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Probleme durch Corona-Krise : Was dem deutschen Galoppsport fehlt

  • -Aktualisiert am

Wo bleibt die starke internationale Konkurrenz? Bild: dpa

Der Galopprennsport ist seit der Gründerzeit im 19. Jahrhundert global aufgestellt. Doch jetzt sind viele Grenzen in Europa zu. Das sorgt vor allem für zwei Probleme für den deutschen Pferdesport.

          3 Min.

          Die Corona-Krise macht Europa enger und kleiner. Das belastet auch den deutschen Galopprennsport, der seit seiner Gründerzeit im 19. Jahrhundert global aufgestellt ist. Doch jetzt sind die Schlagbäume an vielen Grenzen unten. „Wir sind und bleiben ein internationaler Sport und bedauern deshalb die Einschränkungen“, sagte Michael Vesper, Präsident des Dachverbands Deutscher Galopp, auf seiner wöchentlichen telefonischen Pressekonferenz. „Ein offenes Europa ist ein Eckpfeiler für unseren Sport.“ Dabei geht es grundsätzlich um zwei Dinge, beide mit erheblichen wirtschaftlichen und sportlichen Folgen für die Vollblutzucht: erstens um den Start im Ausland trainierter Pferde in Deutschland und zweitens um den Start in Deutschland trainierter Pferde im Ausland.

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          Als erste größere Rennsportnation in Europa haben die Deutschen am 7. Mai in Hannover die Corona-Zwangspause beendet. Vier Tage später folgte Frankreich, in England hofft man auf einen Wiederbeginn an diesem Montag, in Irland soll es noch eine Woche später losgehen. Für die in Deutschland tätigen Trainer und engagierten Besitzer ist Frankreich besonders wichtig. „Als ich 2016 begonnen habe, verstärkt in Frankreich zu laufen, habe ich zwei Drittel meines Preisgeldes in Deutschland verdient, ein Drittel in Frankreich“, sagt Gerald Geisler, der knapp 40 Pferde in Iffezheim bei Baden-Baden betreut, nur wenige Galoppsprünge von der Rhein-Grenze entfernt.

          „Das hat sich mittlerweile umgekehrt.“ Das Preisgeld sei fester Bestandteil seiner Gesamtkalkulation neben den monatlichen Trainingsgebühren, die jeder Besitzer zahlen muss. Geisler beschäftigt am Stall etwa acht Mitarbeiter. „Wenn ich monatelang in Frankreich kein Geld verdienen kann, dann geht das an die Existenz.“ Die Gewinnprämien sind im Nachbarland angesichts eines vielfach höheren Wettumsatzes und größeren staatlichen Einflusses deutlich lukrativer als zu Hause.

          Doch momentan bleiben die Deutschen außen vor – und das noch bis mindestens Mitte Juni. Das hat auch mit dem Druck französischer Trainer und Besitzer zu tun, denen schon vor Corona ein Dorn im Auge war, dass viele Preisgelder nach Osten abfließen. Allerdings wäre so mancher Renntag in Frankreich eine armselige Angelegenheit, gäbe es die vielen deutschen Starter nicht. Umgekehrt klagen die deutschen Rennvereine häufig über zu wenige einheimische Teilnehmer, sind in den Basisrennen dankbar für Pferde aus den Niederlanden, Belgien, Polen, Tschechien oder Ungarn. Denn sie bringen Startgebühren und Wettumsatz.

          Deshalb hat Deutscher Galopp beschlossen: „Ab sofort dürfen Pferde aus dem Ausland wieder an den Leistungsprüfungen teilnehmen.“ Es gibt aber eine Einschränkung: „Für Rennsportnationen, in denen keine deutschen Starter zugelassen sind, wird dieser Zugang jedoch bis auf weiteres nicht gewährt.“ Das bedeutet aktuell, dass keine Pferde aus England, Frankreich oder Irland akzeptiert werden. Die Gäste aus England und Frankreich kommen weniger für das Preisgeld, das in diesen Ländern deutlich höher liegt, als für die sportlich und züchterisch wichtigen Gruppe- und Listenrennen angereist.

          Denn da gibt es das begehrte „Black Type“ zu verdienen – einen schwarzfetten Eintrag in den Leistungskatalog des Pferdes, der den Verkaufs- und Zuchtwert erheblich steigert. Das 35. Mehl-Mülhens-Rennen am Pfingstmontag in Köln ist so eine bedeutende Gruppe-II-Prüfung. Sie ist den Dreijährigen vorbehalten, führt über 1600 Meter und hat trotz Halbierung des Preisgelds noch eine Gesamtdotierung von 76.500 Euro, davon 50.000 Euro für den Sieger. Und der kam in den vergangenen zehn Jahren allein sechsmal aus England oder Frankreich. In diesem Jahr muss der klare Favorit, der „Galopper des Jahres 2019“, Rubaiyat, jedoch keine starke ausländische Konkurrenz fürchten, zwei wahrscheinliche Starter aus England mussten zu Hause bleiben.

          Rubaiyat steht im Besitz des Stalles Darius Racing, den der Vorsitzende des Darmstädter Chemie- und Pharmaunternehmens Merck, Stefan Oschmann, betreibt. Bei fünf Lebensstarts hat der Hengst fünfmal gewonnen – so auch beim Saisondebüt vor drei Wochen in Berlin-Hoppegarten im Dr. Busch-Memorial (Gruppe III). Trainiert wird der nach einer persischen Gedichtsform benannte Rubaiyat – Oschmanns Ehefrau kommt aus Iran – von Championtrainer Henk Grewe. Im Sattel sitzt der mehrfache Championjockey Andrasch Starke. Der schwärmte von Rubaiyat trotz des eher knappen jüngsten Erfolgs: „Das ist ein Wahnsinnspferd. Im Training macht er nicht so viel, so müssen Rennpferde sein.“

          Schärfster Konkurrent im kleinen Siebenerfeld könnte Fearless King werden, den Sarah Steinberg in München für den Stall Salzburg vorbereitet. Sie bejubelte am vergangenen Sonntag einen großen Triumph, als sie im Großen Preis der Badischen Wirtschaft (Gruppe II) mit Quest The Moon und Wai Key Star Platz eins und drei belegte. Beim auf zwei Tage verkürzten Frühjahrsmeeting in Baden-Baden war die fehlende Internationalität im Übrigen besonders zu spüren: Normalerweise sind mindestens ein halbes Dutzend Nationen vertreten – in diesem Jahr erstmals nur das Gastgeberland.

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