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Gerd Müller : Der „Bomber der Nation“ wird sechzig

  • -Aktualisiert am

Sein Torrekord besteht wohl für die Ewigkeit Bild: picture-alliance/ dpa

Den feinen Zwirn holt Gerd Müller nur zu besonderen Anlässen aus dem Schrank. Am liebsten trägt er seinen Trainingsanzug, den rot-grauen vom FC Bayern. Deshalb feiert der „Bomber der Nation“ seinen 60. Geburtstag nur im engen Freundeskreis.

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          Den feinen Zwirn holt Gerd Müller nur zu besonderen Anlässen aus dem Schrank. Am liebsten trägt er seinen Trainingsanzug, den rot-grauen vom FC Bayern München. Offizielle Auftritte sind ihm ein Greuel: "Da sträube ich mich immer." Gerne hätte er sich auch bei der Geburtstagsgala von Franz Beckenbauer zu dessen 60. Geburtstag im September geweigert, die Festrede zu halten, "aber da hatte ich keine Chance". So eine rauschende Partywoche wie bei seinem ehemaligen Kapitän Beckenbauer, "das ist nichts für mich". Deshalb feiert Müller seinen 60. Geburtstag am Donnerstag auch nur im engen Freundeskreis.

          Früher, in den siebziger Jahren, als Gerd Müller noch für den FC Bayern Tore schoß, war das anders. Da wurde er herumgereicht, gefeiert, hofiert. Heute ist er Assistent von Amateur-Trainer Hermann Gerland beim Rekordmeister und betreut nebenher bei Champions-League-Spielen Gäste des Hauptsponsors. Vom Ruhm vergangener Tage ist nicht viel geblieben: Die Erinnerung an seine Erfolge natürlich und ein paar bemerkenswerte Zahlen: Platz eins in der ewigen Torjägerliste, 356mal hat er in 427 Bundesligapartien getroffen, 68mal in 62 Länderspielen. Unerreicht ist bisher seine Bestmarke aus der Saison 1971/72, als er mit 40 Treffern Torschützenkönig wurde. Müller versteht allerdings nicht ganz, warum es bisher niemand geschafft hat, diesen Rekord zu knacken. Heutzutage, findet er, hätten es die Stürmer sogar leichter als zu seiner Zeit, wegen der Viererkette. "Da würde ich wahrscheinlich mehr als 40 Tore schießen."

          „Immer den richtigen Trainer zum richtigen Zeitpunkt“

          Angefangen hat 1964 alles damit, daß Bayern-Geschäftsführer Fembeck eineinhalb Stunden schneller in Nördlingen war als sein Kollege Maiböck vom Münchner Lokalrivalen TSV 1860. Der damalige Regionalligaklub machte das Rennen um das Stürmertalent aus dem Schwäbischen gegen die sportlich erfolgreicheren "Löwen". Dann hatte er, sagt Müller, "immer den richtigen Trainer zum richtigen Zeitpunkt". Tschik Cajkovski, die Vaterfigur, der ihn liebevoll "kleines, dickes Müller" nannte. Oder Branko Zebec, der Schleifer, bei dem er oft Strafrunden laufen mußte im Training. "Aber vom Fußball", sagt Müller, "hat der Zebec was verstanden. Da sind wir mit nur zwölf Spielern im Kader Meister geworden."

          Sein Torrekord besteht wohl für die Ewigkeit Bilderstrecke
          Gerd Müller : Der „Bomber der Nation“ wird sechzig

          Seinem ersten nationalen Titel folgten drei weitere, außerdem holte Müller mit dem FC Bayern den Europacup der Pokalsieger und dreimal den der Landesmeister, wurde 1972 Europa- und zwei Jahre später Weltmeister mit der deutschen Nationalmannschaft. Tauschen möchte er nicht mit den Profis von heute: "Vom Geld her vielleicht schon, aber die schönere Zeit hatten wir."

          Es folgten schwere Tage

          Die schöne Zeit bei Bayern war vorbei, als Pal Csernai mitten in der Saison 1978/79 Trainer wurde. Der hatte das Idol auf die Bank setzen wollen. Müller fühlte sich gedemütigt, bat den Verein um seine sofortige Freigabe und nahm ein Angebot aus den Vereinigten Staaten an. Er spielte noch zwei Jahre bei Smith Brothers Lounge Fort Lauderdale und betrieb nebenbei ein Steakrestaurant. "Daß ich das Lokal dann gekauft habe, war mein größter Fehler", gibt Müller zu. Der Versuch, sich mit Frau Uschi und Tochter Nicole nach der aktiven Karriere eine Existenz in Florida aufzubauen, ging schief. Nach der Rückkehr nach München "wußte ich auf einmal nicht, was ich tun soll".

          Es folgten schwere Tage: Ehekrise, Alkoholprobleme. Mit Hilfe der Weggefährten vergangener Tage, Uli Hoeneß und Franz Beckenbauer, hat er die Schwierigkeiten gemeistert. "Die haben großen Anteil daran, daß alles anders wurde." Müller hat den Trainerschein gemacht, wurde eingebunden in den Betreuerstab des Rekordmeisters. 1992 war das, nun hat er soeben einen neuen Fünfjahresvertrag bei Bayern unterschrieben, "Mir geht es gut", sagt Müller. Bis auf die Rückenschmerzen, die den leidenschaftlichen Tennisspieler plagen. "Mein Kreuz ist halt kaputt", sagt er. Aber Gerd Müller hat schon ganz andere Schwierigkeiten in seinem Leben überstanden.

          „Daß er nicht nur ein außerordentlicher Fußballer, sondern auch ein Ausnahmemensch ist, zeigt zum einen seine Bescheidenheit - und sein Sieg gegen den Alkoholismus. Was der FC Bayern heute ist, haben wir vor allem Gerd Müller zu verdanken. Und ohne seine Tore wäre Deutschland nicht Europa- und Weltmeister geworden.“

          Zitat von Franz Beckenbauer

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