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Gehirnerschütterungen im Eishockey : Hirn-Schlag

Schwarzer Helm: Sidney Crosby trägt im Training der Penguins-Profis die Warnfarbe, damit ihn seine Mitspieler nicht hart angehen Bild: dapd

Schläge auf den Hinterkopf erhöhen nicht das Denkvermögen - im Gegenteil: Bei Eishockeyspielern sind alarmierende Spätfolgen aufgetreten. NHL-Star Sidney Crosby darf nicht spielen.

          5 Min.

          Sidney Crosby war zuletzt nicht an seiner spielerischen Klasse zu erkennen, sondern an seiner Kopfbedeckung. Während die Teamkollegen von den Pittsburgh Penguins in gewohnten weißen Eishockeyhelmen ihre Saisonspiele absolvieren, trug der Superstar bis vor zwei Tagen im Training schwarz: eine Warnfarbe, die signalisierte, dass die Penguins-Profis ihren Mitspieler nicht hart angehen durften. Crosbys Kopf bleibt tabu. Der Kanadier, der sein Nationalteam im vergangenen Jahr durch ein goldenes Tor zum Olympiasieg von Vancouver schoss, leidet immer noch an den Folgen einer Gehirnerschütterung, die er Anfang Januar bei zwei kurz aufeinanderfolgenden Schlägen erlitt.

          Thomas Klemm

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Erst hatte Crosby beim "Winter Classic" am Neujahrstag einen Stoß gegen den Kopf hinnehmen müssen, vier Tage später wurde er von Tampa-Bay-Verteidiger Victor Hedman mit dem Kopf voran gegen die Bande gerempelt. Die Symptome - Kopf- und Nackenschmerzen, Schwindelgefühl und Konzentrationsschwächen - sind nach nunmehr neun Monaten zwar verschwunden. Aber ob und wann Crosby wieder zu einem Pflichtspiel in der nordamerikanischen Profiliga NHL auf das Eis geht und sich der Gefahr aussetzt, abermals einen Schlag gegen den Kopf zu erleiden, steht in den Sternen. "Man wird wieder getroffen", sagt Crosby, "darauf muss man sich erst einmal einstellen." Bis auf weiteres bleibt der Stürmerstar ein Mitläufer bei Übungseinheiten, ebenso wie der Deutsche Jochen Hecht bei den Buffalo Sabres nach einer Gehirnerschütterung.

          Gefahr für Leib, Laufbahn und Leben

          Zwar gab es früher schon prominente Profis wie NHL-Allstar Eric Lindros oder den kanadischen Olympiasieger Patrice Bergeron, die nach einem harten Check und einer anschließenden Kopfverletzung ausfielen oder gar ihre Karriere beenden mussten. Aber erst der Fall Crosby hat die NHL alarmiert - und auch den Rest der Eishockeywelt dazu veranlasst, sich intensiver mit der Gefahr für Leib, Laufbahn und Leben auseinanderzusetzen. "Für mich war es erschreckend zu sehen, wie weit man bei der Aufklärung zum Thema Gehirnerschütterung auch im deutschen Sport hinterherhinkt", sagt Marco Stichnoth, Geschäftsführer der Hannover Scorpions.

          Die Niedersachsen, 2010 Meister in der Deutschen Eishockey Liga (DEL), waren in der vergangenen Saison gezwungen, sich mit der Haupt-Sache zu beschäftigen. Nachdem ihr Spieler Ben Cottreau nach der dritten Gehirnerschütterung monatelang ausgefallen war, suchten die Scorpions Kontakte zu Spezialisten. In Montreal und an der Universität Boston wurden sie fündig, aber dem Stürmer war nicht zu helfen: Im Mai musste Cottreau seine Profikarriere ebenso beenden wie nicht allzu lange vor ihm die früheren DEL-Profis Ilja Worobjew und Brad Tapper; auch diese beiden waren wegen der Nachwirkungen nicht mehr belastbar.

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