https://www.faz.net/-gtl-a0343

Leichtathletik-Meisterschaften : Wer gut improvisiert, gewinnt

  • Aktualisiert am

Auch die Überfliegerin hat so ihre Sorgen: Gesa Krause. Bild: dpa

Die deutschen Leichtathletik-Titelkämpfe sollen als Geister-Meisterschaften über die Bühne gehen: ohne Publikum, mit weniger Läufern, ohne Staffeln, aber dafür mit persönlichen Sportgeräten.

          2 Min.

          Auf die Plätze, fertig, los – und Abstand halten! Die deutschen Leichtathletik-Meisterschaften sollen am 8. und 9. August in Braunschweig nachgeholt werden: ohne Zuschauer, mit zur Hälfte besetzten Läufen und insgesamt beschränkter Starterzahl. Trotz der Corona-bedingten Einschränkungen ist ein Neustart für den nationalen Verband und die Sportler wichtig. Man wolle zeigen, „dass es die Sportart noch gibt und sie mit viel Freude betrieben wird“, sagte DLV-Präsident Jürgen Kessing. Mit Blick auf die Athleten fügte er hinzu: „Ein Pferd nur im Stall zu halten, macht keinen Sinn.“

          Es sieht gut aus, dass die ursprünglich für dieses Wochenende geplanten Titelkämpfe dann über die Bühne gehen können. Das Konzept wurde vergangene Woche bei den zuständigen Stellen in Niedersachsen eingereicht. „In einem ersten Feedback haben wir positive Signale vom Innenministerium mit der klaren Empfehlung an das Sozialministerium, dem zu entsprechen, erhalten“, berichtete DLV-Generaldirektor Idriss Gonschinska.

          Nach Monaten der Wettkampf-Abstinenz und des reduzierten Trainings geht es auch um eine Standortbestimmung für die besten Athleten. „Wir sind ein Jahr vor den Olympischen Spielen in Tokio“, sagte Gonschinska. „Man kann die Vorbereitung darauf nur schwer gestalten ohne Wettkampf-spezifische Reize zu setzen.“ Nur auf Grundlage von Fitness- und Athletik-Training habe man keine gute Ausgangslage für die Olympia-Saison 2020/21. Es sei eine der größten Herausforderungen der vergangenen Wochen gewesen, nicht zu wissen, „worauf trainiere ich eigentlich?“

          Generaldirektor Gonschinska: „Athleten, die gut improvisiert haben, werden sich gut präsentieren können“.
          Generaldirektor Gonschinska: „Athleten, die gut improvisiert haben, werden sich gut präsentieren können“. : Bild: dpa

          Trotz vieler Handicaps in der Corona-Krise erwartet Gonschinska in Braunschweig anspruchsvolle Leistungen. „Die Athleten, die die unklare Situation am besten gestaltet und gut improvisiert haben, werden sich gut präsentieren können“, erklärte er. Die Meisterschaften hätten aber nicht nur sportliche Bedeutung, sondern seien auch wichtig für die wirtschaftliche Handlungsfähigkeit des DLV. „Deshalb hoffe ich, dass es ein Leuchtturm-Projekt wird.“

          Es ist aber auch ein Projekt, bei dem nicht alle Disziplinen dabei sein können. Zugelassen sind keine Staffel-Rennen und nur Wettbewerbe bis 800 Meter, wobei ungewohnterweise auch über die zwei Runden in Bahnen gelaufen wird. Wegen der aktuellen Verordnung können die Läufe ab 1500 Meter nicht ins Programm integriert werden. Die Läufer würden sich zu nahe kommen. Für diese Strecken werde an einer „innovativen Wettkampfperspektive mit virtuellen Duellen auf Laufbändern“ gearbeitet.

          In den technischen Disziplinen ist die Teilnehmerzahl auf jeweils zehn Starter begrenzt. Vor und während des Titelkampfes gelten die Abstands- und Hygieneregeln, womit auch die Nutzung des eigenen Sportgerätes im Diskus- oder Hammerwurf sowie im Stabhochsprung Pflicht ist. Normal ist das nicht. „Im Moment haben wir in der Gesellschaft gar nichts ganz Normales“, meinte Gonschinska und ist dennoch überzeugt: „Wir werden in Braunschweig, eine Genehmigung der Veranstaltung vorausgesetzt, gute Leistungen sehen.“

          Stabhochspringen im Autokino

          Der DLV hat deshalb das Meisterschaftskonzept als Empfehlung an die Landesverbände und Clubs weitergegeben. „Es kann ein Signal setzen für Wettkämpfe in den Regionen“, sagte Gonschinska. Mehr um Aufmerksamkeit als um Topergebnisse geht es unterdessen dem Leipziger Kugelstoß-Team um den früheren Weltmeister David Storl an diesem Freitag. Bei dem Mini-Meeting ohne Zuschauer und bei „Training unter Wettkampfbedingungen“. In die gleiche Kategorie fällt das Stabhochspringen mit dem ehemaligen Weltmeister Raphael Holzdeppe am 12. Juni im Düsseldorfer Autokino. Auch der SC Neubrandenburg hat Pläne für erste Wettkämpfe.

          Mit ihren Prämien und Antrittsgeldern ist die Diamond League aus ökonomischer Sicht besonders wichtig für die Athleten. Sie soll mit elf Ein-Tages-Meetings am 14. August in Monaco starten. Gewiss ist das nicht. „Je mehr man darüber nachdenkt, desto stärker ist das auch mit Ängsten und Vorbehalten verbunden“, sagte Hindernisläuferin Gesa Kraus dem „Leichtathletik“-Magazin. Die Sportler bleiben in einer schwierigen Lage. Auch wenn sie immerhin wieder gegeneinander laufen dürfen.

          Weitere Themen

          „Beide Seiten sind schuld“ Video-Seite öffnen

          Fall Djokovic : „Beide Seiten sind schuld“

          Tennis-Star Novak Djokovic hat nach seiner Ausweisung aus Australien Dubai erreicht – im australischen Melbourne beginnen die Australien Open ohne den Weltranglistenersten. Fans vor Ort sind geteilter Meinung über den Fall. Sein Heimatland Serbien steht derweil fest zu Djokovic.

          Topmeldungen

          War am Montag auf dem virtuellen Weltwirtschaftsforum zu Gast: Chinas Staatschef Xi Jinping

          Chinas Konjunktur : Die Grenzen der Planwirtschaft

          Staatskonzerne müssen sich nicht darum kümmern, ob sich die vielen Brücken ins Nirgendwo rechnen. Der Versuch Pekings, mit mehr Planwirtschaft das Land voranzubringen, stößt an Grenzen. Was wird aus China?