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Schach-Europameister Meier : Dann lieber nach Uruguay

  • -Aktualisiert am

Hat seine Behandlung durch den Deutschen Schachbund satt: Georg Meier Bild: picture alliance / Sven Simon

Er soll intern beleidigt und gemobbt worden sein: Georg Meier will mit dem Deutschen Schachbund nichts mehr zu tun haben – und schlägt woanders seine Zelte auf.

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          „Georg Meiers Wechsel zum uruguayischen Schachverband ist perfekt“, heißt es auf der Website des Deutschen Schachbunds. Es folgt ein langer Artikel über den Werdegang des 34 Jahre alten Großmeisters und seine 123 Einsätze im Nationalteam. Über die Motive seines Weggangs finden sich allenfalls falsche Fährten. Zieht er fort? Hat er seine Verbundenheit zur Heimat seiner Mutter entdeckt? Weder noch. Georg Meier hat seine Behandlung durch den Deutschen Schachbund satt: „Mein Ansehen und meine Würde wurden seit fast eineinhalb Jahren mit Füßen getreten. Ich muss raus aus dieser toxischen Umgebung.“

          Aus seiner Sicht begann es mit einer Beleidigung, die Elisabeth Pähtz tweetete. Die deutsche Spitzenspielerin kontert, dass Meier bereits früher nicht nur gegen sie, sondern auch gegen andere gestichelt habe. Pähtz zahlte für die Beleidigung. Sie revanchierte sich, indem sie Meier verklagte, weil der ihre Beleidigungen aus einem privaten Chat veröffentlicht hatte, und das Amtsgericht Erfurt gab ihr recht. Der Streit eskalierte weiter in einem offenen Brief, den Meier initiierte. Die Mehrheit der Nationalspieler und -spielerinnen forderte und erreichte die Entlassung von Bundestrainer Dorian Rogozenco, der Pähtz bevorzugt haben soll. Auch danach sei das Mobbing durch Mitspieler und Funktionäre gegen ihn weitergegangen, behauptet Meier.

          Pähtz sagt rückblickend: „Wir machen alle Fehler, und es ist unrealistisch zu glauben, dass sie nur einseitig passieren.“ Die Forschung belegt, dass bei Mobbing die Übergänge zwischen Opfer, Zuschauer und Täter oft fließen. Und dass Mobbing zu noch mehr Mobbing führt. Im Deutschen Schachbund sind persönliche Kritik und Beleidigungen auch auf der Funktionärsebene gang und gäbe. Er  trennte sich im Streit von langjährigen Mitarbeitern und von seiner Schachjugend.  

          „Nicht nötig, mich zu prostituieren“

          Über einen Sprecher lässt Schachbund-Präsident Ullrich Krause das Bedauern des Verbands über Meiers Weggang mitteilen. Die Frage, ob er bestätigen kann, dass man sich intern freue, einen Unruheherd loszuwerden, lässt er unbeantwortet. Als Reaktion auf den Streit der Nationalspieler hatte Krause einen Verhaltenskodex angekündigt. Nach Informationen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung liegt dem Schachbund-Präsidenten ein Eckpunktepapier vor, das nie an die Kaderspieler weitergeleitet wurde. Stattdessen soll der neue Referent für Leistungssport einen neuen Entwurf liefern.

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          Als Deutschland 2011 Europameister wurde, gewann Meier am zweiten Brett in der letzten Runde die entscheidende Partie zum 2,5:1,5 gegen Armenien. Arkadij Naiditsch, der damals am ersten Brett spielte, wechselte 2015 aus finanziellen Gründen zu Aserbaidschan. Als sein Vertrag dort auslief, wollte Naiditsch 2020 zurückkehren, doch der Deutsche Schachbund verweigerte ihm die Wiederaufnahme –  zum Entsetzen Meiers.

          Der kehrt nun als zweiter Europameister dem Deutschen Schachbund den Rücken. Künftig vertritt er das Land, in dem sich seine Großeltern in Sicherheit brachten und seine Mutter aufwuchs. Der Schachverband von Uruguay, der am Sonntag den Wechselantrag beim Weltschachbund gestellt hat, werde ihm zwar weder Antrittsgelder zahlen noch Einladungen zu hochrangigen Turnieren verschaffen. Als Bankangestellter und Amateur, sagt Meier, „habe ich es nicht nötig, mich zu prostituieren. Ich will einfach nur in einem angenehmen Umfeld Schach spielen.“ 

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