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Galoppsport : Iffezheim zieht den Hut

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Danedream und Iffezheim – das ist eines der vielen Turf-Märchen, in denen immer jemand viel Geld verdient Bild: dpa

Danedream gewinnt den Großen Preis von Baden. Auch abseits des Rennovals gibt es wichtige Neuigkeiten. Der Verkauf von Sportvermarkter Infront schreckt die Galoppszene in Iffezheim auf.

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          Die Hut-Frage ist längst abgesetzt: Vor dem Wettschalter, wo sich das wahre Leben der Galopprennbahn Iffezheim abspielt, ist jeder gleich – Bekleidung Nebensache. Zwar führt die eine oder andere Dame auf der Haupttribüne auch heute noch ihren Fascinator aus – das sind die hut-ähnlichen Minidekorationen, die man auch von Aristokraten-Hochzeiten kennt –, aber die Faszination der Großen Woche liegt anderswo. Die bunten Felder donnern übers grüne Geläuf, und so gut wie jeder hier hat einen diskreten Wettschein in der Tasche, ob er nun Champagner trinkt oder Würstchen verkauft. Richtig getippt?

          Evi Simeoni

          Sportredakteurin.

          Den Großen Preis von Baden, das Hauptereignis der Großen Woche am Sonntag, gewann die dreijährige Stute Danedream vom Gestüt Burg Eberstein mit Andrasch Starke im Sattel mit sechs Längen Vorsprung vor der Vorjahressiegerin Night Magic und dem englischen Hengst Joshua Tree. Damit ist Danedream Deutschlands neuer Galopperstar, während der mitfavorisierte Derbysieger enttäuschte: Im strömenden Regen und dadurch tiefem Geläuf wurde der Hengst Waldpark Sechster und Letzter. Auch vor Night Magic zieht Iffezheim den Hut: Die fünfjährige Stute mit Jockey Karoly Kerekes wurde nach langer Führung erstmals auf dieser Bahn geschlagen. Night Magic wird nun vom Sport verabschiedet, Besitzer Hans-Gerd Wernicke will sie an einen solventen Züchter verkaufen.

          Danedream und Iffezheim – das ist eines der vielen Turf-Märchen, in denen immer jemand viel Geld verdient. Bei der Frühjahrsauktion im Mai 2010 kaufte der Möbelhändler Helmut Volz das Pferd hier für 9000 Euro. Allein am Sonntag brachte die Stute ein Preisgeld von 150.000 Euro ein, insgesamt bereits 580.000 Euro. Und auch der sportliche Wert dieses Sieges ist groß.

          „An der eingeschlagenen Wegrichtung ändert sich nichts“

          Über die gleiche Strecke, 2400 Meter, wird auch das Derby in Hamburg gelaufen, für das nur Dreijährige zugelassen sind. Deswegen bietet der Große Preis von Baden eine ganz spezielle Konstellation: Die besten Dreijährigen treffen auf ältere Konkurrenz mit Steher-Qualitäten. Außerdem wird dieses Rennen gerne als Sprungbrett für das berühmteste Renn-Ereignis der Welt genutzt wird, den Prix de l’Arc de Triomphe in Paris-Longchamp Ende Oktober, ebenfalls über 2400 Meter. Auch für Siegerin Danedream könnte Paris die nächste Station sein, vielleicht aber auch Tokio oder Kentucky.

          Wie hochklassig der seit mehr als 150 Jahren ausgetragene Große Preis von Baden ist, kann man auch an seiner wohlklingenden Siegerliste sehen. Zweimal – 1986 und 1987 – gewann im Alter von vier und fünf Jahren etwa der berühmte Acatenango. Dieser nach einem Vulkan in Guatemala – und einer Kaffee-Anbauregion – benannte Hengst wurde auf dem Gestüt Fährhof in der Nähe von Bremen gezüchtet von Walther J. Jacobs. Dessen Enkel Andreas Jacobs setzt zwar nicht die Tradition des Kaffeeröstens fort – dieses Geschäft ist verkauft. Doch auf ihm ruht die Hoffnung der deutschen Galopperszene. Der Unternehmer ist Präsident der Baden Racing, der Firma, die die Bahn zunächst für fünf Jahre gepachtet hat und Iffezheim in die „Champions League“ der Rennveranstaltungen zurückführen will.

          Auch eine aufsehenerregende Wirtschaftsnachricht vom Freitag wird Jacobs nicht aufhalten: Zwar gab der britische Investor Bridgepoint bekannt, er werde den Sportvermarkter Infront übernehmen, der am Rande auch Mehrheitsgesellschafter von Baden Racing ist – Jacobs gehörten bisher fast 60 Prozent von Infront. Doch alles soll beim Alten bleiben. „An der eingeschlagenen Wegrichtung ändert sich nichts“ , ließ sich Jacobs in einer Pressemitteilung zitieren. Infront werde weiter das Ziel verfolgen, die Bahn „auf internationales Niveau zu führen“ . Den Blick Richtung Zukunft gewandt – so hat es der Galopprennsport immer gehalten. Die Vergangenheit besteht allzu oft nur noch aus Schnipseln weggeworfener Wettscheine, die sich am Sonntag mit Regenwasser vollsaugten.

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