https://www.faz.net/-gtl-uu2r

Gerlinde Kaltenbrunner : Verschüttet am weißen Berg

  • Aktualisiert am

Nicht zu stoppen: Gerlinde Kaltenbrunner Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Die 36-jährige Extrembergsteigerin Gerlinde Kaltenbrunner hat eine Lawine im Himalaja überlebt. Zwei spanische Bergsteiger kamen um. Die Österreicherin will ab Mitte Juni zwei weitere Achttausender besteigen.

          1 Min.

          Sie kennt das Risiko. Sie weiß, dass im Extrembergsteigen Glück und Tod dicht beisammen liegen, wie sie einmal gesagt hat. Gerlinde Kaltenbrunner ist oft genug konfrontiert worden mit dem Tod am Berg, mit der Erfahrung, dass sich Leichtsinn, übersteigerter Ehrgeiz oder ein winziger Fehler fatal auswirken können.

          So nahe aber wie in der vergangenen Woche beim Versuch, den Dhaulagiri (8.167 Meter), ihren zehnten Achttausender, zu besteigen, ist die 36 Jahre alte Österreicherin dem Tod noch nie gekommen. Bei ihrem zweiten Gipfelversuch am „weißen Berg“ wurde sie mit drei spanischen Bergsteigern von einem Schneebrett verschüttet. Gerlinde Kaltenbrunner konnte sich selbst ausgraben, zwei der Spanier starben unter den Schneemassen.

          „Ich dachte: Das war's! Jetzt ist alles vorbei.“

          Wie die drei spanischen Alpinisten hatte sie ihr Zelt im Lager II auf rund 6.650 Meter Höhe aufgeschlagen. Die Stelle, so Kaltenbrunner in ihrem Internet-Expeditionstagebuch, habe stets als sicher gegolten, da sie direkt am Grat gelegen sei. Dennoch wurde sie mit dem Zelt am frühen Morgen, als die Vier das Abflauen eines starken Sturms abwarteten, von einer Lawine mitgerissen. „Ich dachte: Das war's! Jetzt ist alles vorbei.“

          Bedrohliche Schneelawinen: Der Dhaulagiri (8.167 Meter) heißt auch „weißer Berg”
          Bedrohliche Schneelawinen: Der Dhaulagiri (8.167 Meter) heißt auch „weißer Berg” : Bild: picture-alliance / dpa

          Als es still wurde, blieb ihr ein kleiner Raum, in dem sie atmen und sich bewegen konnte. Sie schnitt mit einem Messer, das sie am Sitzgurt hatte, das Zelt auf und schaufelte Schnee herein, bis sie durch ein kleines Loch ins Freie sah. Eine halbe oder Dreiviertel Stunde dauerte es, bis sie sich endgültig befreien konnte.

          Ab Juni zwei weitere Achttausender

          Sie fand, nur mit Socken an den Füßen, ihre Schaufel und grub Schuhe, Handschuhe und Brille aus. Zusammen mit dem dritten Spanier, der unversehrt blieb, barg sie die beiden anderen Verschütteten, für die jede Hilfe zu spät kam. „Es waren sicher zwei Meter Schnee über ihrem Zelt.“

          Den ersten Versuch am Dhaulagiri hatte Gerlinde Kaltenbrunner in der Woche zuvor abgebrochen, als ihre tschechische Partnerin Lucie Orsulova im letzten Lager vor dem Gipfel auf 7.400 Meter höhenkrank geworden war. Ihr Ehemann Ralf Dujmovits erreichte unterdessen mit einer Expeditionsgruppe den Gipfel des Manaslu (8.163 Meter). Es ist sein zwölfter der 14 Achttausender. Gerlinde Kaltenbrunner will nun von Mitte Juni an den Broad Peak (8.047 Meter) und den K2 (8.611 Meter) angehen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Coinbase-Gründer Brian Armstrong in San Francisco im Jahr 2016

          Brian Armstrong : Der Mann hinter dem digitalen Goldrausch

          Keine 30 Jahre war Brian Armstrong alt, als er mit Coinbase ein Unternehmen gründete, das heute wertvoller als die New Yorker Börse ist. Er ähnelt den findigen Geschäftsleuten, die während des Goldrauschs im Wilden Westen Schaufeln und Spitzhacken verkauften.
          Quantencomputer von IBM

          Quantencomputer : Wunderwaffe für die deutsche Industrie?

          Eine Zukunftstechnologie, die von Google, IBM und Co. beherrscht wird, für den deutschen Mittelstand? Die Entwicklung beflügelt die Phantasie und könnte für manche Branchen ziemlich wichtig werden.
          Blick auf die Eliteuniversität Harvard in Cambridge, Massachusetts

          Exzellenzinitiative : Es gibt noch immer kein deutsches Harvard

          Die Exzellenzinitiative wollte deutsche Hochschulen in die Ranglisten internationaler Spitzenunis führen. Dieses Ziel wurde verfehlt – und doch der deutschen Forschung zu einer größeren Sichtbarkeit verholfen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.