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Manager Bruyneel verurteilt : Geldstrafe nach größtem Korruptionsskandal der Radsport-Geschichte

  • -Aktualisiert am

Johan Bruyneel im Jahr 2007, damals in seiner Funktion als Manager des Radsport-Teams Discovery Channel. Bild: AFP

In Abwesenheit wird der ehemalige Rad-Manager Johan Bruyneel im Schadensersatzprozess gegen Lance Armstrong verurteilt. Dabei geht es um Doping und Korruption. Doch bezahlen wird er seine Strafe wohl nicht.

          Er gehörte von Anfang an zum Kreis der Beschuldigten im Schadenersatzprozess gegen Lance Armstrong. Denn als Sportlicher Direktor des Teams, mit dem der Texaner, gesponsert von der amerikanischen Post, zwischen 1999 und 2004 sechsmal nacheinander die Tour de France gewann, war er der Kopf des Ganzen. Aber vor vier Jahren entschied Johan Bruyneel, sich nicht länger zu verteidigen und dem Verfahren zu entziehen. So wurde er in Washington in Abwesenheit verurteilt. Der Belgier, gegen den 2012 eine zehnjährige Doping-Sperre verhängt worden war, habe die Doping-Aktivitäten „gelenkt und möglich gemacht“, erklärte das Gericht. Er soll wegen seiner Rolle im größten Korruptionsskandal in der Geschichte des Radsports eine Geldstrafe vom 369.000 Dollar bezahlen sowie Schadenersatz in Höhe von 1,2 Millionen Dollar leisten. Die Berechnung basiert auf internen Unterlagen, die zeigten, in welchem Umfang Bruyneel an dem Betrugssystem mitverdienen konnte. In der US-Postal-Ära erhielt er demnach 2.047.833 Dollar an Gehalt und Bonuszahlungen. Davon wurden 60 Prozent durch die Sponsorenfinanzierung abgedeckt.

          „Lance und ich haben das System nicht erfunden“

          Dass der 53-Jährige das Geld jemals bezahlen wird, ist unwahrscheinlich, solange er vermeidet, in die Vereinigten Staaten zu reisen. Zugriff auf sein Vermögen hat niemand von Amerika aus. Bruyneel, der in London lebt, hatte im April in einem Interview mit der belgischen Zeitung „Het Nieuwsblad“ die verbotenen Praktiken im Grundsatz zugegeben. Aber er verteidigte sich damit, dass Doping im Radsport „nicht mit uns angefangen und nicht mit uns aufgehört“ habe: „Lance und ich haben das System nicht erfunden.“ Sie seien zum Sündenbock gemacht worden.

          Tatsächlich ist dieser Fall der bislang einzige, in dem Sponsoren gegen überführte Athleten und ihre Hintermänner vorgegangen sind und ihr Geld zurückverlangt haben. Der Grund: eine Besonderheit im amerikanischen Recht, die der Post als quasistaatlicher Institution nicht nur die Möglichkeit einräumt, sich gegen den Betrug zu wehren. Ganz normale Staatsbürger können entsprechende Klagen im Rahmen des sogenannten „False Claims Act“ stellvertretend für die Behörden anschieben. Die Klage gegen Armstrong und seine Entourage hatte der ehemalige Mannschaftskamerad Floyd Landis 2010 nach seinem Doping-Geständnis eingereicht.

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