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Garmisch-Partenkirchen : Olympisches „Ja“ in Garmisch

Herz für Olympia: Die Mehrheit in Garmisch-Partenkirchen ist für die Spiele Bild: dpa

Es war eine Rechnung mit zwei Unbekannten für die Münchner Bewerbung für 2018. Doch bei der Bürgerbefragung in Garmisch-Partenkirchen hat sich eine knappe Mehrheit für Olympia ausgesprochen. Vorausgegangen waren monatelange Streitereien.

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          In acht Wochen entscheiden die Mitglieder des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) über die Vergabe der Winterspiele 2018. Um diese rund 110 Personen zu überzeugen, ihre Meinungsbildung zu beeinflussen oder überhaupt zu verstehen, wird gewaltiger Aufwand betrieben, werden teure Dokumente, komplizierte Dossiers, gewaltige Präsentationen erarbeitet. Und doch weiß niemand wirklich, was in den Köpfen der IOC-Mitglieder vorgeht, wenn sie ihre Entscheidung treffen. Das verbindet sie mit einer anderen Spezies, für deren Verhaltungsforschung ebenfalls großer Aufwand betrieben wird: dem Wahlbürger.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Deshalb war es bis Sonntagabend gegen 22 Uhr eine Rechnung mit zwei Unbekannten für die Münchner Bewerbung für 2018 - eine gefährliche Rechnung, denn zwei sind oft eine zu viel. Dann aber wurde in Garmisch-Partenkirchen, dem alpinen Austragungsort von München 2018, das Votum des Bürgers bekanntgegeben, der sein Interesse an dieser Frage mit einer Wahlbeteiligung von fast sechzig Prozent unterstrichen hatte. Beim „Bürgerentscheid eins“, dem der Olympiaunterstützer, belief es sich auf 58,07 Prozent Ja-Stimmen. Dem Entscheid zwei, dem der Gegner, fehlten am Ende 131 Stimmen, um ebenfalls eine Mehrheit zu bekommen. Er kam auf 49,41 Prozent Ja-Stimmen.

          Offenbar gab es eine Reihe von Bürgern, die auf die beiden Fragen nicht eindeutig antworteten, sondern ihre Meinung differenzierten: Gegen Olympia stimmten bei Frage eins nur 4949 Wähler, bei der aus juristischen Gründen komplizierter formulierten Frage zwei waren es 5526. Am Ende gab deshalb das dritte Kreuz das wahre Meinungsbild wohl am besten wieder, auch wenn es nur dann wirksam geworden wäre, hätten beide Bürgerentscheide eine Mehrheit erhalten. Auf diese simple Stichfrage nach Ja oder Nein zu Olympia 2018 in Garmisch-Partenkirchen antworteten 54,91 Prozent der Wähler mit Ja, 45,09 mit Nein.

          Winterspiele 2018 : Bürgerentscheide für Olympia in Garmisch

          Nach Durban, um zu gewinnen

          Nach zweijähriger Ungewissheit über diesen „kritischsten Ort der Bewerbung“, wie Thomas Bach es nennt, zeigte sich der wichtigste deutsche Sportfunktionär am Montag erleichtert darüber, dass man gegenüber dem IOC nun auch in Sachen „Zustimmung der Bevölkerung Fakten auf den Tisch legen kann“. 55:45, eine solide, keine strahlende Mehrheit, eine, die nicht als Werbung taugt, aber Zweifel beseitigt. „Endlich Klarheit“, so Bach. Die letzten Grundstücksfragen am Ort sind zwar noch nicht gelöst, sie dürften aber keinen großen Einfluss mehr haben auf die Entscheidung. Und wenn diese am 6. Juli positiv ausfiele, hätte man sieben Jahre Zeit, sie zu lösen. „Wir fahren nach Durban, um zu gewinnen“, erklärte Bach kämpferisch.

          Seit dem späten Sonntagabend ist die eine Unbekannte der Bewerbung gelöst. Mit der anderen Unbekannten, den Mitgliedern des IOC, kennt sich dessen Vizepräsident Bach bestens aus. Er war am Montag bereits auf dem Weg zum IOC-Sitz in Lausanne, um dort die Neuigkeiten zu präsentieren: Er erwarte, das Ergebnis aus Garmisch-Partenkirchen werde dort „sehr positiv aufgenommen“.

          Kampf um Stimmen

          Der Förster und Naturschützer Axel Doering, der zum Anführer des lokalen Widerstands geworden war, sah das naturgemäß anders: „Das große Signal ans IOC war es nicht.“ Grünen-Politiker Ludwig Hartmann sprach von einem „blauen Auge“ für die Bewerbung und fragte, „ob das jetzt nicht eines zu viel ist“. Doch auf Dauer problematisch wäre es wohl nur, wenn die Bewerbung an diesem Dienstag ein Veilchen abbekäme. Dann stellt das IOC den Bericht der Evaluierungskommission vor, die die drei Bewerberstädte vor zwei Monaten besuchte und deren Pläne eingehend prüfte. Bach zeigt sich „zuversichtlich, dass die Stärken der Bewerbung“ dabei zur Geltung kämen und „dass wir bei den Sportstätten und im Umweltbereich punkten“. Das soll in der nächsten Woche in Lausanne vertieft werden, bei einer 45-minütigen Präsentation der Münchner Bewerbung vor den IOC-Mitgliedern, der umfangreichsten vor dem Finale im Juli.

          Ende Juni gibt es dann noch die Chance, in Togo bei den afrikanischen Olympiern Stimmen zu sammeln. Für sie gibt es normalerweise bei Winterspielen nur eine Rolle als Exot - außer natürlich bei der Entscheidung über ihre Vergabe. Schon vor einem halben Jahr hatte ein ortskundiger Beobachter in Garmisch-Partenkirchen es als „das Fatalste“ bezeichnet, „dass am 6. Juli Männer aus Asien oder Schwarzafrika über die Zukunft dieses Ortes entscheiden“, und für die Zeit danach befürchtet: „Wenn wir die Spiele nicht kriegen, wird ein Hauen und Stechen einsetzen, ein Attackieren der Gegner: Euretwegen haben wir die Spiele nicht bekommen.“ Auch Axel Doering, der Anführer der Gegner, sprach nun am Wahlabend von einem „Graben, der durch Garmisch-Partenkirchen geht“. Er sieht nach der klärenden Abstimmung nun aber die Chance, ein paar Brücken über den Graben zu schlagen: „Wir müssen zusammenleben, ob für oder gegen Olympia.“ (siehe: Kommentar: Brot und Spiele)

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