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Laufen auf Rechnung : Das Geld liegt auf der Straße

Geoffrey Kamworor möchte lieber dort laufen, wo es Geld zu verdienen gibt. Bild: Picture-Alliance

Geoffrey Kamworor wäre bei der WM der Leichtathleten ein Favorit auf Gold. Doch er will nicht antreten. Stattdessen läuft er lieber dort, wo es viel Geld zu verdienen gibt. Einen Vorwurf muss man ihm nicht machen.

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          Das Geld liegt auf der Straße – eine Binsenweisheit im Langstreckenlauf. Gerade bestätigt sie Geoffrey Kamworor, der mit seinen 26 Jahren schon drei Mal Weltmeister im Halbmarathon war, Sieger des New-York-Marathons 2017 und zwei Mal Weltmeister im Cross. Auf der Bahn ist Platz zwei bei der Weltmeisterschaft von Peking 2015 über 10.000 Meter sein größter internationaler Erfolg. Überlegen gewann er zuletzt im Nyayo-Stadion von Nairobi die kenianische Meisterschaft und die damit verbundene WM-Qualifikation über die 25 Runden. Doch die Chance, in vier Wochen, am ersten Abend der Titelkämpfe von Doha, um eine Goldmedaille zu rennen, will Kamworor nicht nutzen.

          Die Rechnung ist einfach. Sollte er in der Hitze von Qatar die starke äthiopische Konkurrenz besiegen, winken ihm, immerhin, 50.000 Dollar Preisgeld. Allein fürs Erscheinen beim Kopenhagen-Halbmarathon eine Woche vor und beim New-York-Marathon fünf Wochen nach dem Weltmeisterschaftsrennen darf er mit mehr als dem Doppelten rechnen. Sollte er gewinnen und gar Bestzeiten laufen, wie es seine Form verspricht, könnte ihm der goldene Herbst um die 300.000 Dollar einbringen.

          Als Bonus steht zwischen beiden Rennen im Oktober ein Ausflug nach Wien in Aussicht. Dort will Kamworors Trainingspartner Eliud Kipchoge, Olympiasieger und Besitzer des Marathon-Weltrekords von 2:01:39 Stunden, auf einem Rundkurs zwischen Donau und Prater die Marathon-Distanz in weniger als zwei Stunden hinter sich bringen will. Dabei werden zu seiner Unterstützung die besten Tempomacher der Welt ein- und ausgewechselt. Wer wollte bezweifeln, dass Kamworor zu ihnen gehört? Selbstverständlich wird auch dieser Einsatz, der gut ins Training passt, sehr ordentlich bezahlt, einschließlich Erfolgsprämie.

          Mit der Entscheidung, nach den 10.000 auch die 5000 Meter aus dem Kernprogramm der Diamond League zu streichen, stärkt der Weltverband weiter den Straßenlauf. Dort verbinden sich im Wettbewerb der Veranstalter großes Interesse des Publikums mit generösem Einsatz von Sponsoren und leidenschaftlichem Engagement von Millionen Hobbyläufern.

          Im Vergleich dazu wiegt der ideelle Wert einer Goldmedaille nicht viel, insbesondere nicht für Athleten, die sich wie selbständige Unternehmer, besser: wie Markenartikel verkaufen. Kamworor erinnerte nach seinem jüngsten Sieg daran, dass Kenia seit achtzehn Jahren auf einen Weltmeister über 10.000 Meter warte – seit Charles Kamathi, der in Edmonton 2001 siegte. Und er wünschte U-20-Weltmeister Rhonex Kipruto, dem er auf der Zielgerade davon gespurtet war, viel Erfolg bei dem Versuch, den überfälligen Titel zu gewinnen.

          Man muss Kamworor nicht vorwerfen, dass er dem Geld nachjage. Man kann ihn auch dafür bewundern, dass er in die Fußstapfen von Kipchoge zu treten scheint. Der wurde zwar 2003 in Paris Weltmeister über 5000 Meter. Doch zum Multimillionär machten ihn seine Siege auf der Straße.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

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