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Galopprennen : Vom Wettmarkt abgehängt

  • -Aktualisiert am
Klassiker des deutschen Galoppsports: die Rennbahn in Iffezheim
          3 Min.

          „...am Ende des Feldes Bluenote“ - dieses Zitat stammt aus einem der berühmtesten Filme, in denen es um den Galoppsport und das Wetten geht: „Der Clou“. Doch es ist lange her, dass Pferderennen in der Öffentlichkeit ein großes Thema waren. So wie Bluenote im Film galoppiert der Rennsport im Interesse der deutschen Sportfans am Ende des Feldes.

          Dabei ist die Lage beim Frühjahrsmeeting in Iffezheim, das am Mittwoch begann, zwiespältig. Sportlich agieren deutsche Pferde, Trainer und Jockeys europaweit auf hohem Niveau. Spektakulärstes Beispiel war vor einem Jahr der Sieg von Danedream im berühmtesten Rennen Europas, dem Prix de l’Arc de Triomphe in Paris. Doch wirtschaftlich bewegt sich der Galoppsport weiter am Rand des Existenzminimums.

          Selbst Iffezheim, der Vorzeige-Standort in Deutschland, blieb davon nicht verschont. 2010 stand die Bahn bei Baden-Baden vor der Insolvenz, konnte erst in letztem Moment gerettet werden. Wie in allen anderen professionell betriebenen Sportarten hängt auch im Galoppsport fast alles am Geld. Das Spezifische beim Turf: Der Umsatz wird über Wetten generiert. Der Betrieb der Bahnen und die Ausschüttung der Preisgelder hängt unmittelbar vom Ertrag aus dem Wettgeschäft ab.

          Rund 70 Prozent des Wetteinsatzes auf den Bahnen wird wieder ausgeschüttet, 25 bis 27 Prozent dürfen die Betreiber für ihre Arbeit einbehalten. Doch der Umsatz ist seit rund zwanzig Jahren immer mehr eingebrochen. Waren es 1994 noch 144 Millionen Euro, blieben 2011 nur noch 34 Millionen am Totalisator stehen. Mit einem Ertrag von 8,5 Millionen sind die 20 großen und weiteren kleinen regionalen Bahnen in Deutschland „kaum zu betreiben“, so Benedict Forndran, Geschäftsführer von Baden-Racing in Iffezheim. In Hongkong wird dieser Umsatz in einem einzigen Monat erwirtschaftet.

          Zwei Milliarden Euro für Sportwetten

          Der Rennsport als „Erfinder“ der Wette (seit 1922) ist längst von der Entwicklung auf diesem „wilden“ Markt abgehängt worden. Denn die tatsächlichen Umsätze sind nicht gesunken, im Gegenteil: Sportwetten gehören zu den Wachstumsbranchen. Rund zwei Milliarden Euro stark soll der Markt in Deutschland sein, hauptsächlich durch Fußballwetten.

          Aber auch bei Pferdewetten wird das Volumen noch auf 150 Millionen Euro geschätzt. Allerdings hauptsächlich im Internet. Die Online-Anbieter bezahlen keinen Cent Abgaben für ihre (ins Ausland) vermittelten Wetten. Früher floss zumindest die von Buchmachern zu entrichtende Wett- und Lotteriesteuer an die gemeinnützigen Rennvereine zurück.

          Deutsche Trainer sind gefragt

          Angesichts dieser Lage ist es umso erstaunlicher, dass deutsche Pferde und Trainer europaweit einen ausgezeichneten Ruf genießen. Nicht nur Danedream machte mit seinem Sieg beim Arc de Triomphe auf sich aufmerksam. Nur wenige Tage vor dem World Cup in Dubai vor sechs Wochen, dem mit 10 Millionen Dollar am höchsten dotierten Rennen der Welt, verkaufte der deutsche Besitzer das vierjährige Spitzenpferd Zazou an den tschetschenischen Präsidenten Ramzan Kadyrow.

          Gemunkelt wurde von einer Summe von mehr als zwei Millionen Euro. Auch deutsche Trainer sind weltweit gefragt. Andreas Schütz, der fünf Mal mit seinen Pferden das Deutsche Derby gewann, trainiert seit 2006 in Hongkong und kann dort bislang mehr als 125 Siege auflisten. Auch hiesige Jockeys haben einen guten Namen. Der in Deutschland lizenzierte Andreas Suborics reitet in Hongkong, Singapur und Dubai, Andrasch Starke, Siegreiter von Danedream in Paris, kennt ebenfalls alle Rennbahnen der Welt.

          Flucht ins Ausland

          2011 haben deutsche Galopp-Pferde im Ausland eine Gewinnsumme von neun Millionen Euro erzielt. Das ist im europäischen Vergleich einmalig. Es hat aber auch mit einer Art Flucht ins Ausland zu tun. Denn überall gibt es mehr zu verdienen als in der Heimat. Etwa in Frankreich, wo der Wettmarkt über die zentrale PMU (Pari Mutuel Urbain) organisiert ist und mehr als 8000 Shops Umsätze in Milliardenhöhe generieren. Davon profitieren Rennbahn-Betreiber, Besitzer und Trainer. In Deutschland fehlt solch ein funktionierendes System.

          Von Frankreich lernen

          Beim Iffezheimer Frühjahrsmeeting werden rund 500.000 Euro an Preisgeldern ausgeschüttet, fast genau der Ertrag eines erhofften Zwei-Millionen-Totalisator-Umsatzes. Betrieb und Instandhaltung der Bahn sind da noch nicht eingerechnet. „Ohne eine ganzjährige Vermarktung der Bahn geht heute gar nichts mehr“, sagt Forndran, „auch ohne die Sponsoren wären wir aufgeschmissen.“ Immerhin muss für die Bahn in Iffezheim ein jährliches Betriebsbudget von rund zwei Millionen Euro aufgebracht werden. „Da muss man kreativ sein“, sagt Forndran. So arbeitet seit 2011 Baden-Racing mit dem französischen Anbieter PMU zusammen.

          Zwar bekommt der Klub nur drei Prozent des Umsatzes von PMU, aber die Franzosen wetteten im vergangenen Jahr 10 Millionen Euro auf die Rennen in Iffezheim. Davon blieben immerhin 300.000 Euro für den Veranstalter hängen. Warum also nicht von Frankreich lernen? Zum einen sind die (sport-)politischen Bedingungen in Deutschland anders, zum anderen agiert der deutsche Dachverband, das Direktorium für Vollblutzucht und Rennen, beim Versuch von Strukturreformen unglücklich. In „Der Clou“ rollte Bluenote am Ende das Feld auf und gewann als Außenseiter. Ein ähnliches Wunder könnte auch der deutsche Galoppsport gebrauchen.

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