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Gedopt in Peking : Olympisches Nachbeben

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Wie in Frankreich so in Peking: Stefan Schumacher wurde positiv auf Cera getestet Bild:

Die Spiele von Peking sind noch längst nicht zu Ende: Nach Davide Rebellin wurden nun weitere Namen der des Dopings mit Cera überführten Sportler bekannt. Unter ihnen ist der Olympiasieger über 1500 Meter, Rashid Ramzi - und Stefan Schumacher, deutscher Radprofi.

          Ein weiterer Ausreißversuch dürfte kaum möglich sein: Auch in einer Blutprobe, die dem Nürtinger Radprofi Stefan Schumacher während der Olympischen Spiele in Peking abgenommen wurde, fanden sich Spuren des Blut-Doping-Mittels Cera. „Wenn sich das bestätigt, dann ist es an Dummdreistigkeit nicht zu überbieten“, sagt Thomas Bach, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) und Vizepräsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC).

          Schumacher war bereits vom Weltverband UCI im März wegen Einnahme der gleichen Substanz bei der Tour de France 2008 für zwei Jahre gesperrt worden, er hat allerdings gegen diese Strafe Einspruch beim Internationalen Sportgerichtshof (Cas) eingelegt. Der Deutsche ist einer von sechs Athleten, die nachträglich ins Anti-Doping-Netz des IOC gegangen sind. Der Bund Deutscher Radfahrer bestätigte, die Unterlagen vom IOC erhalten und weitergegeben zu haben.

          Drei Leichtathleten: Ramzi, Perisic, Tsoumeleka

          Mit Davide Rebellin, wie Schumacher ein ehemaliger Gerolsteiner-Profi, erwischte es einen weiteren Radrennfahrer. Rebellin hatte im olympischen Straßenrennen die Silbermedaille gewonnen. „Das ist unmöglich, ich habe nichts getan“, ließ der Italiener über seine Frau Selina mitteilen. Unter den Erwischten ist auch ein Goldmedaillengewinner: Auch Rashid Ramzi, Olympiasieger über 1500 Meter aus Bahrein, wagte es, in Peking mit dem Mittel Cera im Körper zu starten, obwohl zu jenem Zeitpunkt bereits bekannt war, dass die Doping-Fahnder während der Tour de France den Italiener Riccardo Ricco damit erwischt hatten.

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          Der 28 Jahre alte gebürtige Marokkaner gewann das erste Olympia-Gold überhaupt für das Königreich Bahrein. Dem Irrtum, das Präparat Cera sei bei Doping-Tests nicht nachweisbar, erlagen zudem die griechische Geherin Athanasia Tsoumeleka, die kroatische 800-Meter-Läuferin Vanja Perisic und die Gewichtheberin Yudelquis Contreras aus der Dominikanischen Republik, die Fünfte in der 53-Kilogramm-Klasse wurde und heute Maridalion heißt.

          Die Staatsanwaltschaft Rom befasst sich mit Rebellin

          Der Test auf Cera stand dem IOC erst nach den Olympischen Spielen zur Verfügung. Daraufhin fassten die Olympier den Beschluss, 847 Nach-Tests der olympischen Proben auf die Weiterentwicklung des Medikaments und Blut-Dopingmittels Erythropoetin ausführen zu lassen. Weitere 101 Urintests auf Insulin brachten ausschließlich negative Ergebnisse. Das IOC informierte die Nationalen Olympischen Komitees der betroffenen Athleten, die nun die Analyse der B-Proben beantragen können.

          Ihnen drohen die Aberkennung der olympischen Medaillen oder Plazierungen, dazu eine Sperre von mindestens zwei Jahren, finanzielle Folgen und je nach Herkunftsland die Verfolgung durch ihre nationalen Staatsanwaltschaften. Rebellin wurde vom Nationalen Olympischen Komitee Italiens bereits gesperrt. Die Unterlagen reichte die Sportbehörde an die Staatsanwaltschaft in Rom weiter.

          Verpflichtung zur Strafanzeige

          Schumacher, 27 Jahre alter Sohn eines Ärzteehepaares, hat trotz vielfältiger Verdachtsmomente Doping immer vehement bestritten. Auch sein positiver Test bei der Tour de France beruht auf einer nachträglichen Analyse, deren Ergebnis erst im Oktober bekannt wurde. Schumacher verzichtete in diesem Fall auf die Öffnung der B-Probe. Schon vor den Weltmeisterschaften in Stuttgart im Herbst 2007, wo er Dritter im Straßenrennen wurde, war er mit verdächtigen Blutwerten aufgefallen. Handfeste Beweise hatte es jedoch nicht gegeben. Kurz nach der WM waren bei einer Polizeikontrolle Spuren von Aufputschmitteln in seinem Blut gefunden worden.

          „Wir haben uns mit der Olympianominierung nicht leicht getan“, sagt Bach. „Allerdings lag kein juristisch verwertbarer Beweis vor, der der Überprüfung einer Nichtnominierung standgehalten hätte.“ Schumacher droht nicht nur eine weitere, möglicherweise vierjährige, Sperre. Der DOSB hat seine Mitgliedsverbände verpflichtet, bei Verdacht auf Gesetzesverstöße beim Staatsanwalt Anzeige zu erstatten. Verabreichung von und Handel mit Doping-Mitteln sind mit einer Strafe bis zu zehn Jahren Haft bedroht.

          „Es wird Zeit, dass Schumacher redet“

          „Es wird Zeit, dass Schumacher redet“, sagt DOSB-Generaldirektor Michael Vesper. „Wer ein Doping-Mittel wie Cera nimmt, muss Hintermänner gehabt haben.“ Außerdem müsste Schumacher dem DOSB die olympischen Entsendungskosten in Höhe von 2000 Euro zurückzahlen. Schumacher selbst ging nicht an sein Telefon. „In Fortsetzung der Tour ist das ein besonders verwerfliches Verhalten“, erklärte BDR-Präsident Rudolf Scharping.

          Das IOC wertet die positiven Tests als wichtige Botschaft an die Athleten. „Betrüger können nie davon ausgehen, dass sie nicht erwischt werden“, sagte Arne Ljungqvist, der Chef der Medizinischen Kommission. Das IOC lagert neuerdings die Doping-Proben von Olympischen Spielen acht Jahre lang ein. Sollten weitere neue Testverfahren auf Doping-Mittel entwickelt werden, können die Blut- und Urinproben weiterhin nachgetestet werden. Während das Blut mit der Zeit zu verderben droht, können Urinproben mehrmals geteilt und für lange Zeit frisch gehalten werden.

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