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German Masters : Harte Landung

  • -Aktualisiert am

Hindernisse akzeptieren und überwinden: Simone Blum in Stuttgart Bild: Imago

Reit-Weltmeisterin Simone Blum muss sich mit ihrer neuen Rolle arrangieren. Der Alltag in der Turnierlandschaft ist manchmal alles andere als traumhaft.

          Mit einer Geschichte, die gern weitergeschrieben wird, räumt Simone Blum auf. Natürlich werde die Stute Alice auch von „Hansi“ geritten. Das Pferd, das bei den Weltreiterspielen in Tryon für Furore sorgte, in makelloser Manier den Titel holte, wurde so charakterisiert, als reagiere es allergisch auf Männer. Alice mag, und das ist ein gesunder Reflex, nur keine Fremden. Und fremd ist ihr „Hansi“ nun wirklich nicht. Hans Günther Goskowitz hat sogar mit dem Tag der Hochzeit mit der frischgekürten Weltmeisterin den Nachnamen Blum angenommen. Er ist seit dem Triumph im September ja auch ein Markenzeichen.

          Simone Blum, die kaum jemand auf dem Schirm hatte, kehrte als Weltmeisterin aus den Vereinigten Staaten zurück. Was dann kam, das Bad in der Öffentlichkeit, empfand die Amazone als Sprung ins kalte Wasser. „Von jetzt auf gleich, war alles anders.“ Alice durfte daheim in Zolling, Landkreis Freising, „total chillen“, während die Reiterin von Termin zu Termin hetzte. „Jeder will was, jeder reißt an einem – ganz einfach ist das nicht. Ich will es jedem Recht machen, vielleicht habe ich zu viel gemacht“, sagt sie. Inzwischen meint sie, die goldene Mitte getroffen zu haben: Sich Zeit nehmen für das, „was unser Tagesgeschäft ausmacht, Reiten“, ohne abgehoben zu wirken, wenn nicht jeder Wunsch der neuen Fangemeinde erfüllt werden kann.

          Das Tagesgeschäft hat mit einer Schrecksekunde begonnen. Mit einem „ziemlich schweren Sturz“ vor drei Wochen in Verona, ihrem ersten Turnierstart im Sattel von Alice nach der Sternstunde in Tryon. Ross und Reiterin blieben unverletzt, der Kommentar fiel nüchtern und realistisch zugleich aus: „So schnell ist man in unserem Sport wieder auf dem Boden der Tatsachen.“ Vielleicht hat sie sich auch an den kapitalen Sturz vor zehn Jahren ein paar Wochen vor dem Abitur erinnert, als sie 19 war. Nach Koma und Gehirnblutung durfte sie zwecks Schonung nicht einmal in angesagte Lektüre zur Hand nehmen. Sabine Blum hat „nie gezweifelt“, die Reifeprüfung geschafft. Es spricht für ihren Behauptungswillen, Hindernisse zu akzeptieren und zu überwinden. In Verona wusste sie nicht, wie Alice das Erlebnis in der Kombination wegstecken würde. Im dortigen Weltcupspringen musste der erst acht Jahre alte Cool Hill ran – der Schimmel landete auf Rang 28.

          Überschaubare Ergebnisse in Stuttgart

          An diesem Wochenende, nach den Erkenntnissen beim internationalen Turnier in Stuttgart, den „German Masters“, will Simone Blum Bilanz ziehen, überlegen, wie es in der Hallensaison weitergehen soll; falls sie nach weiteren Etappen „nur noch in München und Genf“ genügend Punkte beisammen hat, um das Weltcupfinale in Göteborg anzupeilen. Das steigt im April, wenn sich die Reitergilde schon auf die Freiluftsaison einrichtet. In die Schleyer-Halle hat Simone Blum neben ihrer Alice, die mit dem Starappeal, für acht Starts an vier Tagen auch noch Cool Hill und Con Touch dabei. Mit überschaubaren Resultaten im Sattel von Alice. Nach einem Abwurf im ersten Umlauf des Großen Preises am Sonntag fand das Stechen ohne Alice statt. Mit einem verrenkten Nackenwirbel konnte die Reiterin die Stute nicht wie gewohnt unterstützen.

          Auch der Pferdenachwuchs landete in Regionen, in denen sich Reiter weniger gern wiederfinden. Mal Platz 33 zum Auftakt, am Samstagabend ist es Platz 35, jeweils mit Cool Hill. In der Ergebnisliste in unmittelbarer Nachbarschaft zu Ludger Beerbaum als 36. mit dem neunjährigen Wallach Cool Down. Da soll man als Reiter noch cool bleiben? Aber ja doch. Die Disziplin Springen im Labyrinth der unvermittelt fallenden Stangen ist, wie Simone Blum es nennt, unwägbarer und „durchgemischter“ als die Dressur. In Stuttgart, nach vierjähriger Hallenabstinenz ihrer WM-Stute Belle Rose, reihte Isabell Werth Sieg an Sieg.

          Die Springreiterin Simone Blum wird weiterhin auf Alice bauen, die gerne auch Else gerufen wird. Ohne sie wäre Simone Blum möglicherweise das geworden, was sie nach dem abgeschlossenen Studium für das Lehramt in Biologie und Chemie befähigt. Aber dann hat sie 2017 ein Reiterjahr angehängt, das mit dem Gewinn der deutschen Meisterschaft und den German Masters in Stuttgart, der inoffiziellen offenen deutschen Hallenmeisterschaft, gekrönt wurde. Das Wochenende war somit die Rückkehr an einen Ort, wo sich das Potential eines Paares andeutete, das 2018 zum Höhenflug ansetzte. Die Geschichte der zwei las sich so anrührend wie die Story von Alice im Wunderland. Die Fortsetzungsgeschichte im Alltag der Turnierlandschaft lässt sich alles andere als traumhaft an. „Ganz gute Pferde müssen etwas spezielles haben“, wird Simone Blum grundsätzlich. So wie Alice, die über jeden Zweifel, was das anginge, erhaben sei. Sie hat ihr das Portal zur großen, weiten Welt der Championate geöffnet. „Vor ein paar Jahren war dieses Turnier in Stuttgart noch zu hochkarätig für mich.“ Seit Alice, vor allem nach Tryon, haben sich die Grenzen verschoben. Auch die der Erwartungen auf den Rängen. Wie ihnen gerecht werden nach der harten Landung auf dem Boden der Tatsachen? Im Dezember „ist die Hochzeitsreise fällig, dann kommen Weihnachten und Silvester.“ Es hört sich so an, als müsste man sich keine Sorgen um das Seelenheil der Simone Blum machen.

          Springreiter Ahlmann reitet auf Platz drei

          Die deutschen Springreiter sind beim Heim-Weltcup in Stuttgart abermals ohne Sieg geblieben. Für die beste Platzierung sorgte am Sonntag im Großen Preis Christian Ahlmann aus Marl, der mit Tokyo auf Rang drei ritt. Den Turnier-Höhepunkt, zugleich fünfte Station des Weltcups, gewann der Belgier Pieter Devos mit Apart. Der 32-Jährige siegte vor rund 8000 Zuschauern vor Max Kühner (Österreich) mit Final und erhielt als Prämie ein Auto. Für das zweitbeste Ergebnis der heimischen Reiter sorgte Maurice Tebbel aus Emsbüren, der mit Don Diarado auf Rang vier kam. (dpa)

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