt auf der großen Bühne bleibt damit der Schock- und Schreckmoment im vergangenen Sommer. Bei den Spielen in London war ihm eine 196-Kilo-Hantel in den Nacken gekracht.

          Bis in den Januar verspürte er Schmerzen. Dennoch nahm er wieder das Training auf, ohne zu wissen: Wohin geht die Reise? Nach der Geburt seines zweiten Sohnes kam er aber ins Grübeln. „Wie soll es weitergehen?“, fragte sich der 150-Kilo-Koloss. Nachts schlafe man nur Stunden, hinzu kämen reichlich Termine, berichtete Steiner, der jüngst eine Vermarktungsagentur mit seiner Frau gegründet hatte.

          „Wenn meine Söhne 20 sind, brauchen sie mich nicht mehr. Sie brauchen mich jetzt! Ich möchte kein Vater sein, der nur weg ist“, begründete Steiner bei „bild.de“ seine Entscheidung - gegen den Sport, für die Familie. Eigentlich hatten ihn die Weltmeisterschaften im Oktober gereizt. Doch es kam anders.

          Bei der Siegerehrung zeigte er das Bild seiner verstorbenen Frau Susann Bilderstrecke

          Im Telefongespräch mit dpa gab er allerdings zu, dass sein Herz weiterhin am Gewichtheben hänge. Wenn er nach der Entscheidung noch trainieren gehe, sei Wehmut dabei, bekannte er. „Als ich sie dann für mich ausgesprochen habe, musste ich schon schlucken“, sagte Steiner. Einen Kloß im Hals hatte auch Christian Baumgartner, Präsident des Bundesverbandes Deutscher Gewichtheber.

          „Er ist einer der größten Gewichtheber, die wir in Deutschland hatten. Er hat für eine Sternstunde des Sports gesorgt. Matthias hat von allen unseren Athleten die größte Wahrnehmung in der Öffentlichkeit erreicht“, lobte Baumgartner den Olympiasieger und Vize-Europameister des vergangenen Jahres. „Und er ist ein ganz toller Mensch.“

          Gold in Peking für die verstorbene Frau

          2008 hatte Steiner für einen der emotionalsten und ergreifendsten Momente in Peking gesorgt hatte. Bei der Siegerehrung hielt er ein Foto seiner im Jahr zuvor bei einem Unfall ums Leben gekommenen ersten Frau hoch. Für sie habe er das Gold gewonnen, sagte der in Heidelberg lebende gebürtige Österreicher.

          Für sie war er nach Deutschland gezogen und hatte die deutsche Staatsbürgerschaft beantragt. Erst wenige Monate vor seinem Gold-Triumph von China hatte er den Pass bekommen. Die Entscheidung aufzuhören habe er nicht hinauszuzögern versucht, bekräftigte Steiner. Zu Monatsbeginn hatte sich der WM-Zweite von 2010 noch unschlüssig gezeigt. „Ich möchte mich noch nicht festlegen“, hatte er gesagt.

          Nun zieht er Pferdewagen oder Autos

          Nun hat er sich festgelegt. Verbandschef Baumgartner ist sich sicher: „Auch in seiner beruflichen Karriere wird er Erfolg haben.“ In der Öffentlichkeit will er weiterhin präsent sein. Beispielsweise in der Spielshow des SWR-Fernsehens „Steiner gegen alle“. Irgendwie ist auch das wie Gewichtheben. Nur stemmt der Superschwergewichtler nicht mehr Hanteln, dann zieht er Pferdewagen oder Autos.

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