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Generali Haching : Schleichende Volleyball-Revolution

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Ehrgeiziges Ziel: Generali Haching will am Volleyball-Primus Friedrichshafen vorbeiziehen Bild: picture-alliance/ dpa

Generali Haching schickt sich an, die Friedrichshafener Dominanz zu beenden. Die Ergebnisse, vor allem in der Champions League, sind jetzt schon achtbar. Eine Schlüsselfigur für die langsame Revolution ist Trainer Mihai Paduretu.

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          Es ist bezeichnend für diese Saison, wer den Hachinger Volleyballspielern den Spaß an der Champions League verderben wollte: ein ehemaliger Spieler des VfB Friedrichshafen. Lukas Divis sicherte seinem polnischen Team Jastrzebski Wegiel am Mittwochabend fast im Alleingang den dritten Durchgang. Doch das war nur ein Ausrutscher. Haching gewann das Achtelfinal-Hinspiel in der heimischen Arena am Utzweg vor 1500 Zuschauern mit 3:1 Sätzen (25:22, 25:20, 20:25, 25:19).

          Die Hachinger spielen in dieser Saison zum ersten Mal in der Champions League – und haben es gleich in die K.o.-Runde geschafft. Im Gegensatz zum deutschen Rekordmeister VfB Friedrichshafen, was den Erfolg für Haching noch wertvoller macht. „Steter Tropfen höhlt den Stein“, sagt Mittelblocker Max Günthör.

          Was die Hachinger aushöhlen wollen, ist klar: die Dominanz des VfB Friedrichshafen im deutschen Volleyball. Günthör ist Hachings Kapitän und somit Anführer der langsamen Revolution, die die Hachinger seit zwei Jahren betreiben. 2009 beendeten sie die achtjährige Siegesserie des VfB Friedrichshafen im Pokal. Im vergangenen Jahr gelang ihnen die Titelverteidigung. Und nun haben sie das Team vom Bodensee auch im Europapokal überflügelt.

          Im Sommer drohte den Hachingern noch ein Dämpfer

          „In dieser Saison haben wir noch keinen Titel geholt. Keinen Pokal, die Champions League sowieso nicht – und eben auch nicht die Meisterschaft“, warnt Hachings Trainer Mihai Paduretu vor Übermut. Und er hat recht: Solange Haching dem VfB Friedrichshafen nicht die Meisterschaft entreißt, kann von Machtwechsel keine Rede sein. Seit Paduretu die Hachinger vor 14 Jahren übernommen hat, ging die Entwicklung aber stetig nach oben: von der Regionalliga in die erste Liga, vom Play-off-Kandidaten zum Finalanwärter – und nun bis zum ernsten Titelkandidaten.

          Im vergangenen Sommer drohte Haching noch ein Dämpfer: Zuspieler Patrick Steuerwald und Außenangreifer Sebastian Schwarz wechselten nach Italien, Diagonalspieler Marco Liefke beendete seine Karriere. Die zwei besten Spieler und der Routinier verabschiedeten sich. Doch der Umbruch ist gelungen, weil in Haching System hinter dem Erfolg steckt: Paduretus System.

          Der 44 Jahre alte Rumäne ist in allen europäischen Volleyball-Ligen bestens vernetzt. So holte er beispielsweise zu Saisonbeginn den Slowaken Brano Skladany aus der tschechischen Liga. Und der neue Zuspieler lässt selbst einen Könner wie Patrick Steuerwald fast schon in Vergessenheit geraten. Auch am Mittwoch setzte Skladany seine Angreifer so perfekt in Szene, dass die manchmal keinen Blockspieler mehr vor sich hatten.

          Ausgeglichenheit im Kader und dennoch Führungsspieler

          Gegen Wegiel gelangen dem Außenangreifer Denis Kaliberda 15 Punkte, den Neuzugängen Leonardo Dos Santos und Paul Carroll 17 beziehungsweise 18 Zähler. Die enorme Ausgeglichenheit im Hachinger Kader verhindert aber nicht, dass sich Führungsspieler hervortun. Vor allem Mittelblocker Günthör pusht das Team.

          Wer ihn noch als Teenager im Friedrichshafener Nachwuchsteam in der zweiten Liga spielen sah, ist von seiner Entwicklung beeindruckt. Günthör scheint die Gegner allein mit seinem Willen beeinflussen zu können: Wenn ihn am Mittwoch der polnische Zuspieler beim Blockversuch mal ausgetrickst hatte, fluchte Günthör zehn Sekunden vor sich hin, motivierte dann sich und seine Mitspieler neu – und blockte meist in der nächsten Aktion erfolgreich.

          „Wie gut, dass sich unser Gegner gewehrt hat“

          Dass man auch an einem Europapokalabend Fragen zum Duell mit Friedrichshafen stellt, stört in Haching niemanden. Genau das ist die Bezugsgröße, die alle immer im Kopf haben. „Egal in welchem Wettbewerb“, sagt Kaliberda, „je mehr wir erreichen, umso eher bekommt Friedrichshafen einen Knacks. Sie wissen dann, dass sie gegen uns jederzeit verlieren können.“ Im Pokalfinale am 6. März spielen die zwei Topteams dann um den ersten Titel des Jahres.

          Bis dahin wollen die Hachinger aber noch ins Viertelfinale der Champions League einziehen. Da Satzgewinne in diesem Jahr keine Rolle spielen, müssen sie im Rückspiel am Dienstag in Polen gewinnen, um weiterzukommen. Bei einer Niederlage gibt es direkt im Anschluss einen Entscheidungssatz, den „Golden Set“. Zuvor steht am Sonntag noch das Bundesligaspiel gegen die Titans aus Wuppertal an. Nach dem jüngsten Erfolg gegen Düren sagte Paduretu: „Wie gut, dass sich unser Gegner gewehrt hat.“ So weit sind sie in Haching schon: dass sie in der Liga zur Vorbereitung auf starke Gegenwehr hoffen. Das hat man jahrelang nur von einem Team gehört: vom VfB Friedrichshafen.

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