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Spionage im America’s Cup? : Gerüchte um Wunderwaffen

Hat die „Alinghi” einen eingebauten Vorsprung Bild: AP

Während der Wind weiter auf sich warten lässt, sorgen Spekulationen um einen angeblichen Konstruktionsvorteil des America's-Cup-Titelverteidigers „Alinghi“ für Wirbel. „Es wäre so, als würde man einen V8-Motor in einen Mini bauen“, sagt ein Bootsdesigner.

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          Wie gut, dass es an Bord der Renn-Yachten beim America’s Cup die Position des „18. Mannes“ gibt. Vorgesehen für einen Gast, der zwar nicht eingreifen darf während des Wettkampfes, aber in diesen Tagen von Valencia Gold wert ist für die Crews. Dann nämlich, wenn wegen der Flaute wie am Dienstag wieder einmal alle Rennen abgesagt werden. In solchen Momenten, wenn auch die Sonne nach den Regentagen wieder langsam ihre Kraft entwickelt und heruntersticht auf die Häupter, kann eine nette Begleitung den Ärger ein wenig vertreiben und das ewige Warten auf dem Wasser angenehmer gestalten.

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

          In der Beziehung hatten es die Segler des amerikanischen Teams „BMW Oracle Racing“ gut getroffen, als sie mit dem deutschen Model Tatjana Patitz auf dem Rücksitz durch die Bucht vor der Stadt dümpelten. Besonders freute sich Teambesitzer Larry Ellison, Software-Milliardär aus San Francisco, der angeregt plaudernd die stundenlange Warterei überbrückte auf dem Boot. „Als irgendwann in unserem Gespräch herausgekommen ist, dass ich in Malibu wohne“, sagte Tatjana Patitz später, „hat er mir erzählt, wie er dort letztens auf Shoppingtour war.“ Es handelt sich um kleinere Immobilienzukäufe in Höhe von 150 Millionen Dollar.

          „V8-Motor in einen Mini“

          Gut, wer bei diesem Nervenspiel im Flauten-Delta von Valencia so gelassen bleiben kann wie ein Ellison. Dass der 32. America’s Cup so zäh anläuft, sorgt bei den Beteiligten, die sich nun mehrere Jahre konzentriert vorbereitet hatten auf die Rennen, mehr für Nervosität und Unsicherheit als Vorstartspannung. Statt endlich draußen auf dem Wasser bei Wind und Wellen zu erfahren, wie die eigene Stärke einzuschätzen ist im Vergleich mit der Konkurrenz, sorgen Spekulationen an Land für den größeren Wirbel. Kolportiert wird, eines der Syndikate könnte über einen bahnbrechenden Konstruktionsvorteil verfügen, welcher jegliche Bemühungen der anderen auf den Gewinn der Segel-Trophäe jetzt schon sinnlos erscheinen ließe.

          Gerüchte um die Yacht aus der Schweiz

          Angeblich habe ein Team, es geht um den Titelverteidiger „Alinghi“, eine Lücke im Reglement entdeckt, um der Krängung (Schräglage) des Bootes mit einem neuen Wundermechanismus am tonnenschweren Kiel entgegenzuwirken. Es geht darum, die Renn-Yacht bei extremen Belastungen aufrechter auf Kurs zu halten, damit das Hauptsegel mehr Windkraft nutzen kann. Bis zu 40 Grad kann sich das Boot zur Seite neigen, jeder Grad weniger bedeutet mehr Geschwindigkeit. Wenn wirklich eine Crew über diese Möglichkeiten verfügte, sei alles vorbei, mutmaßte ein Designer. „Es wäre so, als würde man einen V8-Motor in einen Mini bauen.“

          Im Zeitalter des Extremmarketings

          Ob die revolutionäre Konstruktion nun existiert oder nicht, kann derzeit schwer eruiert werden, liegt doch auch kein Protest eines Gegners von „Alinghi“ vor. Nicht unwahrscheinlich, dass die Aufregung auch nur der psychologischen Kriegführung dient und zur allgemeinen Verunsicherung des Feldes geschürt worden ist. Der Segelexperte, der den angeblichen Geheimtrick nun enthüllte, hat gute Verbindungen zum neuseeländischen Team, heißt es. Und das will den Titel unbedingt wieder zurückgewinnen – mit fast allen Mitteln. Im Lager von „BMW Oracle Racing“, einem anderen großen Mitfavoriten, zeigt man sich nach außen gelassen auf die Gerüchte mit dem Kiel. „Auf so etwas reagieren wir erst gar nicht“, heißt es dort.

          Doch wie sensibel kleinste Auffälligkeiten beobachtet werden, zeigt ein anderes Beispiel, das wiederum den großen Favoriten „Alinghi“ betrifft. Den Schweizern wird vorgeworfen, sie hätten sich bei den letzten Testregatten zu Beginn des Monats absichtlich in den Flottenrennen abfallen lassen, um die Boote der Gegner genauer unter die Lupe zu nehmen. Sogar ein Protest mit Strafe sei in Kauf genommen worden, um das italienische Boot „Luna Rossa“ im Segelbetrieb von nächster Nähe aus in Augenschein zu nehmen. „Alinghi“ nimmt keine Stellung zu den aufkommenden Spekulationen, die bis zum Spionageverdacht reichen.

          Die Herausforderer der „Alinghi“, die jetzt erst einmal ran müssen, um den Finalpartner der Schweizer zu ermitteln, schipperten am Dienstag wieder stundenlang ziellos durch die Bucht de Valencia. Bei strahlendem Sonnenschein, aber schwachen Winden. Stunde für Stunde verlegte das Rennkomitee den Start, ohne konkrete Versprechungen machen zu können. Nur gut, dass wieder ein paar nette Überraschungsgäste zur Unterhaltung der Segler auf die eine oder andere Yacht gesetzt wurden. Auf einem Boot soll gar eine richtige Pornoqueen im Heck Platz genommen haben. Was im Zeitalter des Extremmarketings nicht alles möglich ist beim einst so elitären America’s Cup.

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