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Judo-WM : Gelungener Dreh

Ein Sieg in letzter Sekunde: Alexander Wieczerzak freut sich über Bronze, sein Teamkollege Dominic Ressel liegt am Boden Bild: EPA

Ein Jahr nach seinem sensationellen WM-Sieg gewinnt Judokämpfer Alexander Wieczerzak diesmal die Bronzemedaille. Drei Sekunden vor Ablauf der Uhr überrascht er seinen Konkurrenten Dominic Ressel.

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          In den vergangenen Wochen bestand das Leben von Alexander Wieczerzak vor allem aus Training, Training und Training, unterbrochen nur von Essen, Trinken und Schlafen - sowie einer intensiven Medienarbeit. Der Judo-Weltmeister von 2017 hatte vor der WM in Baku sportlich einiges aufzuholen, nachdem ihn eine Schambeinentzündung lange Zeit zu relativer Ruhe gezwungen hatte.

          Achim Dreis
          Sportredakteur.

          Zudem hat der Wiesbadener in den vergangenen zwölf Monaten gelernt, dass er auch als herausragender Vertreter einer sogenannten Randsportart selbst dafür sorgen muss, will er Aufmerksamkeit über den begrenzten Zirkel der Mattenfreunde hinaus erzielen.

          Und so geht der 27-Jährige keiner Fernsehkamera aus dem Weg, lässt sich von Spartensendern in seiner täglichen Trainings-Arbeit begleiten, sucht und findet Interviewsituationen mit lokalen und überregionalen Medien, bedient auch eifrig die sozialen Netzwerke, um sich und seine Sportart bestmöglich zu präsentieren. Man sieht Wieczerzak Autos ziehen, Hanteln hieven, Gewichte stemmen, Gegner aufs Kreuz legen. Man hört ihn von seinem inneren Antrieb reden, dem Wunsch, sich immer weiter zu verbessern, der Beste zu sein, Olympiasieger zu werden. Man kann sich einfühlen in seine Gedanken auf dem Weg nach Tokio 2020: „Steh früh auf, verfolge deinen Traum, denke positiv, werde stärker.“

          Der Zwischenschritt gelang ihm bei der WM in Baku schon sehr gut: Am Sonntag gewann Wieczerzak nach Gold diesmal Bronze in der Klasse bis 81 Kilogramm, er siegte im kleinen Finale drei Sekunden vor Schluss dank einer mittleren Wertung gegen seinen Teamkameraden Dominic Ressel. Ganz nach dem Motto: „Nie aufgeben.“ Nach dem gelungenen Dreh gegen den nationalen Rivalen aus Schleswig-Holstein strahlte der Wiesbadener fast wieder wie ein Weltmeister.  Ein wichtiger Erfolg auf dem Weg nach Tokio, denn dort darf jede Nation in jeder Klasse nur einen Kämpfer stellen.

          Der Verlauf des WM-Kampftags sorgte dafür, dass sich die beiden deutschen Medaillenkandidaten im direkten Duell gegenüber standen, als es um eine der im Judo üblichen zwei Bronzemedaillen ging. Wieczerzak hatte im Viertelfinale gegen den Türken Vedat Albayrak verloren, sich dank eines Erfolgs in der Hoffnungsrunde über Junioren-Weltmeister Matthias Casse (Belgien) aber doch noch in Medaillennähe vorgekämpft. Der deutsche Meister Dominic Ressel war siegreich bis ins Halbfinale vorgedrungen, unterlag dort aber dem Japaner Sotaro Fujiwara, der letztlich Silber holte. Neuer Weltmeister und damit Wieczerzaks Nachfolger wurde der Iraner Saeid Mollaei, der als Weltranglistenführender seiner Favoritenrolle gerecht wurde und das Finale im Golden Score für sich entschied.

          Bei den Frauen verpasste die frühere Europameisterin Martyna Trajdos aus Hamburg in der Klasse bis 63 Kilogramm die Bronzemedaille denkbar knapp. Zwar war die 29-Jährige im Kampf um Platz drei gegen die Niederländerin Juul Franssen die Aktivere, bekam sie aber nicht entscheidend zu fassen. Juul Franssen beherzigte dagegen die Grundregel des Judosports. Sie nahm bei einem Angriff von Martyna Trajdos die Kraft ihrer Gegnerin auf und nutzte sie mit einer geschickten Gegendrehung gewinnbringend zum Golden Score für sich aus. Martyna Trajdos war im Halbfinale an der Französin Clarisse Agbegnenou gescheitert, die später zum dritten Mal Weltmeisterin wurde.

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